Beruf

Neue Heimat zwischen Hebebühne und Werkzeugkasten

Teamarbeit: Nach dem Ablassen des Motoröls schraubt Justin die Verkleidung wieder an, während Alexander festhält.

Teamarbeit: Nach dem Ablassen des Motoröls schraubt Justin die Verkleidung wieder an, während Alexander festhält.

Foto: Alexander Barth

Letmathe.  Justin Paul und Alexander Brandt sind die ersten Kfz-Lehrlinge nach zehn Jahren bei Bosch Service Wydra

Öl wechseln, Reifen schleppen, Lampen tauschen – Justin Paul (18) und Alexander Brandt (17) haben sich entschlossen, einen handfesten Beruf zu erlernen und eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei Bosch Service Wydra begonnen. Die beiden haben noch mehr gemeinsam: Sie wohnen in Kalthof und träumen davon, irgendwann eine BMW-Limousine zu fahren – nur beim Modell sind sie sich nicht ganz einig.

Klar ist für beide: Zwischen Hebebühnen und Werkzeugkästen fühlen sie sich gut aufgehoben. „Ich habe vorher eine Ausbildung zum Informatiker angefangen, da saß ich aber nur am Rechner. Nach einer Weile habe ich gemerkt, dass das für mich nicht das Richtige ist“, berichtet der 17-Jährige, der sich von seinen neuen Kollegen lieber einfach „Alex“ rufen lässt. Ganz neu kennengelernt hat er das Wydra-Team allerdings nicht, denn vor seiner Bewerbung hat er hier schon zur Probe gearbeitet, Justin hat ein Praktikum im Betrieb absolviert. Das habe eine Rolle bei der Entscheidung gespielt, verrät Betriebsleiter Sascha Zörner: „Justin und Alexander waren unsere Wunschkandidaten, nicht zuletzt weil wir beide schon kannten. Es kommt nicht nur auf Vorwissen und Schulnoten an, die Leute müssen ins Team passen und soziale Kompetenzen mitbringen.“

Reparaturprojekt Trecker verstärkte die Leidenschaft

Handwerkliches Interesse war bei den neuen Lehrlingen schon früher vorhanden. „Mein Vater ist Elektriker, zu Hause wurde viel selbst repariert“, berichtet Alexander. Ein Herzensprojekt von Justin war es, zusammen mit Freunden einen Trecker zu reparieren – für ihn der Anstoß, sich auch beruflich in diese Richtung zu orientieren.

Für den Familienbetrieb an der Hagener Straße sind es die ersten Lehrlinge seit zehn Jahren. Das Team solle mit Blick auf den absehbaren Renteneintritt eines Kollegen verstärkt werden. „Das ist nicht der einzige Grund, aber wir brauchen auch die Unterstützung im Tagesgeschäft“, sagt Verwaltungsleiterin Gisela Wydra. Zörner betont den Vorteil, zwei Azubis einzustellen: „Zu zweit lernt es sich besser“, ist er überzeugt. Gleichzeitig steigt so die Chance, dass mindestens einer dem Betrieb langfristig erhalten bleibt.

Auch in dem noch vergleichsweise stark nachgefragten Ausbildungsberuf des Kfz-Mechatronikers haben sich die Dinge gewandelt: Inhaber Dieter Wydra erinnert sich noch an Zeiten, in denen Väter ihre Söhne praktisch ohne deren Wissen anmeldeten: „Zum Beispiel bei Kraftfahrern, für die war einfach klar, was die Kinder machen sollen.“ Sascha Zörner hat nach seiner Schulzeit noch mit Gruppen aus bis zu 30 Bewerbern bei Vorstellungsterminen auf die Abfertigung gewartet. „Heute ist es umgekehrt und die Azubis können sich den Betrieb aussuchen – auch in unserer Branche“, stellt er fest. Justin und Alexander sind froh, dass die Ausbildung nicht in Herbst beginnt – dann ist nämlich wieder Reifenwechsel angesagt.

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