Kultur

Melange: Menschliche Abgründe aufs Korn genommen

Kriszti Kiss wusste mit ihrem Abend zu Ehren von Ephraim Kishon zu amüsieren.

Kriszti Kiss wusste mit ihrem Abend zu Ehren von Ephraim Kishon zu amüsieren.

Foto: Annabell Jatzke / IKZ

Genna.  Kriszti Kiss war nach acht Jahren wieder mit ihrem Satireprogramm nach Ephraim Kishon bei Melange bei Pollmeier.

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„Dass ich nicht lache . . . Satiren, Szenen, Sketche und Überraschungen von Ephraim Kishon“, so lautete am Freitagabend der Titel des Melange-Programmes mit Kriszti Kiss in der Gaststätte Pollmeier. Die Besucher brauchten dabei keinesfalls Sorge vor zu wenig Erheiterung haben. Vielmehr wurden die Lachmuskeln regelrecht strapaziert. Das erste Mal bot die aus Budapest stammende Schauspielerin, Kabarettistin, Chansonsängerin und Rezitatorin das Programm in Genna dar, eine Premiere war es dennoch nicht, ist es doch eines ihrer älteren. „Vor acht Jahren habe ich es zuletzt gespielt und freue mich sehr, das Programm nochmal vorzutragen“, so Kiss. Diese Spielfreude und die Leidenschaft für Ephraim Kishon (1924-2005), den „Weltmeister der Satire“, merkte man Kiss an. Mit Kishon verbindet die Künstlerin etwas Besonderes: Beide stammen aus Budapest, wohnten gar in derselben Straße, nur eben jeder zu seiner Zeit.

In ihrem Programm brachte Kiss dem Publikum näher, wie Kishon zu dem Satiriker geworden ist, den man kennt und schätzt. Sei es aus der eigenen Lebensgeschichte oder einfach aus dem Alltag, Kishon nahm die Abgründe menschlicher Existenz lächelnd aufs Korn wie kaum ein anderer. Die humoristische Darstellung der israelischen Alltagsrealität und seines Familienlebens waren dabei Schwerpunkte des bekannten Satirikers.

Er schrieb zumeist Kurzgeschichten, aber auch Theaterstücke und Drehbücher, arbeitete in Israel und in der Schweiz. Respektlose Situationskomik, hintergründige Ironie und ein scharfer Blick für die kleinen menschlichen Schwächen gehen bei Kishon eine unvergleichliche Mischung ein, die ihn als Humoristen von hohem Rang ausweist. Entstanden sind daraus zahlreiche humoristische Geschichten, von denen Kiss verschiedene präsentierte. Sei es vom weiblichen Instinkt, dem ABC der Heiterkeit oder „Es war die Lerche“ – der ausverkaufte Schankraum hatte einiges zu lachen.

Besucher lernten Kishon auchals Menschen etwas kennen

Hinzu kam, dass Kriszti Kiss einen der populärsten und erfolgreichsten Humoristen des 20. Jahrhunderts auch persönlich vorstellte. 1949 wanderte dieser nach Israel aus. Zuerst schienen sich die Träume in der neuen Heimat nicht zu erfüllen. Wenngleich sich Kishon in Israel zu Hause fühlte, blieb Ungarn stets seine Heimat. Das Hebräische bereitete ihm, der neben seiner Schriftstellertätigkeit auch ein leidenschaftlicher Vortragsredner war, zunächst einige Schwierigkeiten.
Aber nicht nur Kishons Texte brillierten an diesem Abend zum Schmunzeln und herzhaften Lachen. Natürlich wäre das Programm nur halb so gut gewesen, wenn Kriszti Kiss es nicht wieder verstanden hätte, mit Mimik und Gestik ein Stück weit in die Rollen hineinzuschlüpfen und das Publikum mit einzubeziehen. „Wissen Sie, was Humor ist?“, fragte Kiss in Richtung ihrer Zuhörer. Nach diesem Abend bei „Melange“ in der Gaststätte Pollmeier wussten auch die letzten gewiss die richtige Antwort darauf.

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