Kindertrödelmarkt

Beim Kindertrödelmarkt wechselt eine Ritterburg den Besitzer

Marco (8) und seine Eltern haben einen guten Platz direkt vor einem der Geschäfte ergattert. Livia Krimpelbein

Marco (8) und seine Eltern haben einen guten Platz direkt vor einem der Geschäfte ergattert. Livia Krimpelbein

Foto: Livia Krimpelbein

Menden.  Vor allem die kleinen Verkäufer haben gute Laune beim Kindertrödelmarkt in der Mendener Innenstadt. Lieder von Pink Floyd helfen beim Handeln.

Schon bevor bei Menden à la Carte die ersten Speisen gekocht worden sind, war die Innenstadt am Samstag bunt. In unzähligen Farben leuchteten die Spielzeuge, die Kinder mit ihren Eltern auf Mendens traditionellen Trödelmarkt in der Innenstadt anboten.

Von neun bis dreizehn Uhr wird gekauft, verkauft und gehandelt. Doch die Verkäufer stehen teils schon seit dem Morgengrauen mitten in der Stadt und bauen ihre Stände auf. Auf Picknickdecken, in Körben, in Kartons und auf Tapeziertischen wird die Ware präsentiert: Spielzeugautos, Bücher, ganze Ritterburgen, Inliner und Kleidung – alles ist dabei.

Cabrios und Lkw

Direkt vor einem der Geschäfte hat sich der achtjährige Marco mit seinen Eltern ausgebreitet. Sein Stand ist gepflastert mit kleinen Cabriolets und Lkw. „Die habe ich alle selbst aufgestellt!“, sagt Marco.

Seine Mutter war schon um 5.30 Uhr in der Stadt und fing an aufzubauen. „Ich bin ganz froh, dass unnütze Sachen, mit denen ich nicht spiele, wegkommen. Man muss sich ja auch mal trennen“. Seine Eltern müssen lachen.

Direkt nebenan verkauft die achtzehnjährige Marie Heinrichs ihre alten Spielsachen. „Ich bin seit vier Uhr hier“, erklärt sie ein wenig genervt. Sie sei sehr müde und auch das warme Wetter mache ihr zu schaffen.

Vor Motivation blühen dagegen die Jüngeren, die mit ihren Eltern gemeinsam hier sind. Henri (7), Matilda (9), Luise (7) und Charlotte (5) haben zwei Stände direkt nebeneinander. Die Cousins und Cousinen sind mit ihren Eltern und ihrer Großmutter da. Extra für den Flohmarkt sind sie aus Dortmund früh am Morgen hergekommen. Quietschfidel sind die Kleinen. „Ich hab‘ sogar schon was gekauft“, strahlt der kleine Henri und zeigt seine neu erworbenen Kuscheltierhunde. Den Vieren mache es echt Spaß. Matilda, die mit einem Paillettenshirt die Blicke auf sich zieht, erzählt stolz: „Wir haben sogar einen Fünfziger-Schein!“ Mit einem kleinen Longboard cruist die kleine Charlotte um den Stand herum. Henri hofft vor allem eins: „Ich will diese Ritterburg noch loswerden“ Das Geld teilten die Geschwister dann jeweils unter sich auf, um sich davon neue Spielzeuge zu kaufen, wie sie erklären.

Seit der fünften Klasse

Die Gassen auf dem Weg zum Marktplatz sind gefüllt; jeder Millimeter wird für einen Stand genutzt. Ruth und Judith von Pavel (17 und 19) haben einen Stand, auf dem sie vor allem Bücher verkaufen. „Wir sind hier immer gewesen, seit ich in der Fünften war“, erinnert sich Ruth. „Das Lustige ist: Seitdem kam nie etwas Neues zum Verkauf dazu. Das sind immer noch die übrig gebliebenen Sachen vom ersten Mal“, sagt ihre Schwester mit einem Lachen.

Doch der größte Rummel herrscht auf dem Marktplatz: Ein Akustik-Gitarren-Spieler singt mit angenehmer Stimme den Rockklassiker „Comfortably Numb“ von Pink Floyd. Kinder rennen über den Platz, Eltern passen auf die Stände auf.

Svenja Oehlschläger hat mit ihren beiden Kindern Fabio (4) und Sina (10) vor dem alten Rathaus einen Platz ergattert. „Wir sind letztens umgezogen. Da mussten wir den Keller leermachen und dann kam die Idee, das hier zu verkaufen. Den Kindern haben wir gesagt: ,Verkauft eure alten Sachen, dann bekommt ihr neue’“, sagt sie. Sina freut sich über ihre Einnahmen, für die sie eine eigene Bauchtasche hat. Ihr kleiner, blonder Bruder fährt mit einem Kindermotorrad um den Stand herum. Seine Mutter ist froh darüber: „Das hat er grade für zehn Euro gekauft. Echt krass, was für Sachen man hier für kleines Geld bekommt.“

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