Theaterkritik

Die Frustrationen im Leben zweier Väter

Irgendwo zwischen Entspannung und purem Chaos: Die Väter Hartwig (Oliver Smith) und Dankwart (Holger Schroer).

Irgendwo zwischen Entspannung und purem Chaos: Die Väter Hartwig (Oliver Smith) und Dankwart (Holger Schroer).

Foto: Frank Saul

Menden.   Theaterstück „Mondlicht und Feinripp“ überzeugt bei der Premiere im Mendener Amateur Theater mit starken Charakteren und Witz.

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Gleich zwei Premieren gab es am Donnerstagabend in den neuen Räumen des Mendener Amateur Theaters (M.A.T.) an der Fröndenberger Straße. Auf der kleinen Bühne, dem gemütlichen Hinterstübchen des neuen Theaters, wurde zum ersten Mal gespielt. Mit dem Stück „Mondlicht und Feinripp“ feierte der Reigen des „After Work Theaters“ einen großartigen Auftakt.

Zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Charaktere treffen sich zufällig im Park. Ihren Nachwuchs schieben sie im Kinderwagen vor sich her. Hartwig (Oliver Smith) ist scheinbar zufällig da und kümmert sich liebevoll um seinen Sohn, dem er den frisch von ihm eingespeichelten Schnuller in den Mund steckt. Dankwart (Holger Schroer) kommt mit seinem Töchterchen im Kinderwagen dazu. Zur Beruhigung des kleinen Schreihalses singt er: „Versuch’s mal mit Gemütlichkeit...“ Später stellt er sich, der Feinsinnige, nach anfänglichen Zögerlichkeiten eurythmisch nach Art der Waldorfschüler vor.

Unglaubliche Dynamik

Dankwart ist der Verwandtschaft während seiner Geburtstagsfeier entflohen. Der etwas prollige Hartwig gesteht, seinen kleinen Sohn auch bei sich selber schon mal an die Brust gelegt zu haben, um ihn mit Hilfe der natürlich mangelnden Milch auf die Frustrationen des Lebens vorzubereiten.

Schnell entwickelt sich auf der Bühne eine unglaubliche Dynamik. Die beiden Männer unterhalten sich über die Geburt der Kinder, als seien sie selber Gebärende gewesen. Hartwig regt ein Rollenspiel an, in dem Dankwart versuchen soll, seine Geburtstagssituation nachzuspielen. Mit starkem schauspielerischen Können gelingt es Holger Schroer, die unterschiedlichsten Personen mit Witz, Humor und Tragik - ganz gleich ob Mann oder Frau - darzustellen. Hartwig, mit haarigem Bauch in Feinripp in seiner Männerrolle gefangen, weiß immer Rat und Tat. Dabei beobachtet er die Menschen im Park und macht sich zum Beispiel über die „Öko-Bratze dahinten“ lustig.

Dankwart leidet unter Fremdschämen und will in der Öffentlichkeit kein Bier trinken. Er bekennt: „Meine Frau nennt mich nicht Dankwart, sondern Hauswart.“ Beide gestehen sich ein, gerne die Musik der Eltern, mit der sie aufgewachsen sind, zu hören. Mit Peter Alexander und Rex Gildo werden Kindheitserinnerungen hervorgespült. Dankwart hatte traumatische Erlebnisse mit den von seiner Mutter penibel gefalteten und gebügelten Taschentüchern, die von ihr zwangsweise in seine Hosentaschen gesteckt wurden. Während Hartwig meint, dass „eine Frau zu Hause totes Kapital“ sei, ist Dankwart angesichts seines Gegenübers der Ansicht: „Jede Elite braucht ihren Bodensatz“. Ohne einen Moment lang an Spannung zu verlieren, agieren die anscheinend so unterschiedlichen Männer miteinander. Doch dann wendet sich das Blatt...

Wenig Bühne, viel Handlung

Regisseur Stefan Heuer ist es gelungen mit einem Stück für zwei Personen und einem spartanischen Bühnenbild einen prallen Handlungsrahmen zu schaffen, der das Publikum bis zum letzten Moment in den Bann zieht. Das Stück erzählt einfühlsam und mit viel Herz über die Nöte und Leidenschaften der Protagonisten, gefangen in den Klauen von Verwandtschaft und Freunden. Die kleine Flucht in den Park bringt die weiche, empfindsame Seite der Männer zu Tage.

Die Darsteller Oliver Smith und Holger Schroer haben es kongenial in großartiger Weise gemeinsam mit Regisseur Stefan Heuer geschafft, auf humorvolle Art die Männerrolle von Klischees zu befreien. Ein Stück über Männer, nur mit Männern und gerade deshalb auch für Frauen. Hier können alle in den Spiegel blicken. Deshalb wurde vielleicht auch so viel gelacht. Das Publikum war begeistert und dankte mit rauschendem Beifall.

INFOBOX: Weitere Vorstellungen von „Mondlicht und Feinripp“

Das M.A.T. will Interessiertem auch in der Woche Gelegenheit zu einem Theaterbesuch geben. „Mondlicht und Feinripp“ wird deshalb immer donnerstags aufgeführt.

Das Stück hat eine Spielzeit von 90 Minuten. Die nächsten Aufführungen sind am 3.5, 17.5, 24.5, 7.6. und am 14.6. jeweils um 19.30 Uhr. Karten unter 02373/1790980

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