Corona

Corona-Welle: So bereiten sich die Senioreneinrichtungen vor

Wie die Cramer’sche Fabrik bereiten sich derzeit viele Senioreneinrichtungen auf die zweite Corona-Welle vor.

Wie die Cramer’sche Fabrik bereiten sich derzeit viele Senioreneinrichtungen auf die zweite Corona-Welle vor.

Foto: Archiv/ Martina Dinslage

Menden.  Die zweite Corona-Welle hat den Märkischen Kreis offiziell erreicht. Warum für Senioreneinrichtungen ein zweiter Lockdown so fatal wäre.

Seit Mitternacht meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) auch für den Märkischen Kreis einen Sieben-Tage-Inzidenzwert von über 50. In den Mendener Senioreneinrichtungen, deren Bewohner nach wie vor zur Risikogruppe zählen, bereitet man sich auf weitere Maßnahmen vor.

Frühjahrs-Maßnahmen haben Bestand

„Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, wenn die Bewohner keinen Besuch mehr empfangen könnten“, sagt Michaela Dittrich, Einrichtungsleiterin des Hansa-Seniorenwohnparks. Allerdings sei man auch auf ein solches Szenario gut vorbereitet. Maßnahmen, die zum Schutz der Bewohner bereits zu Beginn der Pandemie ergriffen wurden, haben weiter Bestand. Die neue Normalität, also Abstand halten, Maske tragen und sich regelmäßig die Hände waschen, stelle kein Problem dar.

Daran haben sich sowohl die Bewohner als auch die Angehörigen gewöhnt. Dass sie ihre Liebsten derzeit aber nicht im Wohnbereich, sondern nur außerhalb der Einrichtung oder auf den jeweiligen Zimmern besuchen können, auch das ist noch immer gängige Praxis; ebenso wie das Fiebermessen am Eingang und persönliche Gespräche über mögliche Kontakte zu Erkrankten. Gerade im Frühjahr habe man viele Hebel in Bewegung gesetzt, um alle Voraussetzungen für eine sichere Umgebung zu schaffen. „Wir haben die Wohnbereiche so umgestellt, dass auch genug Abstand gewahrt werden kann“, erklärt Michaela Dittrich. Sie und ihr Team seien sehr wachsam und hätten sich bereits im Sommer auf eine zweite Welle eingestellt. Schon allein deshalb war es keine Alternative von den Maßnahmen Abstand zu nehmen.

Dittrichs schlimmste Befürchtung ist jedoch ein zweiter Lockdown und damit einhergehend ein Besuchsverbot in den Einrichtungen. Denn das, so die Einrichtungsleiterin, habe einen erheblichen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Senioren. Umso wütender zeigt sie sich angesichts von Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern. „Das ist verantwortungslos gegenüber denjenigen, die sich nicht wehren können“, sagt Michaela Dittrich. Für sie ist die Pandemie aber gleichermaßen eine Chance. Und zwar, „dass die Gesellschaft sieht, was für einen super Job die Mitarbeiter in der Pflege machen“.

Eine organisatorische Herausforderung

Zu kämpfen habe man momentan auch in der Cramer’schen Fabrik, wie Einrichtungsleiter Jörg Rauhut sagt: „Wir werden bombardiert mit Verordnungen und Allgemeinverfügungen.“ Gleichwohl halte sich die Einrichtung an die sogenannte nationale Teststrategie. Das bedeutet, dass mittels sogenannter „Point-of-Care-Tests“ (POC) Mitarbeiter, Angehörige und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen binnen 20 Minuten erfahren, ob sie mit dem Coronavirus infiziert sind – oder nicht. Gewissheit bringt jedoch nur ein entsprechender Abstrich des Gesundheitsamtes. Die POC-Tests weisen laut Rauhut eine Sicherheit von „70 bis 80 Prozent“ auf.

Zudem sind Einrichtungen wie die Cramer’sche Fabrik dazu angehalten, verpflichtende Testkonzepte beim Kreisgesundheitsamt vorzulegen. „Wir setzen diese Empfehlungen derzeit um“, so Jörg Rauhut. Er selbst rechne damit, dass Besuche – auch angesichts steigender Infektionszahlen – zunächst weiter erlaubt sein werden. Doch Angehörige sollten mit Vorfeld mit längeren Wartezeiten oder aber verschobenen Besuchs-Zeitkorridoren rechnen. „Und das stellt uns vor enorme organisatorische und personelle Probleme“, gibt der Einrichtungsleiter zu.

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