Besuch aus Peru

Besuch aus Südamerika: Peruanerin ist begeistert von Menden

Seit zwei Monaten ist die Peruanerin Seidin Rut Vásquez Vázquez in Menden zu Besuch.

Seit zwei Monaten ist die Peruanerin Seidin Rut Vásquez Vázquez in Menden zu Besuch.

Foto: Lisa Nückel

Menden.   Seidin Rut Vásquez Vázquez absolviert ein „Pilgerjahr“ in Menden. Die 24-jährige Studentin sieht Unterschiede zu ihrer Heimat Peru.

Seit zwei Monaten ist Seidin Rut Vásquez Vázquez in Menden zu Besuch. Sie stammt aus einem kleinen Dorf namens „Puentecillos“ im Norden Perus nahe des Amazonas, wo sie mit ihren Eltern und ihren fünf Schwestern zusammenlebte. „In Peru ist es üblich, große Familien zu haben.“, erzählt die 24-Jährige, „Meine jüngste Schwester ist 20 Jahre alt.“

Ihre Eltern besitzen eine Kaffeeplantage, doch Seidin verließ ihr Dorf 2013, um in der Hauptstadt Lima zu studieren und zu arbeiten. Sie möchte Köchin werden und arbeitete vor ihrer Reise nach Deutschland bei einer Familie in Lima, bei der sie auch wohnte. „Ich kümmere mich zum Beispiel um die Kinder.“, erklärt sie.

Ausflüge in die Umgebung

Das macht sie jetzt auch hier in Menden im evangelischen Kindergarten am Bodelschwingh-Haus, wo sie während ihres sogenannten „Pilgerjahrs“ mithilft. Ansonsten geht sie zwei Mal pro Woche zu einem Deutschkurs – das Gespräch zu diesem Artikel fand auf Spanisch statt – und sonntags zum Gottesdienst in die Kirche. Mit ihrer Gastfamilie macht sie ab und zu auch Ausflüge in die Umgebung.

„Wir haben die Partnerschaft mit Peru seit 2001,“, sagt Pastorin Goudefroy, „die trotz Pfarrwechseln jetzt seit 18 Jahren besteht. Wir möchten unsere Partnerschaft mit Delegationsbesuchen, aber vor allem diesem persönlichen Kontakt weiter festigen.“ Für ihren Aufenthalt hier wurde Seidin von ihrer Gemeinde ausgesucht. „Man konnte sich freiwillig melden,“, berichtet sie, „viele wollten am Ende aber doch nicht gehen, zum Beispiel, weil sie sich um ihre Eltern kümmern mussten oder wegen ihrer Ausbildung nicht weg gehen konnten.“ Außerdem sei es schwierig, ein VISA zu bekommen, weshalb viele Leute Peru nicht verlassen können.

Die Eingewöhnung in Deutschland war für Seidin erst gar nicht so einfach: „Ich kam in Düsseldorf an und konnte kein Wort Deutsch, da war ich erstmal überfordert.“ Als sie nach langem Warten dann endlich ihren Koffer wiederbekam, der zunächst verschollen zu sein schien, war sie sehr erleichtert Pastorin Goudefroy und den Rest des Begrüßungskomitees am Flughafen zu sehen. Um ihr das Anpassen an das neue Land und die fremde Kultur zu erleichtern, besucht sie mit anderen Freiwilligen ein Seminar, in dem ihre Erfahrungen besprochen werden. „Zum Beispiel haben wir im ersten Seminar einen Brief an uns selbst geschrieben, den wir wieder lesen sollen, wenn wir traurig sind und Heimweh haben“, sagt sie.

Auch die Gottesdienste seien hier sehr anders: in Peru dauern die Predigten mindestens eine halbe Stunde, es ist lauter und ein klingelndes Handy ist keine Seltenheit. „Mir gefällt, dass die Leute hier in der Kirche so ruhig sind und so viel Respekt haben“, sagt Seidin.

Vorliebe für die Ruhe

Besonders gefällt ihr die Ruhe in Menden: „In Lima ist immer so viel los, es gibt wahnsinnig viel Verkehr. Hier kann ich ganz entspannt einfach über die Straße gehen, das wäre dort nicht möglich.“ Außerdem ist die Sicherheit ein großer Unterschied zu ihrem Heimatland – in Lima könne man nicht einfach mit einem Handy in der Hand auf der Straße herumlaufen ohne bestohlen zu werden. „Außerdem sind die Leute alle sehr nett. Nur das Wetter finde ich blöd, ich hatte schon das ein oder andere Mal mit meinem Regenschirm zu kämpfen, als es besonders windig war.

Schnee und Eis sind aber etwas Besonderes, das habe ich vorher noch nie gesehen!“, sagt sie mit einem Lachen und führt dann weiter aus: „Ich bin aber dankbar für jeden Tag, den ich hier bin. Und auch ein bisschen traurig, weil jeder Tag bedeutet, dass es einer weniger ist, den ich hier verbringen kann.“

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