Ahm

Rohstoffhunger bedroht letzten Naturraum

Ein Blick vom Letmather Rand des Abbaugebiets in Richtung Hohenlimburg.

Ein Blick vom Letmather Rand des Abbaugebiets in Richtung Hohenlimburg.

Foto: Michael May

Letmathe.  Der Regionalrat arbeitet bis Herbst 2020 einen neuen Plan aus. Bürger und Stadt wollen den Ahm nicht den Kalkwerken überlassen.

Klettert man, vom Dümpelacker kommend, auf den Erdwall am Rand des Steinbruchs der Hohenlimburger Kalkwerke (HKW), öffnet sich der Blick auf eine karge Kraterlandschaft. Ein Schild warnt, bei Ertönen akustischer Spreng-Signale in Deckung zu gehen. Der Wall markiert die Grenze des bisherigen Abbaugebiets und könnte sich für die Gegner des Tagebaus wie eine Wehranlage anfühlen – würden sie nicht auf der falschen Seite stehen. Denn gegen die Naturzerstörung zur Kalkgewinnung können die Bürger nicht viel tun, auch wenn eine Initiative seit mehr als zehn Jahren dagegen kämpft.

Reservefläche ist größer als das aktive Abbaugebiet

Immerhin stehen sie nicht allein da: Stadtverwaltung und Ratsfraktionen lehnen den Kalkabbau auf Iserlohner Gebiet ebenfalls ab. Wie berichtet, ist kürzlich eine gemeinsame Delegation nach Arnsberg gefahren und hat das Gespräch mit Regierungspräsident Hans-Josef Vogel gesucht. Hintergrund ist ein Areal, das im aktuell gültigen Regionalplan (früher Gebietsentwicklungsplan, GEP) der Bezirksregierung als Reservefläche für den Steinbruchbetrieb ausgezeichnet ist. Wie auf dem Schaubild zu erkennen, ist diese Fläche (gelb) größer als die derzeitige Kraterlandschaft auf Hohenlimburger Stadtgebiet (dunkelblau).

Zum Verlauf der Gespräche haben die Beteiligten vorerst Stillschweigen vereinbart, in einer schriftlichen Mitteilung der Verwaltung heißt es: „Der Regierungspräsident sicherte zu, die vorgestellten Argumente in das weitere Verfahren zur Neuaufstellung des Regionalplans einzubringen und in der Abwägung aller Belange zu berücksichtigen.“

Noch heute Altlasten der Industrie des 19. Jahrhunderts

Eine Rolle spielen nicht nur die Belange der Anwohner, die mit Lärm und Erschütterungen leben müssen, und der Naturschutz, sondern auch der Rohstoffbedarf vor allem der Bauwirtschaft. Der Kalk soll anderswo abgebaut werden, finden Stadt und Bürgerinitiative, denn Letmathe habe genug gelitten – mehr als 15 Steinbruchbetriebe (dunkelblau) wälzten demnach hier im 19. Jahrhundert die Erde um. Im gemeinsamen Positionspapier heißt es weiter: „Außerdem siedelten sich entlang der Lenne mit der Errichtung der Zinkhütte zahlreiche weitere metallverarbeitende Industrieanlagen an. Diese Industrien und deren Schadstoffemissionen belasten Böden und Grundwasser bis heute.“

Der Bereich des Ahm gilt als der einzige verbleibende großflächige Naturraum in Letmathe, der Geologische Dienst NRW hat das Grundwasser dort in die höchste Risikoklasse eingeordnet. Gründe, die dagegen sprechen, dem Rohstoffabbau hier weiteren Raum zu gewähren. Bis Herbst 2020 soll der Regionalrat eine Beschlussvorlage für die Neufassung des Regionalplans ausarbeiten, dem sich ein förmliches Beteiligungsverfahren für Bürger und Institutionen anschließt.

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