Stabwechsel bei HBL

„Als Oberst bist du der Kümmerer“

Der neue Oberst der Schützen von Holzen-Bösperde-Landwehr und sein Vorgänger: Theo Filthaut (links) und Rainer Harnischmacher

Foto: privat

Der neue Oberst der Schützen von Holzen-Bösperde-Landwehr und sein Vorgänger: Theo Filthaut (links) und Rainer Harnischmacher Foto: privat

Bösperde.   Nach 25 Jahren als Oberst der Schützen von HBL gibt Rainer Harnischmacher sein Amt an Theo Filthaut ab. Die WP interviewt beide

Einen Stabwechsel der besonderen Art meldete die WP kürzlich aus Bösperde: Nach 25 Jahren als Oberst des Schützenvereins Holzen-Bösperde-Landwehr von 1857 entschloss sich Rainer Harnischmacher, nicht erneut zu kandidieren. Der mittlerweile 70-Jährige, von seinen HBLern zum Ehrenoberst ernannt, gab den Staffelstab an seinen bisherigen Major Theo Filthaut (54) weiter. Im WP-Interview wollte Thomas Hagemann von beiden wissen, was ihre Ehrenämter für sie bedeuten.

Zunächst für alle, die sich im Schützenwesen nicht hundertprozentig auskennen: Welche Aufgabe hat ein Oberst?

Rainer Harnischmacher: Als Oberst bist du, wenn man so will, der Kümmerer für die Offiziere, die wiederum die Aktiven im Verein sind. Die stehen immer bereit, wenn die Arbeit zu tun ist, ob in der Halle, rund um unsere Feste und Veranstaltungen und vieles mehr. Außerdem gibt er die Kommandos beim Antreten, auf den Festzügen und überall, wo wir uns als Schützenverein präsentieren.

Theo Filthaut: Der Oberst ist auch das Bindeglied zwischen dem geschäftsführenden Vorstand, also unseren fünf Weisen, und dem Offizierskorps.

Den fünf Weisen?

Filthaut: (lacht) Ja, so nennen wir das Team aus dem 1. und 2. Vorsitzenden, dem Kassierer, dem Schriftführer – und eben dem Oberst. Hinzu kommen unsere Beiratsmitglieder.

Und wie hält man ganz alleine 120 Leute zusammen?

Harnischmacher: Erstmal ist man ja nicht alleine. Man hat den Major, das war bei mir Theo Filthaut, und den Oberstleutnant.
Filthaut: Mir stehen als Oberstleutnant Ralf Niermöller und als Major Martin Dodt zur Seite. Und dann sind die Offiziere aufgeteilt in die drei Kompanien: Holzen, Bösperde und Landwehr, bei uns kurz Erste, Zweite und Dritte. Auch da stärken wir Zusammenhalt und soziale Kontakte.

Braucht man als Schütze angesichts all dieser Dienstgrade ein Faible fürs Militär?

Filthaut: Nicht wirklich. Ich erzähle zwar immer, dass ich beim Bund bei den Kampfschwimmern war. In Wahrheit (lacht) habe ich als Wehrpflichtiger nur als „Heizer“, also Maschinist, das Boot der Kampfschwimmerkompanie gefahren. Es gibt es mit den Dienstgraden schon Hierarchien, aber letztlich sind wir alle Schützenkameraden, wir wollen selber Spaß haben und unseren Gäste auf hohem Niveau Freude bereiten. Und in der Uniform sind wir alle gleich.
Harnischmacher: Ganz wichtig ist nach meinem Eindruck unser Beitrag zum Dorfleben. Es geht bei uns längst nicht nur um Schützenfeste. Selbstverständlich stellen wir unsere Halle auch für Blutspendetage oder Hilfsaktionen wie die Knochenmarksspenden zur Verfügung.

Wie wichtig ist die HBL-Halle?

Harnischmacher: Sehr! Nehmen wir das vorletzte Wochenende. Da hatten wir am Freitag eine Trauergesellschaft hier, am Samstag die Schau der weißen Schäferhunde, danach einen gemütlichen Abend der Zweiten und am Sonntag einen 90. Geburtstag. Die Leute wissen, dass sie hier günstig und zuverlässig buchen können.
Filthaut: Und das tun sie, auch die jungen Gäste. Wir selber feiern für die hier auch Winterschützenfest und Karneval. Wir hoffen damit natürlich möglichst viele irgendwann für den Verein zu gewinnen, weil sie sehen, dass etwas los ist bei HBL. Auch Springbreak oder Halloween waren solche Ansätze. Ansonsten ist die Halle für das Jahr 2018 an den Wochenenden so gut wie ausgebucht. Dafür ein dickes Lob an unser Team!

Leiden die Kneipen im Dorf nicht darunter?

Harnischmacher: Wir hatten mal 16 Kneipen hier, heute ist es noch eine. Das ist aber der Zug der Zeit, das hat mit unserer Halle nichts zu tun.
Filthaut: Ich sehe das sogar genau andersrum: Ohne HBL wäre das Dorfleben ärmer.

Was will denn ein neuer Oberst alles verändern?

Filthaut: Ehrlich gesagt: Erstmal nichts, weil es wirklich gut läuft. Daran habe ich als Major ja auch selbst schon mitgewirkt, es wäre also utopisch, wenn ich jetzt alles Mögliche ändern wollte.

Trotzdem ist es als Oberst noch einmal anders, was die Verantwortung angeht. Haben Sie nicht eine Sekunde lang überlegt, ob Sie das übernehmen?

Filthaut: Am Anfang als Major habe ich immer gesagt: Warum sollte ich Oberst werden? Mein Leben ist mit Arbeit schon genug vollgepackt. Aber als klar war, dass Rainer Harnischmacher wirklich aufhören will, war ich schon so weit in die Aufgaben und die Verantwortung hineingewachsen, da hatte dieses Ehrenamt längst seinen Schrecken verloren.
Harnischmacher: Und nochmal: Es ist viel ehrenamtliche Arbeit, aber es ist auch wirklich schön!
Filthaut: Ich habe für das Kompanieschießen der Zweiten mal einen Dritter-Platz-Pokal gestiftet, um nicht immer nur den Erstplatzierten zu belohnen. Den gewinnt eben nicht der Erste, sondern der Dritte. Das ist heute unheimlich beliebt bei den Kameraden! Aber wir haben auch wirklich hochkarätige Schützen dabei, die fast immer 145 von 150 Ringen holen. Vor allem in der Jugend sind wir stark. Bei den Senioren könnten wir noch einige mehr gebrauchen.

Und was tut man jetzt als Ehrenoberst? Entspannt zusehen?

Harnischmacher: Ich will Theo helfen, wo ich kann. Man muss sehen, wie wichtig das hier ist für unsere Leute. Wenn du an einem Montagmorgen antrittst mit 100 Aktiven, von denen sich viele eigens Urlaub dafür genommen haben, dann spürst du das. Und davon kann man nicht einfach so lassen.

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