Café Molitor

Die besondere Torte als Erlebnis

Ausprobieren, tüfteln, abschmecken: Brigitte und Wilm Molitor in der Backstube der Konditorei an der Lendringser Hauptstraße. Der Betrieb ist heute vor 75 Jahren von Wilm Molitors Großvater Wilhelm gegründet worden.

Foto: Corinna Schutzeichel

Ausprobieren, tüfteln, abschmecken: Brigitte und Wilm Molitor in der Backstube der Konditorei an der Lendringser Hauptstraße. Der Betrieb ist heute vor 75 Jahren von Wilm Molitors Großvater Wilhelm gegründet worden. Foto: Corinna Schutzeichel

Lendringsen.   Das Café Molitor in Menden-Lendringsen feiert am Dienstag, 7. November, seinen 75. Geburtstag.

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Schon als kleiner Junge hat Wilhelm – genannt „Wilm“ – Molitor im elterlichen Betrieb mitgeholfen. Und auch heutzutage, Jahrzehnte später, steht der gelernte Konditor mit Herzblut und Kreativität in seinem Geschäft an der Lendringser Hauptstraße. Am Dienstag, 7. November, feiern Wilm Molitor und seine Ehefrau Brigitte gemeinsam mit Azubi und Mitarbeiterinnen den 75. Geburtstag des Betriebes.

Aus der Not heraus gegründet

Eigentlich ist die Konditorei aus der Not heraus gegründet worden. Wilhelm Molitor – Großvater des heutigen Inhabers – betrieb damals das Hönnetaler Betonsteinwerk – „auf dem Gebiet, wo heute Bettermann ist“, blickt Wilm Molitor zurück. Die damalige Gemeinde Böingsen habe dann ein Tauschgeschäft angeboten. So kam es, dass Wilhelm Molitor zum Eigentümer des Geschäfts- und Wohngrundstückes an der Lendringser Hauptstraße 47 wurde. Dabei habe es sich um das damalige Gemeindehaus gehandelt, in dem sich die Gemeindeverwaltung und eine Apotheke befanden.

Schon als Zehnjähriger mitgeholfen

Wilhelm Molitor sei damals erkrankt gewesen, berichtet Enkel Wilm (56). Er habe in dem Aufbau eines Konditorei- und Cafébetriebes die Chance gesehen, für seine Familie eine gesicherte Existenz zu schaffen. „Meine Oma kam aus einer Bäckerei- und Konditorenfamilie“, erklärt Wilm Molitor. Sie brachte das fachliche Wissen mit, für die Backstube wurde ein Fachmann eingestellt, und ihr Ehemann Wilhelm führte die Geschäfte und sorgte für die Anlieferung der oft rationierten Lebensmittel.

„Das war in der damaligen Zeit – während des Krieges – schon ein Riesen-Wagnis, einen Luxus-Artikel wie Torte und Kuchen anzubieten“, sagt Wilm Molitor. Aber der Betrieb lief, der Andrang war groß. Gegen Abgabe eines Abschnittes von der Lebensmittelkarte über 50 Gramm Weizenmehl gab es ein Stück Torte oder Kuchen.

Früh mitgeholfen

Als der Großvater starb, war dessen gleichnamiger Sohn – Wilm Molitors Vater – gerade in der Ausbildung. „In der Zeit wurde die Konditorei verpachtet“, erklärt Wilm Molitor. Nachdem der Vater seine Ausbildung beendet hatte, übernahm er das Café Molitor in zweiter Generation.

Auch Wilm Molitor stieg früher in den Arbeitsalltag im elterlichen Betrieb ein als geplant: „Mein Vater ist 1970 verstorben, da war ich acht“, blickt er zurück. Bereits als zehnjähriger Junge half er regelmäßig mit. Viele Jahre führte seine Mutter Annette Molitor – sie starb 2002 – den Betrieb. Vor einigen Jahren haben Wilm und Brigitte Molitor die Konditorei und das Geschäft in dritter Generation übernommen.

Nicht nur Kaffee

Vieles hat sich in den Jahrzehnten geändert. „Die Anzahl an Heißgetränken ist viel größer geworden“, sagt Wilm Molitor. Es reicht schon lange nicht mehr, nur einen einfachen Kaffee auf der Karte anzubieten.

Klassiker und Neues

Der Wunsch nach dem Außergewöhnlichen und Besonderen spiegelt sich auch in der Kuchen-, Torten- und Gebäckauswahl wider. Tortenessen als Erlebnis. „Die Klassiker müssen wir natürlich trotzdem anbieten“, sagt Wilm Molitor. „Aber dazu kommen neue Torten, die wir entwickeln.“

Und so sind auch aus zwei Sorten Pralinen, die das Café Molitor vor 30 Jahren anbot, mittlerweile knapp 40 Sorten geworden. Und auch Motivtorten zu Geburtstagen oder anderen Anlässen sind gefragt, berichtet Brigitte Molitor, die gelernte Konditoreifachverkäuferin ist.

Tüfteln, Abschmecken und Ausprobieren

Stillstand gibt es nicht. Das Tüfteln, Abschmecken und Ausprobieren ist für Wilm Molitor nach wie vor Lebenselixier: „Für mich ist mein Beruf eine Berufung.“ Und an Kuchen oder Torten hat er sich noch lange nicht leidgegessen: „Das gehört für mich auch im Urlaub dazu. Wenn ich zwei Tage mal keinen Kuchen esse, dann bekommt mir das nicht.“

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