SCHÜLERAUSTAUSCH

Daniela aus Kolumbien wartet auf ersten Schnee

Gastschülerin Daniela Vallejo auf dem Spielplatz des Kindergartens in Garbeck (mit daei Kita-Chefin Insa Schmoll, links)

Gastschülerin Daniela Vallejo auf dem Spielplatz des Kindergartens in Garbeck (mit daei Kita-Chefin Insa Schmoll, links)

Foto: Livia Krimpelbein / WP

Menden/Garbeck.  Daniela kommt aus Bogotà. Ein halbes Jahr lernt sie das Sauerland kennen. In Garbeck macht sie ein Kita-Praktikum, zur Schule geht sie in Menden.

Aus einer Millionenstadt in Kolumbien ins kleine Dorf Garbeck. Diese Erfahrung macht für gut ein halbes Jahr die 14-jährige Daniela Vallejo aus Bogotá. Gemeinsam mit ihrer Gastfamilie lebt sie für das halbe Jahr im tiefen Sauerland. Hier besucht sie die 10. Klasse der Gesamtschule Menden gemeinsam mit ihrer Gastschwester. Und direkt zum Auftakt in Deutschland darf die Neuntklässlerin im katholischen Familienzentrum Heilige Drei Könige Garbeck ein Praktikum machen.

Praktikum im Kindergarten

„Fast alle aus der Schule in Kolumbien machen den Austausch“, erklärt Daniela in fast fließendem Deutsch. „Um ihr Deutsch zu verbessern.“ In Kolumbien besucht sie nämlich eine deutsche Schule – und lernt die Sprache seit jungen Jahren. „Das klappt sehr gut“, erklärt Insa Schmoll, die Leiterin des Kindergartens.

Die Aufgaben im Kindergarten bereiten Daniela sichtlichen Spaß. „Wir spielen – auch draußen – ich helfe ihnen, sich anzuziehen“, erklärt die fleißige Schülerin. „Und sie macht auch die Vorbereitungszeiten mit“, erklärt Schmoll. So schnippeln die beiden mit einer zweiten Praktikantin Sterne zum Basteln. Bloß bei der Kommunikation mit den Kids hadere es teilweise. „Sie sprechen halt nicht so deutlich und ich auch nicht perfekt“, erklärt Daniela. Eine ganz schöne Herausforderung: Nach nur einer Woche Sightseeing in Berlin und zwei Wochen Schule ist sie im Praktikum ganz auf sich allein gestellt. Dabei ist ja auch die Schulzeit hier in Menden etwas ganz Anderes als in Kolumbien. „Ich fahre genauso lange zur Schule wie zuhause. Aber da ist es wegen des Staus“, erklärt sie.

Daniela ist auch verwundert, dass es an den deutschen Schulen keine Sportclubs innerhalb der Schule gibt. Das kennt sie aus ihrer Heimat anders. „Zuhause haben wir auch Schuluniformen“, erklärt sie. Das finde sie besser als hier in Menden.

Schon im Auto hat’s gepasst

Nach einem anstrengenden Tag im Kindergarten geht’s für die 14-Jährige nach Hause zu ihrer geliebten Gastfamilie. Hier wohnt sie mit ihren Gasteltern, ihrer Gastschwester Charline (15), zwei weiteren Schwestern und einem Hund. „Bei uns passte das direkt zusammen“, schwärmen Daniela und Charline. Schon bevor Daniela nach Balve kam, waren die beiden in Kontakt. „Es hat vom ersten Tag – gleich im Auto – gepasst“, lacht Mama Sandra Schneider-Tolle. „Wir gehen zum Beispiel zusammen ins Fitnessstudio“, erzählt Charline.

Aber auch sonst haben die beiden schon viele unternommen. Gemeinsam waren sie auf der Hüstener Kirmes und in Köln. Vor allem das Stück „Winnetou“ samt Pferdeshow hat es den beiden Mädels angetan. „Wir versuchen auch noch Star-Light-Express und einen Weihnachtsmarkt zu besuchen!“, lacht die Gastmutter mit leuchtenden Augen. Für Daniela wird vor allem der hoffentlich kommende Schnee ein Highlight. „Ich habe noch nie Schnee gesehen“, erklärt das Mädchen. Aber vor dem tiefen Sauerländer Winter geht’s am Abend erstmal zu einer Party im Franz von Hahn – extra für 12- bis 14-Jährige.

In Kolumbien sieht das Leben anders aus. In ihrer Heimat ist das Wetter immer warm, wie Daniela erklärt. „Wo ich lebe, sind nur Straße und Autos. Da ist nicht so viel Grün“, vergleicht sie Menden und Balve mit Bogotá. „Hier ist es viel besser, ruhiger“, schwärmt sie. In Deutschland sei es auch sauberer und schöner, findet sie. Das Beste in Deutschland? „Hier kann ich frei herumlaufen, auch allein.“ Bei ihr zuhause sei das gefährlicher. „Man merkt auch, dass hier alle gleich sind. Hier werden die Armen auch unterstützt.“ Und Daniela überlegt sogar, vielleicht mal in Deutschland zu studieren. Sie verspricht: „Auf jeden Fall komme ich wieder!“

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