Leserpointer-Attacke

Haftstrafe nach Angriff auf Hubschrauber mit Laserpointer

Schon seit Jahren sind die Polizei-Hubschrauber der Flugeinsatzstaffel mit einer Tageslicht-, Schwachlicht- sowie Wärmebildkamera ausgestattet, die sich alle in einer Kugel am Rumpf des Fluggerätes befinden. So konnte im Mendener Fall der Laserpointer-Blender ausfindig gemacht werden.

Foto: Knut Vahlensieck

Schon seit Jahren sind die Polizei-Hubschrauber der Flugeinsatzstaffel mit einer Tageslicht-, Schwachlicht- sowie Wärmebildkamera ausgestattet, die sich alle in einer Kugel am Rumpf des Fluggerätes befinden. So konnte im Mendener Fall der Laserpointer-Blender ausfindig gemacht werden. Foto: Knut Vahlensieck

Menden.   49-Jähriger blendet Piloten eines Polizei-Hubschraubers während nächtlicher Fahndung. Urteil soll potenzielle Nachahmer abschrecken.

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Vor dem Mendener Amtsgericht ist ein 49-Jähriger wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr zu einer neunmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der Mendener hatte mitten in der Nacht von dem Dachfenster seiner Wohnung aus die Besatzung eines Polizeihubschraubers mit seinem Laserpointer geblendet. Die Hubschrauberbesatzung konnte mittels einer Wärmebildkamera die genaue Position des Täters orten – wenige Minuten später durchsuchten Polizeibeamte die Wohnung des Mannes.

Schutz von Rettungskräften

Er war geständig, er war nicht vorbestraft, er entschuldigte sich bei der Hubschrauber-Besatzung, er war während der Tat alkoholisiert: Doch trotz all dieser mildernden Umstände wurde ein 49 Jahre alter Mann am Mendener Amtsgericht zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe sowie zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro ­verurteilt. Die Staatsanwältin sprach in ihrem Schlussplädoyer von „Generalprävention“ – also einer Strafe, die der Abschreckung von Nachahmern dient. Es gehe um den Schutz von Rettungs­kräften.

Brille wird schwarz: Blindflug

Um 5 Uhr am Morgen des 2. April sucht die Mendener Polizei nach einem Tankstelleneinbrecher und fordert Helikopterunterstützung aus Düsseldorf an. Bei dem Einsatz wird die dreiköpfige Besatzung mit „schwierigen Wetterbedingungen“ konfrontiert, sagt Stephan Augustin, der Hubschrauberpilot, vor dem Amtsgericht aus. „Die Bedingungen waren so kritisch, dass wir es in Erwägung zogen, den Einsatz ­abzubrechen“, führt der erfahrene Pilot aus.

Kurz vor Ende der Suche wird der Pilot dann plötzlich mit einem Laserpointer aus dem Fenster in einem Wohngebiet geblendet, er verreißt den sehr empfindlichen Steuerknüppel. Die Maschine wird ruckartig für einen Augenblick ­seitlich versetzt. Das Nachtsicht­gerät – in den frühen Morgen­stunden im April ist es noch ­stockfinster – kann den immensen Lichteinfall des Lasers nicht verarbeiten. „Die Brille wird dann für ein bis zwei ­Sekunden schwarz, resettet sich und fährt neu hoch. Dann bin ich für einen kurzen Moment quasi blind“, so Augustin. Dennoch ­gelingt es ihm, den Hubschrauber zu stabilisieren, bevor sein Co-Pilot eingreifen muss. „Der Treffer war so gefährlich, weil er so unerwartet kam. Das war die heftigste Laserblendung, die ich je mitbekommen habe“, sagt er vor Gericht aus.

Wäre der Einsatz noch nicht beendet gewesen und wäre er vor die Wahl gestellt worden, hätte er den Einsatz abbrechen und nach dem Laserpointer-Blender fahnden müssen, erklärt Augustin auf Nachfrage von Amtsrichter Wefers.

Letzteres führe aber nur selten zu Erfolg. Oftmals, weil es sich um schwer zu ortende Einzelaktionen handele. Genau hier macht der Angeklagte seinen größten Fehler und blendet auch den Co-Piloten: „Es war zielsicher auf uns gerichtet. Deswegen konnte der Operator den Verursacher schnell ausmachen“, sagt Co-Pilot Polly Schumacher. Das dritte Besatzungsmitglied – der sogenannte Operator – bedient die Kameras: Der Hubschrauber ist mit einer Tageslicht-, Schwachlicht- sowie einer Wärmebildkamera ausgestattet. Der Angreifer kann auch nachts genau geortet werden. Der Zugriff durch die Polizisten am Boden erfolgt nur wenige Minuten später.

2500 Einsätze pro Jahr

Seit 17 Jahren fliegen die Polizeihauptkommissare Stephan Augustin und Polly Schumacher Hubschraubereinsätze, erklären sie im Gespräch mit der WESTFALENPOST im Anschluss an die Verhandlung. Ihre Einheit ist für ganz NRW zuständig und kommt auf 2500 Einsätze pro Jahr. Gestartet wird in Düsseldorf und Dortmund.

Blendungen sind immer wieder an der Tagesordnung: „Es ist schwer zu sagen, wie oft ich schon mit einem Laser geblendet wurde. Ich schätze so 50 bis 70 Mal“, sagt Polly Schumacher. Doch nicht annähernd so viele Fälle landen letztendlich auch vor Gericht. Schumacher hat in seiner 17-jährigen Piloten-Laufbahn viermal wegen Laserpointer-Angriffen vor Gericht ausgesagt, Augustin dreimal.

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