Verfolgungsjagd

Brutale Hetzjagd in Menden bleibt vor Gericht fraglich

Der mutmaßliche Tatort: Vor der Mendener Mühle soll es zu einer Hetzjagd durch die Gruppe gekommen sein.

Der mutmaßliche Tatort: Vor der Mendener Mühle soll es zu einer Hetzjagd durch die Gruppe gekommen sein.

Foto: Martina Dinslage / Westfalenpost

Menden/Arnsberg.  Vor der Mendener Mühle soll im Februar dieses Jahres zu einer brutalen Hetzjagd gekommen sein. Nun fand die Gerichtsverhandlung statt.

Angeklagt war brutale Hetzjagd auf einen Linken-Politiker aus Menden. Vor Gericht aber ließ sich ein Großteil der Vorwürfe aus der Karnevalsnacht nicht beweisen. Stattdessen standen etliche Fragezeichen hinter der Geschichte, die das Opfer selbst erzählt hatte.

In der Nacht vom 23. Februar soll eine Gruppe junger Männer in der Mendener Mühle dem Opfer mehrere Fausthiebe verpasst haben. Danach hätten sie ihn durch die Innenstadt verfolgt, bis er sich ins Taxi flüchten konnte, so schilderte es der Politiker selbst. Als die Taxifahrerin das Fenster für einen der Täter öffnete, habe dieser ihn mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Staatsanwaltschaft klagte wegen der Vorwürfe schwere Körperverletzung an. Das Opfer trat selbst als Nebenkläger auf.

Landgericht Arnsberg aufgrund von Corona

Der Mendener Jugendrichter Hennemann war wegen der Coronasituation und vieler Zeugen extra ins Arnsberger Landgericht ausgewichen. Nach zweieinhalb Stunden Verhandlung bestätigte sich lediglich der Faustschlag im Taxi. Am Ende der Verhandlung blieb ein Schmerzensgeld in Höhe von 400 Euro. Die Aussagen der Zeugen und des Opfers könnten unterschiedlicher kaum sein. „Ich wollte einfach Karneval feiern“, sagt das mutmaßliche Opfer. In der Traditions-Kneipe an der Hönne sei er dann auf sein Gegenüber getroffen und mit ihm ins Gespräch gekommen. Alkohol sei auch konsumiert worden, das bestätigen alle Beteiligten.

Es sei dann zu Beleidigungen gekommen. „Ich wollte dann gehen“, erklärt der Linken-Politiker. „Aber da habe ich dann einen Schubser von hinten bekommen, und mir hat einer einen Schlag verpasst.“ Das habe dafür gesorgt, dass er die Eingangstreppe der Mühle hinunterstürzte und sich den Kopf am Geländer aufschlug. Die jungen Männer hätten ihn gemeinsam beleidigt, ihn geschubst und geschlagen, bis er dann aus der Kneipe ins Freie gerobbt sein will. „Aufstehen konnte ich nicht mehr“, sagt er. Draußen sei es so weiter gegangen. „Ich habe nur versucht, mich mit den Händen zu schützen“, sagt er. Von ihm selbst habe es keine aktive Handlung gegeben – zumindest erinnere er sich nicht. Ihm selbst wird vorgeworfen, die Familie seines Gegenübers beleidigt zu haben.

Zuhause habe er sich aus seinem teils mit Blut verschmierten Kostüm umgezogen, und sei dann wieder in die Stadt. „Außerdem wollte ich auch noch ein Schmuckstück suchen.“ Dort soll es erneut zu einem Schlag gekommen sein. Er will aus einem Taxi gezogen worden sein.

Gruppe folgt zum Taxi

Die mutmaßlichen Täter sprechen nur von einer Rangelei. Der Politiker soll am Festzelt selbst brutal geworden sein, habe etwas aus der Tasche gezogen, was die Gruppe für ein Messer hielt. Sie seien zum Taxi hinterher, „weil wir die Fahrerin warnen wollten.“ Dabei hat einer aus der Gruppe den Linken-Politiker ins Gesicht geschlagen. Das bestätigen alle Zeugen. In allen anderen angeklagten Punkten wurde das Verfahren eingestellt.

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