Marienhospital

MVZ wäre kein vollwertiger Ersatz fürs Krankenhaus

Bei Ärzten sind MVZ sehr beliebt, da sie dort als Angestellte arbeiten können. Ein Krankenhaus ersetzen können sie aber nicht.

Bei Ärzten sind MVZ sehr beliebt, da sie dort als Angestellte arbeiten können. Ein Krankenhaus ersetzen können sie aber nicht.

Foto: Alexander Barth / IKZ

Letmathe.  Ein Medizinisches Versorgungszentrum könnte die Nahversorgung in Letmathe stärken – allerdings nur die ambulante.

Die Uhr tickt, die Aufgabe erscheint kaum lösbar, Ideen werden in den Raum geworfen. Als eine Alternative zur Rettung des Marienhospitals in seiner jetzigen Form ist wiederholt der Begriff „Medizinisches Versorgungszentrum“ (MVZ) gefallen. Was verbirgt sich dahinter, wie aussichtsreich ist dieser Ansatz?

Geschichte

Das MVZ ist ein Produkt der Gesundheitsreform von 2003 und hat die Polikliniken der DDR zum Vorbild, die nach der Wiedervereinigung fast vollständig abgeschafft worden waren. Seit 2004 können Ärzte und Psychotherapeuten mit Zulassung für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) im MVZ unter einem Dach arbeiten – als Angestellte. Vorgeschrieben war dabei ursprünglich, im Unterschied zu Gemeinschaftspraxen, ein interdisziplinäres Angebot. Diese Vorgabe kassierte der Gesetzgeber 2015 allerdings wieder. Da zudem seit 2007 auch Inhaber einer Einzelpraxis weitere Ärzte als Angestellte beschäftigen dürfen und diese auf den Versorgungsgrad angerechnet werden, ist das verbleibende Alleinstellungsmerkmal die Regelung der Trägerschaft. Während bei Einzel- und Gemeinschaftspraxen stets Mediziner selbst In- beziehungsweise Teilhaber des Betriebs sind, konnten bei MVZ zu Beginn sogar Aktiengesellschaften als Träger auftreten. Als Maßnahme gegen die Tendenz, MVZ profitmaximierend zu bewirtschaften, wurde dies 2012 mit dem so genannten GKV-Versorgungsstrukturgesetz eingeschränkt. Seit der letzten Überarbeitung 2015 (GKV-Versorgungsstärkungsgesetz) dürfen neben Vertragsärzten, Krankenhäusern, bestimmten Erbringern nichtärztlicher Dialyseleistungen sowie bestimmter gemeinnütziger Trägerorganisationen auch Kommunen wie die Stadt Iserlohn MVZ gründen.

Verbreitung

Die Verbreitung von MVZ im Gebiet der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat diese zuletzt im Mai untersucht und vorgestellt. Demnach sind MVZ entgegen des ursprünglichen Anliegens, damit die medizinische Versorgung auf dem Land zu verbessern, vorwiegend in den Ballungsgebieten vertreten (Ruhrgebiet: 97, Sauerland: 31). Insgesamt macht die Rechtsform des MVZ lediglich zwei Prozent der Niederlassungen aus, mit 77 Prozent dominiert noch immer die Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxen liegen bei 21 Prozent. In Iserlohn gibt bereits verschiedene MVZ, zum Beispiel die Dialyse und die Internistische Praxis für Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen am St.-Elisabeth-Hospital.

Perspektiven

Bei Medizinern würden MVZ immer beliebter, erklärt Dr. Fritz Lax, Sprecher der Iserlohner Ärzte. Kollege Dr. Hans-Jörg Hilscher aus Letmathe bestätigt: „Junge Ärzte wollen lieber angestellt arbeiten, das verspricht geregelte Arbeitszeiten und Urlaub.“ Einzelpraxen von selbstständigen Medizinern hingegen seien so gut wie unverkäuflich, zumindest außerhalb der größten Städte. Wegen der Nachwuchsproblematik würden Hilscher selbst und, wie er berichtet, drei weitere heimische Hausärzte „sofort zu einem neuen MVZ wechseln“. Ihre personengebundene GKV-Zulassung würden bereits hier niedergelassene Ärzte dabei behalten, im Marienhospital hingegen hätten allenfalls die Chefärzte „begrenzte, vorübergehende Genehmigungen für ambulante Behandlungen“, so Dr. Hilscher. Tatsächlich habe er sich schon 2018 darum bemüht, ein MVZ am Marienhospital einzurichten – sei jedoch am Widerstand der Märkischen Kliniken gescheitert.

Entscheidender Nachteil der MVZ-Lösung: Sie betrifft nur die ambulante Versorgung. Intensivbetten, Notarzt, Rettungswagen – all diese Fragen stehen auf einem ganz anderen Blatt.

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