Pandemie

Corona und Grundschule: Mit Wolldecke im Klassenzimmer

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Masken müssen die Schüler im Moment nicht mehr tragen im Unterricht. Dennoch ist der Ablauf in den Schulen anders als vor Corona.

Masken müssen die Schüler im Moment nicht mehr tragen im Unterricht. Dennoch ist der Ablauf in den Schulen anders als vor Corona.

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

Lendringsen/Hüingsen.  Die Konrektorin der Bischof-von-Ketteler-Schule in Menden erzählt, wie der Schulalltag während der Pandemie aussieht.

Lollitests, Lüften, Abstand – Corona hat auch den Schulalltag im Griff und stellt das Personal vor immer neue Herausforderungen. Während die Sieben-Tage-Inzidenz besonders bei den Fünf- bis Vierzehnjährigen hochschießt, sitzen die Kinder ohne Masken, aber mit Wolldecken im Unterricht. Die kalte Winterluft zieht herein, wenn es wieder Zeit zum Lüften ist. „Wir stellen uns den Wecker zum Lüften und binden das in den Alltag mit ein“, sagt Sonja Friedrich-Bischoff. Sie ist Konrektorin der Bischof-von-Ketteler Grundschule mit Standorten in Lendringsen und Hüingsen und versucht mit ihren Kolleginnen das Beste aus der Situation zu machen. Dazu gehört auch, die Eltern um dicke Kleidung für die Kleinen zu bitten, damit sie nicht frieren. Oder eben Wolldecken anzuschaffen.

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Es gibt Coronafälle in der Grundschule

Dienstag liegt die Inzidenz bei der Altersgruppe im Märkischen Kreis bei 683, am Mittwoch bei 746. Tendenz steigend. Das beunruhigt nicht nur Eltern. „Über die Geschwisterkinder schwappt Corona zu uns herüber. Die Kinder sind nicht geimpft und in den Familien wird sich natürlich umarmt. Da gibt es selbstverständlich keinen Abstand“, sagt Sonja Friedrich-Bischoff. Zwar hätten viele Kinder trotz positivem Coronatest keine Symptome, dennoch seien sie Überträger – und gefährden damit im Zweifel andere. Sobald es einen positiven Fall an der Schule gibt, bleiben Risikopatienten oder schwangere Kolleginnen sicherheitshalber Daheim. Das ist aktuell der Fall. Doch das Personal fehlt wiederum in der Schule, wo der organisatorische Aufwand immens ist.

„Wir haben Sorge, dass die Schulen wieder dichtgemacht werden“, erklärt Sonja Friedrich-Bischoff. Sie sei dankbar für jede Maßnahme, die dabei helfe, den Präsenzunterricht am Laufen zu halten – auch wenn das für sie und ihre Kolleginnen viel Arbeit und Stress bedeutet. „Zu Beginn der Pandemie hatten wir ja nichts. Wir machen lieber mehr, als zu wenig. Das gibt uns Sicherheit. Aber der Aufwand muss irgendwie bewältigt werden.“

Der Unterricht hat sich stark verändert

Im Sommer lief es eigentlich ziemlich gut. Viel frische Luft, das Grüne Klassenzimmer und die Nähe zum Wald haben da geholfen. Auch die Maskenpflicht hatte sich eingependelt. Alle Kinder hatten sich daran gewöhnt. Doch dann wieder eine neue Entscheidung von oben: Seit die Regierung die Maskenpflicht in Schulen ausgesetzt hat, gibt es wieder mehr zu tun. „Der Unterricht hat sich sehr verändert.“ Kontaktverfolgung ist das Stichwort. Für jede Stunde muss ein Sitzplan erstellt werden, damit Sonja Friedrich-Bischoff dem Gesundheitsamt im Zweifel genau sagen kann, wer zu wem und wann Kontakt hatte. „Das ist sehr aufwendig.“

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Hinzu kommen zweimal pro Woche Pooltestungen für alle Kinder. Fällt ein Test positiv aus, muss Sonja Friedrich-Bischoff morgens vor der Schule alle Eltern der Klasse anrufen. Für alle Kinder heißt es dann: Distanzunterricht für einen Tag und einen Einzeltest bei der Schule abgeben. So wird das infizierte Kind identifiziert und muss, ebenso wie die Kontaktpersonen, in Quarantäne. Für die Eltern heißt das: Schnell alles umorganisieren. Und für die Lehrer? „Arbeit ohne Ende“, sagt Sonja Friedrich-Bischoff. Es gilt dann zwei Unterrichtsformate parallel durchzuführen – in Präsenz und auf Distanz.

Grundlegende Kompetenzen fehlen

Aber unabhängig vom Mehraufwand ist die Konrektorin einfach froh, die Kinder wieder in der Schule zu haben. Einigen, so sagt Sonja Friedrich-Bischoff, habe die Coronazeit nicht gut getan. Und damit meint sie nicht nur fehlendes Wissen bei den Kindern. Sondern auch Probleme mit der Konzentration, Kommunikationsfähigkeit, Motorik oder beim Umgang mit Konflikten. „Die Lernlücken sind da. Es fällt auf, dass den Kindern diese Kompetenzen fehlen.“ Bei einigen Kindern gehe es auch um Ängste oder Kindeswohlgefährdung. Es sei wichtig, wieder ein Auge auf diese Kinder werfen zu können und zu helfen. „Eltern sind keine Lehrer.“ Auch für sie sei es nicht immer leicht gewesen in letzter Zeit. Zuhause entstehe schnell Lerndruck. „Lernen ist für viele Kinder zur Qual geworden.“

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Zudem falle vor allem bei den Lernanfängern auf, dass ihnen klassische Kompetenzen aus der Kindergartenzeit fehlen. „Da wird gebastelt, getobt, geknetet. Es entstehen Freundschaften und es gibt Rituale und eine Gruppendynamik. Das fehlt den Kindern – auch sprachlich.“ Denn bei einigen habe die Kindergartenzeit kaum stattgefunden. Auch deshalb ist die Pädagogin froh, dass um die Initiative Extra-Lernzeit. Das Land fördert damit quasi spielerische Nachhilfe in allen Bereichen unter dem Motto „Ankommen und Aufholen“. Auch die Bischof-von-Ketteler Grundschule macht da mit.

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