Gedenken

400 Mendener unterstützen „Augen auf“-Aktion in St. Vincenz

Nach der Kranzniederlegung legten die Mendener die Tüten, die sie aus der Kirche mitgebracht hatten, um die Gedenkstätte rum ab.

Nach der Kranzniederlegung legten die Mendener die Tüten, die sie aus der Kirche mitgebracht hatten, um die Gedenkstätte rum ab.

Foto: Janine Glormann

Menden.  An vielen Fenstern in Menden konnte man die „Augen auf“-Lichtertüten am Wochenende sehen. Auch die Aktion selbst wusste zu beeindrucken.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mehr als 400 Mendener kamen am Samstagabend in der St. Vincenz Kirche zum Jahrestag der Reichspogromnacht zusammen. Vor genau 81 Jahren brannten auch in Menden die Synagogen und die Häuser der jüdischen Einwohner.

Gemeinsam organisiert

Ein besinnliches Klavierspiel erfüllte die zuvor so ruhige Kirche. Obwohl die Ränge voll besetzt waren, schienen alle in Gedanken versunken zu sein. In jedem Rang leuchteten die Lichter der „Augen auf“-Aktion — Butterbrottüten, die an alle Mendener Haushalte verteilt wurden. Schon auf dem Weg zur Kirche leuchteten diese Lichter vor Häusern und in Fenstern, als Zeichen für Respekt, Vielfalt und gegen das Vergessen. „Bei der politischen Entwicklung heute ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen“, findet die Mendenerin Cornelia Böhr. Organisiert wurde die Gedenkfeier von allen weiterführenden Schulen und der ehemaligen Anne-Frank-Grundschule.

Als die Synagogen brannten

„Es gibt kein jüdisches Blut. Es gibt kein arabisches Blut — es gibt nur menschliches Blut!“. Worte der 98-jährigen Zeitzeugin Margot Friedländer, vorgelesen von Schülerinnen und Schülern des Placida-Viel-Berufskollegs. Friedländer ist Jüdin. Sie überlebte als einzige in ihrer Familie. Ihre Eltern und ihr Bruder wurden in Konzentrationslagern ermordet. „So wie heute hat es damals angefangen“, warnt sie – dieser Tage eindringlicher denn je.

Schülerinnen und Schüler der Real-, und Anne-Frank-Schule erinnerten an die Situation der Mendener Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938. Immer zwei bis drei Schüler gingen nach vorn und erzählten eine Geschichte. „Die Schaufenster des Schuhgeschäfts Rosenbaum wurden zerstört, die Ladeneinrichtung rausgeworfen“, hieß es in einer der Geschichten. Nichts war vor den Verbrechern sicher. „Die Synagoge wurde eingeschlagen und die Einrichtung angezündet.“ Passend zu den jeweiligen Geschichten erstrahlten an der Decke der Kirche gemalte Bilder. Insgesamt 69 jüdische Mitbürger waren während des Nationalsozialismus in Menden Hetze, Vertreibung und Gewalt ausgesetzt. 32 von ihnen wurden in der Folge der Reichspogromnacht ermordet.

„Christen wie wir es sind, haben die Juden verabscheut und alle Schuld auf sie geschoben“, sagte Pfarrerin Dorothea Goudefroy. Pastor Uwe Knäpper ging derweil auf die heutige Situation ein: „Es ist beschämend, dass die Synagogen und jüdischen Einrichtungen von Polizei bewacht werden müssen.“ Dem stimmte auch Bürgermeister Martin Wächter zu. Er selbst findet es wichtig, die Erinnerung durch die Aktion „Augen auf“ im Bewusstsein zu verankern, gerade aufgrund rechtspopulistischer Strömungen.

In stillem Gedenken

Nach dem Gottesdienst versammelten sich alle Teilnehmer auf dem alten Rathausplatz, ganz vorne die Schülerinnen und Schüler und der Bürgermeister. Die zuvor noch so dunkle und kalte Nacht wurde erhellt durch die Licher, die die Mendener aus der Kirche mitnahmen. Gemeinsam ging es dann in Richtung Hochstraße, wo der Kranz von zwei Schülern niedergelegt wurde. Während zwei Schüler des Walburgis-Gymnasiums die Namen der Opfer vorlasen, herrschte im Publikum bedrückende Stille. Zum Zeichen des Gedenkens legten die Mendener zudem ihre Lichter-Tüten um die Gedenksteine ab.

So ruhig und besinnlich wie die Gedenkveranstaltung zunächst angefangen hat, ging sie auch zu Ende. Die Worte: „Ich spreche zu euch, damit ihr die Zeitzeugen seid, die wir nicht mehr lange sein können“ von Margot Friedland hallten noch nach.

Noch mehr Fotos, Videos und Nachrichten aus Menden und Umgebung finden Sie hier.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben