Gastronomie

Bonkers: „Ich überlege, etwas wie Betriebsferien zu machen“

Gastronomie Bonkers in Menden: Das Foto vom 3.4.2019 zeigt den Inhaber David Poloczek im Restaurant Bonkers in Menden.

Gastronomie Bonkers in Menden: Das Foto vom 3.4.2019 zeigt den Inhaber David Poloczek im Restaurant Bonkers in Menden.

Foto: Arne Poll / Westfalenpost

Menden.  David Poloczek vom Bonkers in Menden spricht im Interview über die Sperrstunde, Folgen der Krise und seine Pläne im Fall eines zweiten Lockdowns.

Viele Betriebe sind von der Corona-Krise betroffen. Insbesondere die Gastronomie hat es stark getroffen. Der damalige bundesweite Lockdown war für viele eine regelrechte Katastrophe. David Poloczek vom Bonkers in Menden spricht im Interview über das, was er aus der Krise gelernt hat und nimmt Stellung zur Sperrstunde, die sogenannte Hotspots betrifft.

Inwiefern betrifft die Sperrstunde Sie und ihr Lokal?

David Poloczek: Ich muss zugeben, in der dunklen Jahreszeit geht es. Die Leute kommen und gehen früher, das beobachte ich schon etwas länger. Doch im Sommer hätte es mir das Genick gebrochen. Jedoch kommt es wirklich eher selten vor, dass ich im Winter länger als bis zwölf Uhr geöffnet habe. Meistens bleiben die Leute so bis zehn Uhr und ziehen dann noch weiter. Auch, wenn das dann nicht mehr möglich ist, denke ich nicht, dass es mich so hart treffen wird. Trotzdem war ich natürlich anfangs geschockt.

Geschockt über die Sperrstunde?

Ja. Zunächst waren wir alle natürlich über die neuen Maßnahmen schockiert. Aber die Folgen sind dann zum Glück nicht so gravierend, wie man erst dachte. Beispielsweise merke ich seit vergangener Woche, dass die Leute nun noch mal jede Gelegenheit nutzen, um rauszugehen.

Woran machen Sie das fest?

Ich war beispielsweise gestern komplett ausgebucht. So voll war es zuletzt in der Phase, als wir eröffnet haben. Und meiner Meinung nach ist ein zweiter Lockdown auch nicht so unwahrscheinlich. Ich denke, dass die Menschen da ebenfalls große Angst vor haben, wieder den ganzen Tag zuhause zu sein und nicht rausgehen zu dürfen.

Als Gastronom: Was halten Sie allgemein von der Sperrstunde?

Das ist schwierig. Ich denke, dass die Menschen nun halt früher kommen und gehen werden. Abgesehen davon denke ich aber, dass mit durchgeplanten Hygienekonzepten gar keine Sperrstunde nötig wäre. Wir haben ja auch abgetrennte Sitzbereiche mit Plexiglas, jeder trägt bei uns eine Maske und es ist natürlich auch für ausreichend Desinfektionsmittel gesorgt. Ich glaube, dass wenn das von jedem zu 100 Prozent eingehalten werden würde, sowas wie eine Sperrstunde gar nicht nötig wäre.

Aber da geht es ja auch um den Alkohol.

Na klar, mit Alkohol sinkt ja häufig die Hemmschwelle der Gäste. Aber dann muss man sie eben mal darauf hinweisen die Maske richtig zu tragen oder sie öfters darauf aufmerksam machen, auf alles zu achten.

Was würde ein zweiter Lockdown für Sie bedeuten?

Ehrlichweise muss ich zugeben, dass ich nach dem ersten Lockdown niemals gedacht hätte, dass sowas noch mal kommt. Aber meine Meinung hat sich geändert. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob die Leute das noch ein zweites Mal mitmachen. Beim ersten Mal haben mich all meine Kunden super unterstützt. Und auch wir als Team hier haben super zusammengearbeitet. Zudem haben wir als Team gelernt mit der Krise umzugehen. Wir haben unser To-Go-Geschäft eingerichtet. Ich würde im Fall der Fälle überlegen, noch einen Lieferdienst miteinzubauen.

Klingt ja schon nach vielen Ideen und Überlegungen.

Auf jeden Fall. Wir haben jetzt schon geschaut, dass wir das To-Go-Geschäft wieder ankurbeln. Alles für den Fall der Fälle. Da wollen wir dann vorbereitet sein. Ich überlege auch, ob ich dann vielleicht mit einem Taxi-Unternehmen für einen Lieferdienst kooperiere. Aber das sind bisher alles nur Überlegungen. Ich werde die Menschen immer über Facebook und Instagram auf dem Laufenden halten.

Sie sprachen zuvor davon, dass Sie und Ihr Team gelernt haben, mit der Krise umzugehen.

Genau, wir haben gemerkt, dass es für uns deutlich einfacher ist, beispielsweise einen Lieferdienst anzubieten. Das geht bei den Speisen los. Natürlich ist es wesentlich weniger Aufwand eine Pizza oder einen Burger zu verpacken und auszuliefern als ein Steak. Ich denke, allein das macht schon viel aus. Und zum Thema erneut schließen: Komplett schließen ohne To-Go-Geschäft, das kann ich nicht machen. Und irgendwann muss ich natürlich dann auch überlegen, ob sich das für mich finanziell noch lohnt.

Sie klingen eigentlich recht optimistisch.

Das bin ich auch. Wir haben bisher alles gut weggesteckt, unter anderem auch aufgrund des Zusammenhalts des Teams. Jetzt können wir nur abwarten, uns vorbereiten und hoffen, dass es nicht so schlimm wird wie zu Beginn des Jahres.

Gerade in der Weihnachtszeit kommen in der Regel viele Menschen in Lokale, auch um gemeinsam zu trinken.

Davon bin ich auch betroffen. Ich kenne das von der Vorweihnachtszeit von den jungen Leute, die eigentlich aus Menden weggezogen sind. Die kommen dann zurück und da sind wir häufig die erste Adresse. Meistens sind es so rund 30 Mann. Das fällt aber natürlich alles flach. Daher überlege ich auch, ob ich über Weihnachten so etwas wie Betriebsferien mache und das Ganze für die Zeit schließe. Aber da habe ich mich noch nicht entschieden. Fest steht, dass ich von den Absagen von Betriebs- und Weihnachtsfeiern stark betroffen bin. Aber schon seit Anfang des Jahres.

Wie meinen Sie das?

Immer wieder wollten Menschen oder Firmen hier Events wie Geburtstage, Messen oder Hochzeiten ausrichten doch mit neuen Regeln und steigenden Zahlen wurde das direkt wieder abgesagt. Verständlicherweise. Und das wird glaube ich auch erstmal nicht besser. Daher muss man nun auf andere Ideen bauen.

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