Verkehrsführung

Einbahnstraße? Mendener Radlerin von Autofahrern angepöbelt

Radfahrerin Judith Droste nutzt regelmäßig den Walzweg und kreuzt dabei die Lendringser Hauptstraße. Dabei wird sie von Autofahrern angepöbelt, die ihr vorwerfen, dort nicht herfahren zu dürfen.

Radfahrerin Judith Droste nutzt regelmäßig den Walzweg und kreuzt dabei die Lendringser Hauptstraße. Dabei wird sie von Autofahrern angepöbelt, die ihr vorwerfen, dort nicht herfahren zu dürfen.

Foto: Stefan Meinhardt

Lendringsen.  Eine Fahrradfahrerin aus Lürbke wird von Autofahrern angepöbelt, weil sie in den Walzweg radelt. Die Stadt erklärt: Die Radfahrerin ist im Recht.

Das rote runde Schild mit dem weißen Balken ist eindeutig: Hier ist die Zufahrt verboten. Wer versucht, mit seinem Auto von der Lendringser Hauptstraße in den Walzweg (Straßenseite Biebertal) zu gelangen, muss den Umweg über den Bieberkamp nehmen.

Für Judith Droste gilt diese Regelung nicht – zumindest, wenn sie auf dem Rad unterwegs ist. Das weiße eckige Zusatzschild erlaubt das Einbiegen mit einem Fahrrad. Das sehen nicht alle Autofahrer ein. Judith Droste beklagt, dass sie schon mehrfach „angepöbelt“ worden sei. „Autofahrer nötigen mich, anzuhalten“, sagt sie. „Die machen die Scheibe runter und brüllen ‘Einbahnstraße!’“

Radfahrerin angepöbelt – wegen vermeintlicher Einbahnstraße

Droste lebt in der Lürbke. Zusammen mit ihrem Mann hat sie einen Handwerksbetrieb. Das Fahrrad nutzt sie für Botenfahrten nach Menden, zum Beispiel zur Bank. Dafür fährt sie über das Biebertal, durch Lendringsen, an der Hönne entlang in die Stadt. „Das ist eine tolle Strecke“, findet Droste. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg kreuzt sie die Lendringser Hauptstraße über den Walzweg.

Vor wenigen Tagen sei es wieder zu einem unschönen Zwischenfall gekommen. „Eine Frau hat mit ihrem Auto mitten auf der Kreuzung gehalten und mir ‘Das ist eine Einbahnstraße, du dumme Nuss’ entgegen gerufen. Die Kinder auf der Rückbank haben ganz schön ungläubig geguckt.“ In den Dialog mit Autofahrern komme sie meistens nicht, sagt die Lürbkerin. „Die rollen einfach weiter.“

Alternativen sind umständlich und gefährlich

Die Abkürzung ist für Radfahrer sehr praktisch und dient als direkte Verbindung zum Biebertal. Die Alternativen, die Droste nennt, klingen umständlich bis gefährlich. Entweder nutzen Radfahrer verbotenerweise einen Privatweg oder aber sie fahren die Lendringser Hauptstraße durch bis zum Bieberkamp.

Nach zwei mal links abbiegen, wären sie auf der Meierfrankenfeldstraße. Droste: „Als Radfahrer hat man auf einer Linksabbiegerspur von Natur aus Probleme.“

Ordnungsamt gibt Antworten

Andreas Nolte vom Ordnungsamt der Stadt Menden erklärt die Regelung: „Das Einfahren von der Hauptstraße in den Walzweg mit Autos wollten wir hier unterbinden. Es handelt sich hier nicht um eine klassische Einbahnstraße.“ Innerhalb des östlichen Walzweges können Autofahrer ihre Fahrtrichtung frei wählen. Die Begrenzung gilt nur für die Zufahrt. „Das ist eine langjährige, etablierte Lösung“, sagt Nolte, „darum ist es schade, wenn es dort zu Auseinandersetzungen kommt.

Die Einfahrt für Autos sei schon seit einigen Jahren verboten. Wann genau, kann Nolte nicht sagen. Die Regelung „Fahrrad frei“ sei erst später hinzugefügt worden.

Regelung gibt es auch anderswo in Menden

Der Walzweg sei im Übrigen nicht der einzige Ort im Stadtgebiet, wo Fahrradfahrer etwas dürfen, was Autofahrern verwehrt bleibt: „So eine unechte Einbahnstraße haben wir an mehreren Stellen in Menden“, sagt Nolte und nennt als Beispiel die Pastor-Quade-Straße in der Innenstadt. Auch auf der Unnaer Straße gilt die Regelung.

„Ich möchte gar nicht, dass jemand bestraft wird“, sagt Judith Droste, „ich möchte nur, dass Autofahrer wissen: Die darf da herfahren.“ Sie sei selbst ja auch manchmal mit dem Auto unterwegs. „Ich frage mich dann: Wie hätte ich reagiert? Man muss sich ja selbst hinterfragen.“

Droste hofft, dass die „unechte Einbahnstraße“ für Radfahrer bleibt. „Es wäre schade, wenn die Stadt das abschaffen würde.“

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