Umwandlung der Josefschule

Christliche Feste sollen an Josefschule Menden bleiben

Der Kirchturm der St.-Vincenz-Kirche spiegelt sich in der Scheibe der Josefschule.

Foto: Martina Dinslage

Der Kirchturm der St.-Vincenz-Kirche spiegelt sich in der Scheibe der Josefschule.

Menden.   Die Josefschule soll nach dem Willen einiger Eltern ihren Status als katholische Grundschule verlieren. So sähe das Schulleben dann aus.

Der Elternantrag auf die Umwandlung der katholischen Josefschule zur konfessionslosen Gemeinschaftsgrundschule sorgt für reichlich Wirbel in der Stadt. Kritiker sprechen schon vom „Religionsverbot“ und der „Abschaffung des christlichen Abendlandes“.

Befürworter wollen die „Staatsneutralität wiederherstellen“. Die WP hat nach Antworten auf die wichtigsten Fragen gesucht.


Was sind eigentlich katholische Bekenntnisschulen?
Katholische Bekenntnisschulen sind staatlich getragen und verwaltet. Kinder werden aber nach katholischen Grundsätzen unterrichtet. Das Morgengebet ist fest in den Tagesablauf integriert. Es gibt Teilnahmeverpflichtungen für Gottesdienste. Im Schulgebäude ist christliche Symbolik erlaubt. Es findet auch nur katholischer Religionsunterricht statt. Eltern anders- oder nichtgläubiger Kinder müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie sich zur Teilnahme an den Ritualen verpflichten. Viele Eltern gehen in der Praxis diese Bedingung ein, weil sie weitere Wege zu anderen Schulen meiden wollen. Eigentlich soll auch der überwiegende Teil der Schülerschaft katholisch sein. An der Josefschule Menden sind ab dem nächsten Schuljahr aber nur noch 37 Prozent katholisch.


Wie läuft die Umwandung zur Gemeinschaftsgrundschule?
Alleine die Eltern entscheiden über die Umwandlung, betont die Stadtverwaltung. Im Zeitraum vom 16. bis 27. April findet eine Briefwahl statt. Die Eltern von mindestens 126 Schülern müssen für eine Umwandlung stimmen, damit der Antrag engültig Erfolg hat. Das ist exakt die Hälfte der Schüler.

„Diese Wahl ist für die Josefschule sehr wichtig“, erklärt Schulleiter Ralf Beyer in einem Informationsbrief an die Eltern.
Was passiert, wenn der Elternantrag Erfolg hat?
Die Umwandlung müsste zum Anfang der kommenden Schuljahres vollzogen werden. Für alle nicht-katholischen Schüler entfiele die Selbstverpflichtungserklärung. Die Schule würde evangelischen Religionsunterricht und wahrscheinlich auch griechisch-orthodoxen Unterricht anbieten, sagt Beyer. Andersgläubige könnten ihre Kinder ganz vom Religionsunterricht befreien lassen.


Wie ändert sich dann der Alltag in der Schule?

Kreuze und andere christliche Symbole müssten aus den Klassenräumen verschwinden. Das Morgengebet würde wegfallen. Es könnte Veränderungen beim Lehrpersonal geben, weil auch anderer Religionsunterricht erteilt werden müsste. Bei Neubesetzungen von Schulleiterstellen könnte auch ein Nicht-Katholik Schulleiter werden.


Was bleibt gleich?
Das nordrhein-westfälische Schulgesetz sieht auch an nichtkonfessionellen Schulen die Vermittlung christlicher Werte vor: „In Gemeinschaftsgrundschulen werden Kinder auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte in Offenheit für die christlichen Bekenntnisse und für andere religiöse und weltanschauliche Überzeugungen gemeinsam unterrichtet und erzogen“, heißt es. Das Adventssingen und Weihnachtsfeiern sollen weiter unverändert stattfinden, versichert auch Schulleiter Beyer. Auch der Martinszug sei unabhängig von der Schulform. „Wie schon bisher entscheidet hierüber die Schulleitung.“ Es gäbe auch weiter in gleicher Zahl wie heute Schulgottesdienste.

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