Keine Umkehr nötig

Gehbehinderter Mendener am Wall: Sicher trotz schnellem Rot

Die andere Straßenseite hat der gehbehinderte Mendener Günter Dahlmann noch längst nicht erreicht, da springt die Fußgängerampel am Ostwall wieder auf Rot. Sicher bleibt man trotzdem. 

Die andere Straßenseite hat der gehbehinderte Mendener Günter Dahlmann noch längst nicht erreicht, da springt die Fußgängerampel am Ostwall wieder auf Rot. Sicher bleibt man trotzdem. 

Foto: Thomas Hagemann

Menden.  Günter Dahlmann beobachtet ältere Dame, die mitten auf dem Ostwall wieder umkehrt. Verkehrsplaner: „Schutzzeiten sind auch hier ausreichend.“

„Ingo, der Ampeldetektiv“: So war jüngst ein kritischer WP-Bericht überschrieben, in dem es um die vermeintlich zu kurze Ampel- und Schutzphase der Fußgängerampel auf der Bismarckstraße ging. Darauf meldete sich jetzt der Lahrfelder Rentner Günter Dahlmann: Auch mitten in der Stadt, am Ostwall, reiche die Grünphase nie und nimmer aus, um die Fahrbahn zu überqueren. So habe er jüngst wieder eine Szene beobachtet, in der eine ältere Dame mitten auf der Straße kehrt gemacht habe, als die Ampel nach wenigen Sekunden auf Rot sprang.

Auch der Letzte muss es schaffen

„Dass das unnötig war, weil es nach der kurzen Grünphase noch eine deutlich längere Schutzzeit gibt, weiß ich ja“, sagt der gehbehinderte Mendener. „Aber es irritiert doch viele Leute, und auch mir selbst geht das so: Man fühlt sich unwohl, wenn man als langsamer Fußgänger bei Rot noch mitten auf der Straße steht. Von dem noch länger anhaltenden Rotlicht für die Autofahrer sieht man ja nichts.“ Dahlmann fragt sich: „Warum sind die Grünphasen bei uns nicht einfach länger?“

Antworten darauf gibt der Mendener Verkehrsplaner Ralf Weier: „Das ist deshalb so, weil wir auch den Fußgänger mit einkalkulieren müssen, der erst im letzten Moment der Grünphase noch die Straße betritt. Auch der muss bei einem Tempo von 1,2 Metern pro Sekunde sicher auf die Gegenseite gelangen können, bevor die wartenden Autofahrer freie Fahrt bekommen.“ Die Grünphasen seien daher bei aller Kürze so gehalten, dass man – auch bei langsamem Gehen – auf jeden Fall mehr als die Hälfte der Fahrbahnbreite schafft. Danach folge die deutlich längerer Schutzzeit. „So lange der Rückweg länger ist als die Strecke, die man noch vor sich hat, gehen die allermeisten Passanten auch richtigerweise durch“, anders als die von Dahlmann beobachtete Seniorin.

Ähnlich wie die Bismarckstraße ist auch der Ostwall ein viel begangener Schulweg, vor allem zur Josefschule. Um für die Grundschulkinder mehr Sicherheit zu schaffen, haben die Verkehrsplaner zuletzt die Ampelschaltung an der Kreuzung Nordwall/Ostwall/Werringser Straße und Schwitter Weg verändert: „Wir hatten vorher zeitgleich Grün für Fußgänger und Linksabbieger von der Werringser Straße“, beschreibt Weier. Jetzt müssen die Autofahrer warten, bis die Kinder am Ziel sind.

Kein Problem an Bismarckstraße

Dass die Ampel- und die Schutzphase zusammen für ein sicheres Überqueren der Straße ausreichen, sei im Übrigen auch auf der Bismarckstraße so gewesen, sagt Weier. Ingo Günnewicht (SPD), der dort das Gegenteil gemessen haben will, habe eine Straßenbreite von 13 Metern zugrundegelegt, tatsächlich seien es nur acht Meter. Die wie angekündigt durchgeführte Überprüfung habe daher keinen Änderungsbedarf ergeben. Trotzdem nehme man Hinweise gerne auf, sagt Weier: „Es ist gut, dass sich die Leute Gedanken darüber machen.“

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