Gastronomie

Nach rund 400 Jahren ist nun Schluss

Ilona und Wilhelm Höynck ziehen nach rund 400 Jahren einen Schlussstrich: Zum 31. Dezember schließen sie ihre Gastwirtschaft.

Ilona und Wilhelm Höynck ziehen nach rund 400 Jahren einen Schlussstrich: Zum 31. Dezember schließen sie ihre Gastwirtschaft.

Foto: Michael May

Iserlohn.  Ein Abschied voller Wehmut: Haus Höynck, die älteste Gaststätte Letmathes, schließt zum 31. Dezember.

Leicht hat sich das Ehepaar Höynck diesen Schritt nicht gemacht. Schließlich ist es nicht nur für die beiden, sondern auch für die Familie und für ganz Letmathe ein großer und sehr trauriger Schritt. Haus Höynck ist die älteste Gaststätte Letmathes, der Stammbaum geht bis 1600 zurück, und ebenso lang wird an der Hagener Straße nahe des Kiliansdoms auch ausgeschenkt. Das hat nun nach über 400 Jahren ein Ende: Zum 31. Dezember schließt das Restaurant.

Im Gespräch über die Gründe sagen Ilona und Wilhelm Höynck, dass mehrere Aspekte zusammen kommen. Der schwerwiegendste sei aber der Mangel an gutem Personal. Ihr Haus sei ein großer Traditionsbetrieb mit gutbürgerlicher Küche, einem Saal für Feiern, Versammlungen und Chorproben, Kegelbahnen und Biergarten auf insgesamt 1400 Quadratmetern Betriebsfläche. 15 Köpfe zählen derzeit mit Teilzeitkräften und Aushilfen zum Team. Nur sei es immer schwieriger die Lücken zu füllen, wenn so wie zuletzt eine Vollzeitkraft im Service eine Baby-Pause einlege oder ein flexibler Koch Letmathe verlasse – „zumal wir durchaus großen Wert auf gutes Personal legen“, sagt Ilona Höynck. Und genau das sei immer schwerer zu finden. Viele junge Leute seien nicht mehr bereit, die Arbeit und die Arbeitszeiten in der Gastronomie anzunehmen. Und das gehe dann an die Nerven und greife die eigene Gesundheit an. Und da auch die eigenen Kinder den Betrieb nicht übernehmen wollen, sei es nun Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.

Urkunden und Dokumente aus einer bewegten Geschichte

Wilhelm Höynck holt ein ziemlich dickes und großformatiges Buch heraus, das voll mit Urkunden, Briefen, Zeitungsartikeln und anderen Schriftstücken ein Beleg für die lange und bewegte Geschichte des Hauses ist. Ursprung ist der Schlüterhof, der nachweislich schon vor 1600 im Familienbesitz war und der schon sehr früh auch über eine Schankwirtschaft verfügt haben muss. Ein erster Nachweis dafür stammt aus dem Jahr 1709, als Schlüter zwei Taler für Bier und einen Taler und 15 Stüber für Branntwein an Steuern für den Ausschank abgeben musste.

1735 heiratete dann Johann Wilhelm Höynck in die Familie ein und gab dem Gasthof seinen Namen, den er auch heute noch trägt und in dem der Besitz und der Beruf von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Auch der heutige Wilhelm Höynck ist in der Wirtschaft groß geworden und stand schon als Kind hinter dem Zapfhahn, wie sich der 56-Jährige erinnert. Da macht sich angesichts des nahenden Endes Wehmut breit.

Der bäuerliche Betrieb, in dem auch gebacken, gebrannt und gebraut wurde, hat sich dann in der Folge stark verändert und vergrößert. 1884 wurde der Schankbetrieb in das Haus an der Hagener Straße verlegt, dessen Fundament auf das Jahr 1803 zurückgeht und das Letmathes ersten Tanzsaal beherbergte. 1890 wurde parallel zur Hagener Straße ein Saalanbau errichtet. Dort wurde dann 1928 auch das Kino im „Viktoria-Theater“ in Betrieb genommen. 1954 eröffnete Familie Höynck sogar noch in zweites Kino, das „Burg-Theater“ in der Fußgängerzone, dort, wo heute der Aldi-Markt ist. Das „Burg-Theater“ wurde dann aber 1973 verkauft. Schon zuvor, im Jahr 1963, wurde auch das Viktoria-Kino im Haus Höynck stillgelegt und zu Kegelbahnen umgebaut.

Alle Veränderungen und Moden gut überstanden

So hatte das Traditionshaus alle Moden und Veränderungen in der Gastronomie gut überlebt. Bis heute, wie Ilona Höynck sagt. Ob Rauchverbot oder das Aussterben des Feierabendbieres – über mangelnde Kundschaft oder leere Auftragsbücher habe man sich bis zuletzt nie beschweren können. Lediglich der Kegelbetrieb sei stark zurückgegangen. „Als wir den Betrieb 1998 übernommen haben, hatten wir 121 Kegelclubs hier“, erinnert sich die 62-Jährige. Bis zu sechs Clubs seien am Tag gekommen. Heute seien es nur noch 56 Clubs.

Und die seien natürlich durchaus geschockt gewesen, als sie nun von der bevorstehenden Schließung erfahren haben. „Da haben sich ja auch Freundschaften entwickelt“, sagt Ilona Höynck. Bei aller Wehmut über den schweren Schritt gibt das Ehepaar ihren Entschluss aber auch mit einem lachenden Auge bekannt. Denn die Mühen und die Arbeit in der Gastronomie seien groß. Beide haben von ihrer Jugend an durchgearbeitet – „und das waren nicht immer Acht-Stunden-Tage.“ Und der Druck und die Sorgen vor allem über das mangelnde Personal seien immer größer geworden.

Nun steht der Verkauf des Hauses an. Interessenten gibt es bereits einige – allerdings bisher keinen, der hier einen gastronomischen Betrieb fortführen möchte. Und eigene Pläne für die Zukunft schmiedet das Ehepaar Höynck derzeit noch nicht. Erst muss der Hausverkauf abgewickelt werden, was sicherlich noch viel Arbeit mit sich bringt. Fest steht aber, dass sie in Letmathe bleiben wollen. Und Wilhelm Höynck als passionierter Koch, spezialisiert auf selbst geschossenes Wild, würde gerne auch zukünftig noch irgendwo hinter dem Herd stehen – aber nicht mehr in der Gastronomie.

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