Selbstverteidigung

Fröndenberger Frauen wollen sich für den Ernstfall rüsten

Gefahrensituationen aus dem Weg gehen und – wenn das nicht möglich ist – wirksame Techniken einsetzen: Das lernen die Teilnehmerinnen.

Gefahrensituationen aus dem Weg gehen und – wenn das nicht möglich ist – wirksame Techniken einsetzen: Das lernen die Teilnehmerinnen.

Foto: Martina Dinslage

Fröndenberg.   Selbstbehauptungskurs in der Sporthalle der Gesamtschule. Selbstbewusstes Auftreten und Ausstrahlen von Stärke als Schutz.

„Der beste Kampf ist der, den man nicht austragen muss“, lautet das Credo von Zarah Gersdorf und Karolin Rath-Afting. In ihrem Selbstbehauptungskurs ging es darum, wie man Gefahrensituationen als Frau von vornherein aus dem Weg geht. Aber auch, wie man sich im Notfall zu wehren weiß.

Auch das Schreien will geübt sein. Gerade manch schüchterne Person kostet das einiges an Überwindung. In einer Gefahrensituation aber kann es vielleicht der entscheidende Faktor sein, der einen potenzielle Angreifer abschreckt oder aber umstehende Personen auf die Lage aufmerksam macht. Und genau deshalb wurde beim Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurs am Samstagnachmittag in der Sporthalle der Gesamtschule viel geschrien.

Eingeladen dazu hatte nun zum zweiten Mal der Patenschaftskreis für Flüchtlinge zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Fröndenberg, Birgit Mescher. 18 Teilnehmerinnen, von kleinen Mädchen bis hin zu ihren Müttern, hatten sich versammelt. „Sich klein machen, ist nicht gut“, schärfte Karolin Rath-Afting den Frauen ein. „Ein selbstbewusstes Auftreten, Stärke ausstrahlen, ist ein guter Schutz.“ Eine Garantie ist es freilich nicht. Und deshalb wurden auch einige Selbstverteidigungstechniken geübt. Mit wertvollen Tipps der beiden Trainerinnen. Zum Beispiel: Ballt man die Faust, sollte der Daumen außen liegen und nicht unter den anderen Fingern. Sonst kann er eher brechen.

Mögliche Fluchtwege abspeichern

Auch sollte bei einem Schlag nach vorne der Arm nie komplett durchgedrückt werden. Auch das erhöht die eigene Verletzungsgefahr. Das Lösen aus Würgegriffen von vorne oder hinten stand ebenso auf dem Plan wie Fußtritte (mit durchgestrecktem Fuß). Gemeinsam erarbeitete die Gruppe, welcher Inhalt aus einer Damenhandtasche zur Abwehr benutzt werden kann. Ein kleiner Regenschirm als Hilfsmittel leuchtet durchaus ein. Aber auch ins Gesicht gesprühtes Deo kann einen Angreifer für wertvolle Sekunden ablenken. Pfefferspray mit sich zu führen, davon raten Zarah Gersdorf und Karolin Rath-Afting ab.

Für alle Situationen raten die beiden Kampfsport-Trainerinnen: „Nicht die Luft anhalten! Dabei erstarrt man dann selbst automatisch.“ Vielmehr trainierten die beiden mit ihren Schützlingen alle Schläge oder Tritte so ein, dass man dabei deutlich ausatmet (gerne in Kombination mit einem Schrei). Zarah Gersdorf, die ebenso wie Rath-Afting regelmäßig solche Kurse und Kampfsport anbietet, erzählte, dass ihr schon öfter Teilnehmer konkret gefährliche bis hin zu übergriffigen Situationen geschildert haben. Sie rät: „Man kann sich Gefahrenmomente vorstellen und dann schon überlegen, wie man reagieren würde.“

Mögliche Fluchtwege zum Beispiel kann man bereits ausgeguckt und im Kopf gespeichert haben. Ein interessanter und wichtiger Nachmittag, da waren sich die Teilnehmerinnen hinterher einig. „Die beiden haben das sehr gut rüber gebracht“, lobte Teilnehmerin Benazir die Leiterinnen. Die 19-jährige Syrerin ist mit ihrer Familie zwar mittlerweile von Fröndenberg nach Unna gezogen, hält zum Patenschaftskreis in der Ruhrstadt aber immer noch engen Kontakt. Sie nimmt, wie am Samstag, auch an vielen Veranstaltungen teil. „So wie heute lernt man dann auch immer nette Leute kennen“, berichtete sie. Viel Neues, so erzählte sie strahlend, habe auch die elfjährige Maite gelernt. Auch wenn sie schon ein paar Jahre die chinesische Kampfkunst Wing Chun betrieben hat.

Zwei Stunden Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, das kann natürlich nur ein erstes Reinschnuppern bedeuten. Zur Vertiefung gibt es regelmäßige Kurse. „Ich hoffe, dass einige Sachen hängen bleiben. Man muss die Techniken aber auch immer wieder auffrischen“, so Karolin Rath-Afting. Jedenfalls fragten einige schon begeistert nach einer Fortsetzung.

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