Prozess

Fröndenberger Asylbewerber wird zum Randalierer

Der Haupteingang des Amtsgerichts in Unna: Hier muss sich der Asylbewerber wegen seiner Straftaten verantworten. Seine Lebensgeschichte ist gar nicht so einfach zu erörtern.

Der Haupteingang des Amtsgerichts in Unna: Hier muss sich der Asylbewerber wegen seiner Straftaten verantworten. Seine Lebensgeschichte ist gar nicht so einfach zu erörtern.

Foto: Stefan Meinhardt

Fröndenberg/Unna.  Der Mann, der im vergangenen Jahr ein Auto der Fröndenberger Verwaltung beschädigte und Autos mit Monopoly-Geld kaufen wollte, steht vor Gericht.

Deutschlandweit reichte die Aufmerksamkeit im Sommer 2018, als ein afrikanischer Asylbewerber randalierend durch die Ruhrstadt zog und auch in seiner Unterkunft Chaos anrichtete. Dem jungen Mann wird aber noch eine Menge mehr vorgeworfen. Vor dem Amtsgericht Unna läuft nun der Prozess. Die Fröndenberger Flüchtlingspatin des Angeklagten zeichnete ein ganz anderes Bild von ihm.

Zufällig hatte ein Passant im August vergangenen Jahres die Tat auf Video festgehalten: Ein dunkelhäutiger junger Mann geht mit einem großen Stein in der Hand vor dem Fröndenberger Rathaus auf ein Auto der Stadtverwaltung zu und demoliert dieses mit dem Stein. Er soll damals in seiner Unterkunft randaliert und Einrichtungsgegenstände zerstört haben, auf Ämtern und bei der Polizei Widerstand gegen Vollstreckungsmaßnahmen geleistet haben. Kurios: Schließlich sorgte er noch in einem Autohaus in Unna mehrfach für Ärger, wo er ein Auto kaufen wollte – mit Monopoly-Spielgeld.

Unzählige Male ist der Mann außerdem beim Schwarzfahren in der Bahn erwischt worden. Nach einem Einbruch kam er im Sommer vergangenen Jahres schließlich in U-Haft. Nun läuft in Unna vor dem Amtsgericht der Prozess. Die Ordner mit den Unterlagen und vor allem den Vorwürfe türmen sich zu einem großen Stapel. Von Anfang an ein Problem: Die Identität des Mannes konnte schon im vergangenen Jahr nicht zweifelsfrei

festgestellt werden. Zwei Heimatländer standen damals im Raum: Guinea und die Elfenbeinküste, ebenso zwei Altersangaben: 23 und 28. Nun scheint man davon auszugehen, dass die jüngere Angabe zutrifft, der Beschuldigte mittlerweile 24 ist. Eine Zeugin, die den Afrikaner lange in Fröndenberg als Flüchtlingspatin begleitet hat, sagte: „Er weiß wohl selber gar nicht, welche Nationalität er hat.“ Ein weiteres Problem nämlich: Der junge Mann hat seinen Pass nicht mehr. Ohne Papiere kann der Mann nicht abgeschoben werden, weil ihn die Herkunftsländer nicht aufnehmen.

Zeugin berichtet von Bruch

Mittlerweile, so erzählte die Flüchtlingspatin vor Gericht, sei ihr ehemaliger Schützling so verzweifelt, dass er eigentlich sogar wieder zurück in die Heimat wolle, zur Familie. Eine Zukunft in Deutschland scheint er aufgegeben zu haben. Die 65 Jahre alte Frau berichtete ausführlich über ihr Verhältnis zu dem hier Angeklagten. „Es war ein sehr schöner Kontakt“, beschrieb sie die erste Zeit, nachdem der Mann 2016 in die Obhut des Fröndenberger Patenschaftskreises kam. Er sei aufgeschlossen, freundlich, sehr höflich, lernwillig und interessiert an Kontakt zu Einheimischen gewesen, habe viele Aktivitäten des Patenschaftskreises mitgemacht. Zur Patin und ihrer Familie habe es eine durchaus freundschaftliche Beziehung gegeben, er habe sogar bei der Gartenarbeit mitgeholfen. In Unna hat er in der Zeit einen Schulabschluss gemacht. Der Bruch sei, so die Zeugin, Ende 2016 gekommen, als der Mann aus der Unterkunft in Westick in die Sümbergstraße ziehen sollte. Aus einem Einzel- in ein Doppelzimmer. „Das war völlig verdreckt, voller Ungeziefer. Ich habe mich fremdegeschämt“, sagte die Zeugin. Es gab zwei Anhörungen, deren Ergebnis die Abschiebung sein sollte. Das alles haben ihren Paten psychisch fertig gemacht. Er habe dann berichtet, Stimmen zu hören. Große Teile der Anklagevorwürfe hat der Beschuldigte schon eingestanden. Bis zu einem Urteil gibt es noch mindestens einen weiteren Verhandlungstermin mit weiteren Zeugen.

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