Beleidigung

68-jährige Mendenerin wegen Beleidigung vor Gericht

Laut der Angeklagten soll die Ärztin sie als „Süchtige“ bezeichnet haben.

Laut der Angeklagten soll die Ärztin sie als „Süchtige“ bezeichnet haben.

Foto: Oliver Berg / dpa

Menden.  Eine 68-jährige Menderin steht vor Gericht. Sie soll eine Ärztin mit den Worten „im Gehirn blockiert“ beleidigt haben.

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In einer Arztpraxis ist es zu einem Wortgefecht gekommen, woraufhin die Ärztin eine 68-jährige Patientin anzeigte. Die angeklagte Mendenerin soll die Allgemeinmedizinerin zuvor mit den Worten „im Gehirn blockiert“ beleidigt haben. Vor Gericht schildert die Schmerzpatientin den Vorfall jedoch anders. Sie habe nicht die Ärztin gemeint, sondern die Sprechstundenhilfe. Die Verteidigung der 68-Jährigen empfindet die Aussage nicht als Beleidigung. Auch der Staatsanwalt äußert Zweifel.

Opiate gegen Schmerzen

„Ich habe eine schlimme Rücken-OP hinter mir und nehme seitdem Opiate gegen die Schmerzen“, sagt die Mendenerin vor Gericht. Am Tat-Tag brauchte sie neue Schmerzmittel und habe sich deshalb auf den Weg in die Praxis der Allgemeinmedizinerin gemacht. „Ich ging in die Praxis und sagte, dass ich ein Rezept für mein Opiat brauche“, schildert die 68-Jährige. Sie habe dann ihren Opioid-Ausweis gezeigt. Die Sprechstundenhilfe soll aber dennoch immer wieder nach einem Medikamentenplan gefragt haben. „Ich wusste nicht, was das ist, sowas habe ich noch nie bekommen.“

Die Mendenerin sagt, sie habe vorher noch nie Probleme ihr Rezept einzulösen. Laut ihrer Aussage wiederholte die Sprechstundenhilfe mindestens fünfmal, dass sie einen Medikamentenplan benötige. „Ich habe einfach nicht verstanden, was sie von mir haben wollte. Also rief ich meinen Mann an, damit er mir den Krankenhausbericht vorbeibringt“, sagt die Rentnerin. In der Zwischenzeit habe sie zur Ärztin in die Sprechstunde gehen können. „Sofort sagte sie zu mir: ,Wissen Sie eigentlich, wie viele Menschen zu mir kommen und Drogen haben wollen?’ Ich wusste gar nicht, wie mir geschieht und was los ist.“ Die Angeklagte habe der Ärztin versucht zu schildern, dass sie die Medikamente seit mehreren Monaten nehme und verschrieben bekomme.

Von Anzeige abgesehen

Der Ehemann der 68-Jährigen stieß wenig später hinzu. „Also ging ich raus in das Wartezimmer zu meinem Mann, um die Bescheinigung zu holen. Ich war schon fix und fertig, sowas habe ich wirklich noch nie erlebt.“ Ihr Mann habe sie dann gefragt, was denn los sei und warum es so lange dauern würde. Daraufhin habe die Angeklagte zu ihrem Mann gesagt, dass die Sprechstundenhilfe „im Gehirn blockiert“ sei.

Sie beteuert vor Gericht, dass sie damit nie die Ärztin gemeint habe und auch niemanden habe öffentlich beleidigen wollen. Anschließend sei die Mendenerin dann wieder ins Sprechzimmer gerufen worden. Dort sei die ganze Situation dann eskaliert. „Plötzlich sprang die Ärztin auf, zeigte mit dem Finger auf mich und sagte zu mir: ,Sie sind eine Süchtige!’ – Ich wusste nicht wie mir geschieht“, schildert die Mendenerin. Nach längerer Diskussion hätten ihr Ehemann und sie die Praxis verlassen und wollten zur Polizei gehen. „Ursprünglich wollten wir Anzeige erstatten, der Polizist riet uns jedoch davon ab und sagte uns, dass wir doch eine Bewertung über ein Internetportal schreiben sollen. Nachdem er es uns zeigte, machten wir das auch“, sagt die Angeklagte.

Die Ärztin hingegen habe nach dem Vorfall wegen Beleidigung Strafanzeige gegen die 68-Jährige erstattet. Verteidigung und Staatsanwaltschaft waren sich nach den Schilderungen jedoch einig, das Verfahren ohne Auflagen einzustellen.

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