Dorftheater

„Baby wider Willen“ trifft den Geschmack des Publikums

Nanu, woher kommt denn das Baby? Das Ensemble des Halinger Dorftheaters findet amüsante Antworten auf diese Frage.

Nanu, woher kommt denn das Baby? Das Ensemble des Halinger Dorftheaters findet amüsante Antworten auf diese Frage.

Foto: Alexander Lück

Halingen.   Halinger Schauspieler begeistern mit ihrem neuen Stück „Baby wider Willen“ auf der Wilhelmshöhe mit Witz und der üblichen Portion Lokalkolorit.

„Es ist mal wieder hervorragend angekommen“, sagte Michael Henze nach den ersten beiden Auftritten am Freitag- und Samstagabend (am Sonntag folgte noch ein weiterer) auf die Frage, wie die Zuschauer das Stück annehmen.

Ausgiebig Applaus spendete etwa die voll besetzte Wilhelmshöhe nach der Premiere am Freitag. Und auch aus fachlicher Perspektive klopfte Henze dem achtköpfigen Ensemble ausgiebig auf die Schulter: „Wir haben die einzelnen Charaktere fein herausgearbeitet. Alles wirkt sehr authentisch.“ Und man darf auch als Beobachter dieser Einschätzung zustimmen.

Die Darsteller gehen in ihren Rollen voll und ganz auf: Ob nun Landstreicher Theo (Manfred Wilmes) im herrlichsten sauerländischen Dialekt das „R“ rollt, oder Verena Kuhlemann als wachsame und ewig tratschende Nachbarin Monika Überblick (der Name ist Programm) einfach ohne Punkt und Komma immer weiterredet.

Auf der Rückfahrt von der Kur

Zum Inhalt: Per Zug auf der Rückfahrt von ihrer Kur nimmt die Gattin des hiesigen Bürgermeisters (Meike Graefen ist die Darstellerin) statt ihres Reisegepäcks eine Babytragetasche mit aus dem Zug. Und merkt es erst, als dieser schon von dannen ist. Da ist die Hektik natürlich groß. Der Bürgermeister selbst versucht, dieses Missgeschick zu korrigieren, das Baby den Eltern zurück zu bringen.

Ärgerlicherweise hat die Polizei schon umgehend Ermittlungen wegen Kindesentführung eingeleitet. Und dafür auch noch den ersten Bürger der Stadt (Reinhold Wilmes spielt diesen als Jens Uwe Flegel) um Hilfe gebeten. Dass das für jede Menge Chaos sorgt, muss nicht weiter erklärt werden — besonders weil für Flegel auch eine mögliche Wahl zum Landrat ansteht.

Hinzu kommen ein äußerst arbeitsscheuer städtischer Mitarbeiter (“Straßenkehrermikado“ wird ihm an einer Stelle vorgeworfen: „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren“, dargestellt von Dieter Fischer). Und die geltungs- wie luxussüchtige Mutter des Bürgermeisters (Dietlind Graefen). Der umherziehende Landstreicher Theo, der es sich im Bürgermeisterbüro so richtig gut gehen lässt, ist am Ende viel cleverer als man es ihm vielleicht zutraut. Wie er gemeinsam mit der Sekretärin Sonja (Linda Riske) zu einem Ende ohne Schrecken beiträgt, soll natürlich noch nicht verraten werden.

Besetzung umgeplant

Zum Jahresende hin musste das Dorftheater übrigens noch einmal umplanen: Ulrich Krowinus, für die Rolle des Polizisten vorgesehen, musste gesundheitsbedingt absagen. Klaus Bartke, selber durchaus bühnenerprobt, sprang umgehend und ohne Probleme ein. „Wir haben ja viele alte Hasen in der Gruppe“, sagt Michael Henze mit einem Lachen. Der auf dem Regiestuhl nicht alleine sitzt. Manfred Wilmes ist auch dabei, steht aber wie zuletzt auch wieder selber auf der Bühne. Helga Kraft, ebenfalls mit langer Dorftheater-Geschichte, wollte eigentlich zunächst etwas kürzer treten dieses Mal. Sprang aber auch wieder ins Boot als ihre Hilfe und Unterstützung nachgefragt wurde.

Auf die Bühne bringt das Dorftheater wieder einen großen Spaß, Wortwitz, rasante Action und die bewährte, eigenhändig eingestreute Portion Lokalkolorit. Man weiß ja schließlich, dass das besonders den vielen treuen Besuchern – von denen manche den alljährlichen Besuch auf der Wilhelmshöhe in größeren Gruppen minuziös gemeinsam planen und die auch von außerhalb der Mendener Stadtgrenzen zahlreich kommen – gut gefällt.

Zumindest die Kulisse von „Baby wider Willen“ darf heute Abend im städtischen Saalbau auch Grünen-Politiker Robert Habeck genießen. Alles abzubauen, geht logistisch für das Theaterensemble nicht so einfach. Aber inhaltlich ganz verkehrt aufgehoben ist seine Lesung in der Kulisse eines Bürgermeisterbüros ja auch nicht. Michael Henze: „Dann kann sich Robert Habeck ein bisschen wie im Bundeskanzlerbüro fühlen.“

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