Womöglich schon heute

CDU und SPD wollen den Bürgersaal beerdigen

Soll für eine „grüne Lunge“ abgerissen werden: Die Tage des Mendener Bürgersaals sind gezählt. Eine Große Koalition im Stadtrat ist für den Abriss.

Soll für eine „grüne Lunge“ abgerissen werden: Die Tage des Mendener Bürgersaals sind gezählt. Eine Große Koalition im Stadtrat ist für den Abriss.

Foto: Tobias Schürmann

Nach der SPD legt sich am Montag die CDU fest: Der Bürgersaal soll einer Grünfläche weichen. Damit steht eine GroKo für den Abriss.

Menden. Die Tage des Bürgersaals sind gezählt: Die CDU-Ratsfraktion einigte sich am Montagabend darauf, das Gebäude abzureißen und einen „attraktiven, begrünten Ort“ zu schaffen. Das Zeltdach soll sich für Veranstaltungen in der Innenstadt in dieses Ensemble einfügen. Eine „Oase“ nach den Grundsätzen des Städteplaners Jan Gehls soll entstehen, die heutigen Angsträumen und Nischen am Bürgersaal eine offene Bauweise entgegensetzt. Gemeinsam mit Mendens Gastronomie biete sich „die Chance, einen Ort zu schaffen, der tagsüber für Familien und Senioren attraktiv ist und in den Abendstunden Events ermöglicht“.

„Wir für Senioren“ protestierte

Zuletzt hat auch die SPD ihr Projekt einer „grünen Lunge für Menden“ bekräftigt, die auch das Klima in der Stadt verbessern helfe. Damit steht eine Große Koalition für den Abriss. Die Proteste dagegen, zuletzt noch vom Verein „Wir für Senioren“ wegen des wegfallenden Seniorentreffs vorgebracht, sind offenkundig verhallt. Zerschlagen haben sich damit auch die jüngst aufgekeimten Hoffnungen bei Befürwortern des Bürgersaal-Erhalts auf einen Sinneswandel in der Union, für den auch der Initiativkreis Mendener Wirtschaft geworben hatte.

Kein Fördergeld für Plätze

Noch heute Abend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss, wo der Antrag von „Wir für Senioren“ auf den Erhalt des Bürgersaals behandelt wird, könnte das Aus besiegelt werden. Spätestens am Donnerstag im Bauausschuss, wo die Stadtverwaltung ihr favorisiertes Bürgersaal-Konzept vorstellen wollte, dürfte dem Stadtrat der Abriss empfohlen werden. Zuvor befasst sich indes auch der Sozialausschuss nochmals mit dem Thema. Bei einem Abriss ist auch die Chance auf eine Neugestaltung der Plätze am Rathaus im Rahmen des Förderprogramms „Stärkung der Innenstadt-Achsen“ passé. Die öffentliche Sitzung des Hauptausschusses im Ratssaal beginnt heute um 17 Uhr.

CDU: Kein Bedarf für Verwaltung

„Menden braucht kein neues Bürgerhaus!“, zeigt sich die CDU-Fraktion laut ihrem Sprecher Matthias Eggers überzeugt. Daher plädiere man für den Abriss und den Bau eines „Parks mit Aufenthaltsqualität“. Schon 2017 habe sich die CDU vom Bürgerhaus verabschiedet, wegen ungeklärter Kosten und fehlendem Betreiber. Daran habe sich bis heute nichts geändert. Es fehle die Akzeptanz in der Bevölkerung, und es fehle der Raumbedarf für die Verwaltung, die dank Telearbeit eher weniger als mehr Räume brauche.

Bürgersaal-Kosten wären weiter unklar

Auch stimme die Behauptung nicht, wonach Menden jetzt Millionen Euro an Fördermitteln verschenke. Zum einen liege noch gar keine Zusage für das Bürgerhaus-Projekt vor. Die errechneten Planungskosten fußten immer noch auf dem Ursprungskonzept, doch mittlerweile seien die Kosten am Bau konjunkturbedingt explodiert.

Abriss oberhalb von Tiefgaragen „Alltag“

Und: Die CDU wolle sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen, nur weil ein Förderprogramm ausläuft. Es werde für neue Projekte andere Mittel geben. Der Abriss von Gebäuden oberhalb von Tiefgaragen sei „Alltag für Abrissunternehmen“ und sollte ohne größere Schwierigkeiten realisierbar sein.

>>> KOMMENTAR<<<

Scheitern auf ganzer Linie

Die Würfel sind gefallen: Nach dem Nordwallcenter scheitert in Menden auch das Bürgerhaus. Das ist ein Sinnbild: Nichts wird aus dem Haus für die Bürger in Menden. Über Jahre hat man die Leute hier Konzepte austüfteln lassen, diese dann politisch vertagt und vertagt und vertagt und jetzt in die Tonne geworfen. Heute zieht dann die CDU ein Grüne-Lungen-Konzept von Jan Gehl aus der Tasche. Fertig! Was für eine Bilanz der Bürgerbeteiligung! Ganz zu schweigen von den Senioren, die jetzt nach dem Motto „Vogel friss oder stirb“ in den Peuler-Leerstand gedrückt werden müssen.

Übrigens wird gerade wieder zur Bürgerbeteiligung aufgerufen: zum neuesten Anlauf im Stadtteilgestalten, kurz IKEK. Und das, nachdem hier die erste Runde trotz gut besuchter Veranstaltungen auch schon scheiterte. Das alles ist keine Beteiligung, das ist Schaumschlägerei.

A propos Scheitern: CDU und SPD dürfen sich bei den Kommunalwahlen 2020 jetzt als die Abriss-GroKo präsentieren. So richtig attraktiv also: Wenn die Koalition Pech hat, wird vor dem Wahltag der Glockenteichbach entlang des Bürgersaals wieder demontiert, oder die WP veröffentlicht millionenschwere Abriss-Kosten. Dass man diese Summe über all die Jahre versäumt hat zu ermitteln, war der entscheidende Fehler beim Bürgerhaus, zu dem sich Politik und Verwaltung gegenseitig gratulieren dürfen. Fest gemauert in der Erden steht dagegen der Buchwert des Bürgerhauses: 1,8 Millionen, die gerade vernichtet werden.

Freuen wir uns also auf die „Oase“ von Jan Gehl? Besser nicht: Auch die muss von diesem Rat geplant und gebaut werden. Aber bestimmt werden wir irgendwann wieder alle dazu eingeladen!

THOMAS HAGEMANN

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