Fördergelder

Billig-Mieten für Händler in Menden: Große Sorge statt Jubel

Ein großer Leerstand in der Fußgängerzone in Menden: die frühere Filiale des Drogeriemarktes „dm“ an der Hauptstraße. Sie steht seit Jahren leer. Aber was könnte eine Gratis-Miete bringen?

Ein großer Leerstand in der Fußgängerzone in Menden: die frühere Filiale des Drogeriemarktes „dm“ an der Hauptstraße. Sie steht seit Jahren leer. Aber was könnte eine Gratis-Miete bringen?

Foto: Arne Poll / Westfalenpost

Menden.  Kein willkommenes Geschenk. Händler und Vermieter in Menden fürchten, dass die geplante Miet-Förderung den Abstieg sogar beschleunigt. Warum?

Eigentümer bestehender Geschäfte sehen die Pläne des Stadtmarketings zur Belebung der Fußgängerzone oft eher kritisch. Das Stadtmarketing will mit Fördergeldern leerstehende Ladenlokale anmieten und diese dann günstiger untervermieten. Auch Vermieter zeigen sich eher zurückhaltend.

Sorge: Konkurrent könnte mit gleichem Angebot Bestehendes kaputtmachen

Für Frank Eickhoff wäre das ein Alptraum: Dass ein Konkurrent mit dem gleichen Sortiment in der Nähe ein Geschäft eröffnet und dann keine oder wenig Miete zahlt. „Die Miete ist nach den Personalkosten ein wesentlicher Kostenfaktor“, sagt Eickhoff, der an der Bahnhofstraße „ Eickhoffs Schule und Büro “ betreibt.

Grundsätzlich begrüße er wie viele andere Händler die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung: „Ich finde die Idee ja gut, wenn wirklich Händler mit Sortimenten geholt würden, die es noch gar nicht gibt.“ Eickhoff fragt sich auch, wie die Förderung in der Praxis ausgestaltet sein könnte. „Wenn es für Neuanmietungen die Förderung gibt, dann müsste ich ja umziehen.“ Er sorge sich auch darum, dass nach zwei Jahren dann die Situation umso schlimmer sei. Es bringe ja nichts, wenn ein neuer Laden sesshaft werde, ein anderer aber nicht mehr überleben könne.

800.000 Euro Fördermittel vom Land für die Wirtschaftsförderung

Die Wirtschaftsförderung hatte knapp 800.000 Euro Fördermittel vom Land erhalten. Die Stadt will damit unter anderem Ladenlokale anmieten und stark subventioniert oder ganz gratis weitervermieten. Auch Vereine sollen die Räume anmieten können. Interessierte Vermieter können sich ab Montag (23. November) bei der Wirtschaftsförderung melden ( www.wsg-menden.de ).

Auch aus Kreisen der Vermieter , die ja zunächst stark von der Förderung profitieren könnten, ist wenig Jubel zu hören. Rick Rodegra beispielsweise fürchtet eine Kündigungswelle unter den bestehenden Mietern. Es sei ja gut denkbar, dass dann auch bestehende Betriebe einfach die Förderung mitnehmen wollten, vielleicht unter anderem Namen neu eröffnen. Das könne man ja niemandem übel nehmen: „Für mich hat das nichts mit normalem kaufmännischem Handeln zu tun“, sagt Rodegra, der ja selbst dann seine Miete von der Wirtschaftsförderung bekäme. Er ärgere sich immer, dass oft leichtfertig in Fördertöpfe gegriffen werde, um das Geld mitzunehmen, aber die Maßnahmen nicht immer sinnvoll seien.

Befürchtung: Nur für Euro-Shops in der Innenstadt

„Man muss sich Gedanken machen, wie man langfristig mehr Kaufkraft nach Menden bekommt“, sagt Rodegra. Es müsse ja das Ziel sein, Läden länger als die angesprochenen zwei Jahre in Menden zu halten.“ Grundsätzlich sei der Grundgedanke ja richtig, sagt Rodegra. Man müsse versuchen, Geschäftsinhaber mit neuen Konzepten in die Stadt zu holen und zu binden. Wenn er sich wünschen dürfte, was mit dem Geld gemacht wird, dann plädiere er für neue Parkflächen und den Umbau bestehender Läden. „Ich bin froh um jeden Leerstand, den ich besiegt habe.“

Auch andere Vermieter teilen Rodegras Meinung. Ein gewerbsmäßig aktiver Hauseigentümer sieht es als „Nullsummenspiel“. Das Modell lohne vor allem für Ein-Euro-Shops, die dann nach zwei Jahren wieder weg seien. Man brauche tiefgreifende Veränderungen, Nutzungsänderungen von Verkaufsflächen zu Wohnräumen. Menden habe auch einfach zu viel Fußgängerzone.

Händlerin Katrin Hunold begrüßt die Initiative der Wirtschaftsförderung

Katrin Hunold von Leder Hunold sieht die geplante Förderung dagegen eher positiv: „Für mich ist es schön, wenn die Läden vermietet sind. Eine Stadt lebt davon, wenn man Auswahl hat“, sagt die Geschäftsinhaberin. Klar sei es nicht schön, wenn jemand mit einem ähnlichen Sortiment in der Nähe eröffne. „Aber beim Sortiment geben die Lieferanten oft schon Gebietsschutz.“ Wichtig sei, dass Leben in die Stadt komme und nicht leere Schaufenster das Stadtbild prägten. „Es ist aktuell schwierig genug.“

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In einem Pro und Contra haben wir Argumente für und gegen die Förderung gesammelt.

Hier geht’s zum Pro-Kommentar von WP-Redaktionsleiter Thomas Hagemann .

Hier geht’s zum Contra-Kommentar von WP-Reporter Arne Poll .

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