Weihnachtskrippe

Detailverliebt: Die Lürbker Heimatkrippe öffnet am Sonntag

Ulrich Ostermann hat jedes Haus so gebaut, dass er die Zimmer – hier die Schule – rausnehmen kann.

Ulrich Ostermann hat jedes Haus so gebaut, dass er die Zimmer – hier die Schule – rausnehmen kann.

Foto: Lisa Dröttboom

Menden.  Die Lürbker Heimatkrippe wird zum 1. Dezember wieder geöffnet. Ulrich Ostermann hat sich auch in diesem Jahr viel Neues überlegt.

Pferde ziehen Stämme und Heuballen über die Wege, in der Kneipe sitzen die Lürbker Schützen auf ein Bier beisammen. Mittendrin im munteren Dorfleben: eine Krippe mit dem Jesuskind. So könnte die Weihnachtsgeschichte in der Lürbke aussehen, findet zumindest Ulrich Ostermann. Der 67-jährige Lürbker öffnet seine Heimatkrippe zum 1. Dezember wieder für Besucher und Vorbeiwandernde.

Für seine Krippenlandschaft begibt sich Ostermann leidenschaftlich gern auf Spurensuche in die Lürbker Geschichte. „1152 gab es hier zwei Bauernhöfe.“ Nach Vorlagen alter Bilder und Aufzeichnungen fertigt er die Häuser an, wie sie in den vergangenen Jahrhunderten tatsächlich in Lürbke gestanden haben. „Nur die Schmiede und die Mühle, die gab es so nie. Aber die gehören zu einem Dorfleben einfach dazu.“

Geschichte zum Erleben

Was Ostermann in seiner Heimatkrippe festhält, sind Momentaufnahmen der Lürbker Geschichte. Die Entstehung der Schützenbruderschaft, ihre erste Versammlung in der Taverne oder die Kunde vom Ende des Weltkrieges, alles findet sich in der Krippenlandschaft wieder. „Ich könnte die Krippe ohne das Christkind auch das restliche Jahr über stehen lassen“, sagt Ostermann schmunzelnd. Genug zu sehen und zu entdecken gäbe es trotzdem.

Herzstück seiner Krippenlandschaft bleibt der mittlerweile niedergebrannte Schelte-Hof mit der Jesuskrippe. Ostermann zeigt den Weg von Maria und Josef durch das Dorf, die Engel, die Hirten und die heiligen drei Könige, die sich samt Kamelen auf den Weg zum Stall machen.

„Mir ist wichtig, dass auch die Fensterbesucher alles Wichtige sehen können“, erklärt Ostermann. Wen die Geschichten interessieren, die sich noch in der Heimatkrippe verbergen, dem empfiehlt er, während der offiziellen Besuchszeiten vorbeizuschauen. Dann erzählt Ostermann nämlich, warum sich ein Auto mit Soldaten in der mittelalterlichen Szenerie befindet, warum neben der aufgebahrten Großmutter im Haus eine Kommunionskerze steht oder warum ein Nachttopf neben dem Bauernhof liegt.

Ein Auge fürs Detail

„Das sind alles Geschichten aus der Lürbke.“ Er lächelt. Denn neben der Recherche in alten Dokumenten hat Ostermann auch viel mit Zeitzeugen gesprochen. Hält auf diese Weise ein Stück ihrer Geschichte lebendig – auch die seiner eigenen Familie.

Der 67-Jährige hat dabei ein Auge fürs Detail: In dem Backsteinhaus unterrichtet ein Lehrer seine Schüler, ein Blick zurück in die Kaiserzeit. Auf jedem Pult liegen Schreibtafeln und Kreide. Alles von Ostermann selbst gemacht. Nur Besucher, die sich Zeit nehmen und einen Blick durch jede Tür und jedes Fenster werfen, entdecken all die feinen Details, die die Lürbker Heimatkrippe so besonders machen.

Seine Ideen bekommt Ostermann durch Besuche bei anderen Krippen. „Für eine schöne Krippenlandschaft würde ich bis nach Österreich fahren“, sagt er grinsend. Immer in der Hoffnung, dabei auch etwas für seine eigene Krippe lernen zu können. Neu sind dieses Jahr die Bluetooth-Lautsprecher an der Decke. Mit denen möchte Ostermann für eine andere Atmosphäre sorgen, wenn er vom alten Lürbke erzählt.

Ob die Krippe jemals fertig ist? Ostermann lacht. „Nein. Fertig ist sie nie. Ich habe immer eine Idee, was man noch verbessern oder neu machen kann.“ Deshalb lohne sich auch ein zweiter Besuch. Wer auf die Details achtet, der erkennt auch die Veränderungen, die er seit dem letzten Weihnachtsfest vorgenommen hat. Wie die Figur „das kleine Scheißerle“, die sich jetzt in der Lürbker Heimatkrippe versteckt.

Figuren aus der ganzen Welt

Ostermann bestellt die Figuren entweder im Internet oder entdeckt seine Schätze auf Urlaubsreisen. Viele sind aus Thüringen, aber auch im Erzgebirge, in Rom, Madeira, Teneriffa oder Ostfriesland findet er seine Figuren. „Manchmal bringen mir auch Freunde und Bekannte etwas mit, das sie in ihrem Urlaub gesehen haben.“ Ein paar, wie die Lürbker Schützen, hat er selbst gemacht.

Ostermanns liebste Figur findet sich an der Schmiede wieder. Dort beschlägt ein Schmied einem Pferd die Hufe. „Das ist aus Südtirol. Sowas habe ich noch nie gesehen und ich wusste: Ich will das haben.“ Er schaut auf seine Krippenlandschaft. „Das hier ist mein Lebenswerk. Das würde ich nie wieder so aufbauen können.“

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