Landstraße

Familie lebt nach Unfall-Serie an Hüstener Straße in Angst

Unterhalb der Hüstener Straße (L682) liegt das Grundstück der Familie Wulf. Die Anwohner haben bereits mehrere Unfälle vor ihrer Haustür miterlebt. Julia Wulf hat einen Antrag an die Stadt auf Geschwindigkeitsbegrenzung gestellt. Der Sicherheitsschuss befasst sich mit der Situation.

Unterhalb der Hüstener Straße (L682) liegt das Grundstück der Familie Wulf. Die Anwohner haben bereits mehrere Unfälle vor ihrer Haustür miterlebt. Julia Wulf hat einen Antrag an die Stadt auf Geschwindigkeitsbegrenzung gestellt. Der Sicherheitsschuss befasst sich mit der Situation.

Foto: Stefan Meinhardt

Menden.   Nachdem vor einem Jahr ein Pkw in die Einfahrt rutschte, lebt eine Mendener Familie in Angst. Die Unfälle häufen sich. Mutter fordert Tempolimit.

Julia Wulf macht sich Sorgen. Täglich rauschen Dutzende Lastwagen knapp an ihrer Einfahrt an der Hüstener Straße (L682) entlang. Allein im letzten Jahr dokumentierte sie rund um ihr Grundstück fünf Unfälle, ein paar hundert Meter weiter westlich noch mal drei. Die 31-Jährige wünscht sich ein Tempo-Limit vor ihrer Haustür. Einen entsprechenden Antrag diskutiert der Ausschuss für Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Mittwoch.

Das Haus steht knapp hinter einer Kurve der Landstraße. Die Strecke wird auch von vielen Lastwagen genutzt, die Material vom Steinbruch transportieren. „Mittlerweile kann ich die LKW am Geräusch unterscheiden“, sagt Wulf lachend.

Hüstener Straße: Corsa landete in der Einfahrt

Gar nicht lustig findet sie allerdings, welche Gefahren sie sich ausgesetzt sieht. Im Januar 2018 wird die 31-Jährige gegen halb 6 morgens durch einen Knall geweckt. Eine junge Frau war mit ihrem Opel Corsa in Richtung Asbeck unterwegs, als sie die Kontrolle über das Fahrzeug verliert und den Hang hinunter rutscht. Der dort parkende Skoda Octavia von Julia Wulf wird durch den Zusammenprall um 90 Grad gedreht.

An dem Wagen entsteht laut Wulf ein Schaden in Höhe von 15.000 Euro. Die junge Frau kommt später leicht verletzt ins Krankenhaus. „Eine Stunde später hätte ich meine Söhne ins Auto gesetzt, um zur Kita zu fahren. Die beiden waren auf jeweils einer Seite des Autos. Ich hätte nicht beide wegziehen können.“

LKW rutschte ins Feld

Wenige Wochen später rutschte ein LKW etwa hundert Meter hinter der Einfahrt der Wulfs ins Feld. „Ich habe gedacht: Gut, dass er erst da abgerutscht ist“, sagt die Anwohnerin. Mit mindestens einem Unfall im halben Jahr könne sie rechnen. Auch in diesem Monat hätten wieder Plastikteile einer Frontschürze in der Einfahrt gelegen.

Wulf wandte sich an die Stadt. Die verwiesen sie an den Landesbetrieb Straßen NRW, da es sich bei der Hüstener Straße um eine Landstraße handelt.

Straßen NRW: Fall ist bekannt

Dem Landesbetrieb Straßen NRW ist der Fall an der Hüstener Straße bekannt, wie Andreas Berg von der Regionalniederlassung Südwestfalen auf Anfrage mitteilt. „Geschwindigkeitsbegrenzungen sind Sache der kommunalen Straßenverkehrsbehörde“, sagt Berg. „Wir haben die Anfrage nach Menden weitergeleitet, danach haben wir davon nichts mehr gehört.“

Dem Landesbetrieb liegen für die Hüstener Straße im vergangenen Jahr mehrere Unfallmeldungen vor. Davon sind jedoch nur zwei als schwerwiegender eingestuft: der Vorfall mit dem Corsa und ein schwer verletzter Kradfahrer, einen knappen Kilometer weiter in Richtung Menden.

Anwohnerin schreibt Bürgerantrag

„Die Stelle ist in den vergangen Jahren nicht als Unfallschwerpunkt besprochen worden“, sagt Berg. Dafür müssten sich schwer wiegende Unfälle häufen (siehe Infokasten).

Im November schrieb Wulf einen Bürgerantrag. „Damals war ich optimistisch und bat um ein Handeln bis zum Einsetzen des ersten Schneefalls“, sagt die 31-Jährige. In der Ausschusssitzung am Mittwoch soll der Antrag beraten werden. Erst durch die Anfrage der WP hat die Antragstellerin davon erfahren, dass sich jetzt die Politik der Sache annimmt. Auf Nachfrage beim Ordnungsamt wird ihr am Montag mitgeteilt, dass sie sich in der Sitzung selbst äußern soll.

Verkehrsteilnehmer müssen Tempo anpassen

Andreas Berg von Straßen NRW verweist auf die Straßenverkehrsordnung: „Generell haben Verkehrsteilnehmer ihre Geschwindigkeit den örtlichen Begebenheiten anzupassen. Theoretisch wären in der Kurve an der Hüstener Straße 100 Stundenkilometer erlaubt, aber damit können Sie die Kurve überhaupt nicht schaffen.“

Berg argumentiert, dass ein Aufstellen von Schildern mit beispielsweise Tempo 50 wie eine Empfehlung verstanden werden könnten.

„Schilder stumpfen ab“

Auch mit den Richtungstafeln mit roten und weißen Streifen geht der Landesbetrieb vorsichtig um. „Wir dürfen die nur aufstellen, wenn der Straßenverlauf für den Verkehrsteilnehmer nicht erkennbar ist.“ Verkehrszeichen würde nicht generell aufgestellt. „Schilder stumpfen ab“, sagt Berg. Sprich: wenn jede Kurve als gefährlich markiert wird, sinkt die Aufmerksamkeit bei den besonders verwinkelten.

Vermutlich werde es nach der Ausschusssitzung zu einer Klärung durch die Verkehrskommission kommen, mutmaßt Berg. Dazu gehören neben dem Straßenbetrieb auch die Kommune und die Kreispolizei.

Bulli als Aufprallschutz

In der Einfahrt der Wulfs steht derweil ein alter weißer Bulli, der als Barrikade dienen soll. „Ich parke nicht mehr da vorn. Die Kinder dürfen nicht mehr in der Einfahrt spielen“, erzählt die zweifache Mutter. Im kommenden Jahr wird ihr älterer Sohn eingeschult. „Der muss sich dann an die Bushaltestelle stellen, wo der Corsa herunter kam“, sagt die 31-Jährige. „Ich muss mich entscheiden: Werde ich zur Helikoptermutter und fahre meinen Sohn oder lasse ich mein Kind erwachsen werden?“

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