Gedenken

30 Bürger nehmen an Volkstrauertag in Menden teil

Finja Bentz und Lilia Movesjan, Schülerinnen des Hönne-Gymnasiums, tragen ein Gedicht vor.

Finja Bentz und Lilia Movesjan, Schülerinnen des Hönne-Gymnasiums, tragen ein Gedicht vor.

Foto: Peter Müller

Menden.  Erinnern an die Folgen von Krieg und Gewalt: An der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Menden nehmen neben Vereinen nur 30 Bürger teil.

„80 Jahre nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen steht der diesjährige Volkstrauertag im Gedenken an den Kriegsausbruch am 1. September 1939, die vielen Toten und das große Leid, das unsere Vorfahren über unser Nachbarland brachten“, erinnerte Rudolf Düppe, Vorsitzender des Ortsverbandes Menden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, am Sonntagvormittag am Ehrenmal an der Iserlohner Landstraße.

Neben Vereinen nur 30 Teilnehmer beim Volkstrauertag

Die Teilnehmer waren in einem Schweigemarsch vom Alten Rathaus zum Ehrenmal gegangen. Neben Vertretern des Sozialverbandes VdK waren Abordnungen der Schützen, das Blasorchester Menden, die Reservistenkameradschaft Menden der Bundeswehr, der Musikverein „Spiel voran“, das Deutsche Rote Kreuz und Vertreterinnen und Vertreter der Stadt zur Gedenkstunde gekommen. Die Anzahl der sonstigen Besucherinnen und Besucher war mit rund dreißig Personen überschaubar.

Rudolf Düppe erinnerte auch daran, dass die Gedenkstätte bei ihrer Einweihung im Jahr 1935 den Nationalsozialisten noch als „Heldenehrenmal“ diente. „Heute ist sie, seit der Umgestaltung von 1956, eine Stätte des Gedenkens und des Erinnerns an die Folgen von Krieg, Gewaltherrschaft, Verfolgung und Unterdrückung“, so Düppe. Er erinnerte auch an die Konflikte der Gegenwart: Krieg, Gewalt, Tote und viele betroffene Kinder beherrschten das Bild in Syrien, im Irak, im Libanon, in Afrika und Afghanistan.

Düppe erinnerte an den Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober und an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Düppe stellte fest: „Wir merken erst jetzt, dass es uns nicht auf Dauer gelungen ist, braunem Gedankengut die Nahrung zu entziehen“, und mahnte, „die Toten, die Opfer der beiden großen Kriege würden ein zweites Mal sterben, wenn wir sie vergessen.“

Blick in die Zukunft

Ulrich Cormann, Leiter des Gymnasiums an der Hönne, wagte einen Blick in die Zukunft: „Aber jetzt haben wir Hoffnung, dass die Zeit der Kriege im geeinten Europa zu Ende ist, dass wir alten Hass überwunden haben, dass wir bereit sind, gemeinsam Freiheit, Rechtsstaat und Menschenrechte zu verteidigen. Heute stehen wir gemeinsam zusammen und sammeln Kraft, um den großen Herausforderungen zu begegnen.“

Zwei Schülerinnen des Gymnasiums an der Hönne, Finja Bentz und Lilia Movesjan, trugen das Gedicht „Die Todesfuge“ von Paul Celan vor. Pfarrer Jürgen Senkbeil gedachte der Opfer im Gebet, bevor die Gedenkstunde mit Kranzniederlegung, der Melodie von „Ein guter Kamerad“ und der dritten Strophe des Deutschlandliedes zu Ende ging.

Kaum junge Menschen bei Gedenkfeier

Marianne Kremsreiter kommt jedes Jahr als Besucherin zur Gedenkveranstaltung zum Ehrenmal. Ihr Vater ist 1943 gefallen: „Ich finde es schade, dass wenige der heute lebenden Generationen den Weg zum Ehrenmal finden.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben