WILDSCHWEIN-PLAGE

Elektrozaun soll Wildschweine stoppen

Jan Hartwich, Wildschweinplage

Jan Hartwich, Wildschweinplage

Foto: Thomas Hagemann

Menden.   Wildschweine ziehen in Mendens Gärten immer öfter Schneisen der Verwüstung. Jetzt hat ein Unternehmer die Nase voll.

Wer hat schon gern grunzende Gäste im Garten, die ungebeten kommen, dafür aber reichlich, und die einem alles umpflügen? Jan Hartwich jedenfalls nicht: „Als ich jetzt aus dem Urlaub wiederkam, zeigte das Video unserer Überwachungskamera am Morgen zwischen 4 und 5 Uhr eine Wildschweinrotte mit ungefähr 20 Tieren.“ Die Viecher hinterließen auf dem großen Grundstück an der Iserlohner Landstraße mehrere umgepflügte Stellen, unter anderem an dem Handballtor, das Hartwich für die Kinder aufgestellt hat. „Und sie kommen regelmäßig wieder. In der nächsten Nacht waren sie beim Nachbarn.“

Deshalb erkundigte sich Hartwich schnurstracks bei Stadtförster Dirk Basse nach möglichen Gegenmaßnahmen. Basse habe ihm indes nur raten können, einen Zaun um sein waldnahes Gelände zu ziehen. Denn: Gegen Wildschweine müsse sich jeder Eigentümer selber helfen, das sei tatsächlich Privatsache.

Vermehrte Sichtungen

Jan Hartwich wundert das zwar, er fackelte aber nicht lang und kaufte einen Elektrozaun. Dessen weiße Strippen, denen man im eingeschalteten Zustand besser nicht zu nahe kommt, säumen jetzt rundherum den Garten. An den Strippen hängen Warnschilder, auf denen die „Wildschweinabwehr“ als Grund genannt ist.

Dabei könnte es der Unternehmer nun bewenden lassen. Doch ihm ist klar: „Im Zweifel löst man das Problem nur auf Kosten seiner Nachbarn, die noch keinen Zaun gezogen haben.“ Er wolle niemanden dafür kritisieren. „Ich bin aber schon erstaunt darüber, dass die allgemein spürbare Vermehrung der Bestände und die vermehrten Sichtungen zum Beispiel am Haunsberg, an der Oese oder sogar entlang der Bundesstraße 7 in der Mendener Öffentlichkeit kaum eine Rolle spielt.“

In Hagen ist das ganz anders, seit im März 2016 eine verirrte Wildsau durch die Innenstadt tobte. Das Tier, das außer Rand und Band geraten war, drang durch geschlossene Glastüren in den Kaufhof ein und versetzte auch die Kunden eines Lotto-Ladens in Angst und Schrecken. Am Ende musste die Polizei den Keiler erschießen.

Förster spricht von „Rockerbanden“

Der dortige Förster habe die Rotten, die oft von halbwüchsigen Keilern angeführt würden, sogar als „Rockerbanden“ bezeichnet. Die Tiere verwüsteten Gärten in Siedlungen, in die sie ausweichen, auch um Hierarchiekämpfen in den Wald-Revieren aus dem Weg zu gehen. Auch in seiner Umgebung, berichtet Hartwich, gebe es Geschichten über Wildschweine, die sogar Treppen zu Grundstücken heraufkamen. Solche Vorfälle würden offenbar mit der wachsenden Anzahl der Tiere häufiger, was wiederum damit zu tun habe, dass die Frischlinge die zuletzt milden Winter allesamt überleben.

Zugleich bescherten die vermehrten Vollmasten von Buchen und Eichen den Tieren einen reich gedeckten Tisch: Früher trugen diese Bäume nur etwa alle zehn Jahre besonders viele Früchte, heute sind die Intervalle deutlich kürzer. Auch der verstärkte Mais- und Rapsanbau ernähre die Tiere unfreiwillig mit.

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