Europawahl

Giuseppe Centorrino fiebert der Europawahl entgegen

Giuseppe Centorrino, 58, bis vor kurzem Vorsitzender des FC Italia und bis heute Mitglied des Integrationsrates der Stadt Menden.

Giuseppe Centorrino, 58, bis vor kurzem Vorsitzender des FC Italia und bis heute Mitglied des Integrationsrates der Stadt Menden.

Foto: Thomas Hagemann

Menden.   Giuseppe Centorrino hofft, dass viele am Sonntag zur Europawahl gehen. Der Italiener wählt einen Tag früher – und erinnert sich an früher.

Giuseppe Centorrino kennt in Menden als Gastronomen fast jeder. Der 58-jährige Italiener ist heute Mitglied im Integrationsrat der Stadt Menden, in der Sportszene ist er bekannt als Gründer und langjähriger Präsident des FC Italia Menden. Die Eurowahl am Sonntag bedeutet ihm viel – hat er doch viele Jahre lang hauptamtlich für die gemeinnützige „KommMit“-GmbH Jugend-Fußballturniere im ganzen EU-Raum organisiert. Der WP erklärt er, warum die Union eine Errungenschaft ist, die man bewahren müsse.

WP: Giuseppe Centorrino, was bedeutet Ihnen die Europawahl am Sonntag?

Giuseppe Centorrino: Sehr, sehr viel! Ich hoffe sehr, dass die Beteiligung gut wird, nicht nur, weil ich als Italiener in Menden lebe. Ich weiß aus den Erfahrungen in meiner Zeit bei „Komm mit“ auch, welche Hürden die EU für die Menschen schon aus dem Weg räumte.

Welche Hürden sind das denn?

Na, keine Warterei mehr an den Grenzen! Wir sind damals ja nach Luxemburg, Frankreich, Spanien gefahren! Heute gibt es auch keine Geldwechseleien mehr – am schlimmsten war für uns bei den Abrechnungen immer das Kleingeld. Ich brauche keine Aufenthaltsgenehmigung, es gibt Niederlassungsfreiheit. Das ist doch alles wichtig.

Nun hat die EU auch in Italien gerade aber einen schweren Stand.

Ja. Das liegt aber an der Regierung, die aus meiner Sicht zu weit rechts steht. Italien hatte wegen der geografischen Lage schon immer mit Flüchtlingen zu tun, das war 2015 besonders schwierig. Aber es kann nicht sein, dass man einem italienischen Rettungsschiff das Einlaufen in einen italienischen Hafen untersagen will. Das geht nicht. Und auch Italien hat ein Grundgesetz, das Menschenrechte schützt.

Auch in Osteuropa sieht man die EU sehr kritisch.

Weil da einige Regierungen vergessen haben, woher sie kommen. Die bauen da Zäune auf, obwohl sie vor 25 Jahren selber noch hinter einem Eisernen Vorhang leben mussten. Man sollte das alles sehr ernst nehmen. Wer am Sonntag eine demokratische Partei wählt, der hilft allen.

Sie selbst wählen aber gar nicht am Sonntag, oder?

Stimmt. Wer italienische Parteien wählen will, kann das am Freitagabend von 18 bis 22 Uhr – oder am Samstag. In Hagen im Wahlbüro. Die Urnen mit den Stimmzetteln werden dann zur Auszählung am Sonntag nach Italien gebracht.

Sie sind Gründer des FC Italia Menden. Sind landsmannschaftliche Vereine nicht eher das Gegenteil von Integration?

Wenn sie sich abschotten, ja. Das haben wir nie gemacht, wir hatten immer eine Multikulti-Truppe. Das bereichert alle und macht Spaß. Wir haben auch viele Flüchtlinge aufgenommen, von denen einige wieder zurück mussten. Es tut weh, das zu sehen, nicht jeder Flüchtling ist Wirtschaftsflüchtling, wie es der italienische Innenminister erzählt. Und die Verfahren dauern zu lang: Was soll das, junge Leute nach drei Jahren wieder wegzuschicken?

Trotzdem bleibt Italia doch ein italienischer Verein.

Es gibt hier nur deutsche Vereine, auch wir sind hier im Vereinsregister eingetragen. Aber man darf sich untereinander wohlfühlen, so lange man keinen ausgrenzt. Unsere Sprache auf dem Platz ist Deutsch. Das geht gar nicht anders.

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus Menden und Umgebung!

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben