Führungswechsel

Mit Heimatliebe für die Sicherheit

Thomas Eckern, hier in seinem neuen Büro an der Friedrichstraße, läuft im Urlaub lieber mit seiner Frau durch die Alpen, als am Strand zu liegen. In Letmathe lebt er seit zehn Jahren, schätzt die Nachbarschaft und freut sich schon auf die nächste Kilianskirmes.

Thomas Eckern, hier in seinem neuen Büro an der Friedrichstraße, läuft im Urlaub lieber mit seiner Frau durch die Alpen, als am Strand zu liegen. In Letmathe lebt er seit zehn Jahren, schätzt die Nachbarschaft und freut sich schon auf die nächste Kilianskirmes.

Foto: Alexander Barth

Letmathe/Kreis.  Thomas Eckern ist Wahl-Letmather und neuer Leiter der Direktion Gefahrenabwehr und Einsatz der Polizei im Märkischen Kreis.

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Aus seinem neuen Büro im siebten Stock des Dienstgebäudes der Kreispolizeibehörde an der Friedrichstraße kann Thomas Eckern fast bis zu seiner Wahlheimat Letmathe blicken. Die Wände sind noch kahl, Bilder stehen provisorisch angelehnt. „Hier wird noch gestrichen“, erklärt der 53-Jährige. Von seinem Vorgänger Peter Beine hat er nicht nur den Schreibtisch, sondern auch den Aufgabenbereich übernommen: die Leitung der Direktion Gefahrenabwehr und Einsatz (GE), eine von vier Abteilungen neben Kriminalität, Verkehr und Verwaltung („Zentrale Aufgaben“).

Berufliche Heimkehr für überzeugten Sauerländer

„Im Alltag befasse ich mich zum Beispiel mit dem Streifendienst, den Leitstellen und besonderen Einsatzlagen wie neulich bei der Schülerdemo ‘Fridays for Future’“, erklärt Thomas Eckern. Nur einen kleinen Bruchteil seines Gebietes kann er aus seinem Bürofenster überblicken, denn das ist der ganze Märkische Kreis. Die neue Stelle ist für ihn eine Heimkehr in „seine“ Region: Zwar ist er in Hagen geboren und im Ennepe-Ruhr-Kreis aufgewachsen, seit zehn Jahren jedoch fühlt er sich an der Lenne pudelwohl. „Es ist schön, wenn man sich den Bürgern bei der Arbeit heimatlich verbunden fühlt“, sagt der Polizeidirektor, der sich inzwischen als Sauerländer fühlt. „Aus polizeilicher Sicht ist Letmathe eher ruhig, aber unterschätzen darf man so eine Stadt auch nicht“, lautet seine Einschätzung.

Berufliche Stationen hat er inzwischen viele durchlaufen, das Polizeihandwerk hat er „von der Pieke auf“ gelernt, beginnend mit der Ausbildung direkt nach der Schule – das war 1982, darauf gekommen ist er über seinen Vater, der als Verwaltungsbeamter für die Polizei tätig war. In den letzten Jahren hat er sich unter anderem intensiv mit Fußball befasst, berichtet er: „Eigentlich sind meine Frau und meine Tochter bei mir zu Hause die Fans, aber wenn man mehrere Jahre in Dortmund arbeitet und mit der Absicherung von Spielen zu tun hat, färbt schwarz-gelb doch etwas ab.“ Die 0:5-Niederlage gegen den FC Bayern habe ihn durchaus getroffen. Es ist auch ein Fußballspiel, an das er bei der Frage nach dem Einsatz denkt, der für den größten Nervenkitzel gesorgt hat: „Es war ein Pokalspiel gegen Dynamo Dresden, die hatten 5000 Fans im Schlepptau. Da war einiges los, da hat es schon ziemlich gekribbelt.“

Durch seine Arbeit ist er zu einer differenzierten Sichtweise gelangt und möchte auch „Ultra“-Fangruppen nicht pauschal verurteilen – die aufrichtige Begeisterung und die Choreographien im Stadion weiß er zu schätzen. Andererseits sollte der Besuch eines Spiels auch für Familien angstfrei möglich sein: „Für die ist es besonders schlimm, wenn die Grenze zur Gewalt überschritten wird.“ Im Vergleich zu den wirklich schlimmen Erfahrungen, die mitunter auch zum Berufsbild gehören, ist das aber nichts. Schwere Verkehrsunfälle seien das vor allem: „In Hagen hatte ich mit einem Lkw-Unfall mit mehreren Toten zu tun, darunter Jugendliche. So etwas geht einem nahe, ich habe aber das Glück, so etwas nur ganz selten erlebt zu haben.“

Positives Menschenbild in der Ausbildung eingebracht

Thomas Eckern wirkt im Gespräch entspannt. Fragen beantwortet er ohne großes Wortgeklingel, aber stets das für und wider abwägend. Es überrascht nicht, dass der Mittfünfziger („gefühlt noch deutlich jünger“) auch in der Aus- und Fortbildung seine Handschrift hinterlassen hat. Sein zentrales Credo: „Ich glaube, als guter Polizist muss man Menschen wirklich mögen.“ Daran haben all die Jahre im Dienst nichts geändert, noch immer motiviert es ihn, Menschen helfen zu können: „Ich habe meine Berufswahl nie bereut“, sagt er überzeugt.

Nur die Tendenz in der Bevölkerung, Beamten zunehmend respektlos zu begegnen, stimmt ihn sorgenvoll. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man auf Streife ohne Anlass angepöbelt wird, das habe oft gar nichts mit einem Einsatz zu tun, sondern geschehe aus einer schwer erklärlichen Grundaggressivität heraus. Den Umgang damit beschreibt er ebenso als Herausforderung wie die Sozialen Medien: „Dort entstehen schnell Diskussionen, die zu managen einen beträchtlichen personellen Aufwand bedeutet.“

Plattformen wie Facebook böten aber auch neue Chancen, nah am Bürger zu sein. Tatsächlich ist es heute möglich, die Polizei nicht nur beim Aufgeben einer Anzeige online zu kontaktieren. Dazu hat Thomas Eckern einen dringenden Rat: „Wir lesen jede Nachricht, die wir bekommen, aber je nach Einsatzlage kann das eine Weile dauern. Im Zweifel sollten Bürger daher nach wie vor lieber die 110 wählen.“

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