Ran an die Nadeln

Handarbeitstreff „Ran an die Nadeln“ wird zum Familienritual

Mutter Adelgunde (66) und ihre Tochter Jennifer Müller

Mutter Adelgunde (66) und ihre Tochter Jennifer Müller

Foto: Livia Krimpelbein

Menden.   In der Mendener Bücherei stricken Menschen regelmäßig gemeinsam unter dem Motto „Ran an die Nadeln“. Für manche bedeutet das mehr als gedacht.

Im Obergeschoss der Mendener Bücherei ist es mucksmäuschenstill. Dort findet jeden zweiten Mittwoch im Monat ein Treffen statt, dass man so vielleicht gar nicht vermutet: Fleißige Handarbeiterinnen kommen zum gemeinsamen Zusammensitzen, stricken und Co. zusammen: „Ran an die Nadel“.

„Für uns ist das wichtig, weil das immer unsere feste Verabredung ist“, erzählt Jennifer Müller (48). Sie hält durch „Ran an die Nadel“ Kontakt zu ihrer Mutter Adelgunde. Sie wohnt nämlich in Iserlohn. „Wenn man nicht so einen festen Termin hat, kommt schnell etwas dazwischen. So sehen wir uns auf jeden Fall“, lächelt die 66-jährige Rentnerin Adelgunde Müller.

Ein Hobby, das verbindet

Für die beiden sei es ein Glück, dieselbe Leidenschaft zu teilen: das Stricken. „Etwa acht Wochen werde ich für den Schal brauchen“, erklärt Jennifer Müller, während sie – ohne groß hingucken zu müssen – die Nadeln weiter tanzen lässt.

Ihre Mutter versucht sich an einem größeren Projekt: Sie will für sich einen Pullover stricken. Der soll keine wirklichen Nähte haben, sondern „quasi an einem Stück sein“, sagt die Rentnerin stolz. „Wie lang das dauern wird? ­ – Tja, ich setze mir das Ziel Weihnachten 2020“, lacht sie. Schon jetzt kann man die Form erkennen. Er soll türkis-bläulich werden, während der Schal ihrer Tochter später einmal sehr bunt sein wird. „Aus Leidenschaft und zur Beruhigung stricken wir“, sagen sie. „Hier kann man sich auch immer untereinander helfen“

Das Besondere an dem Treff ist für die beiden, dass sie Angenehmes mit Nützlichem verbinden können. So sieht das auch Sabine Hildebrand (52), die den Treff ins Leben gerufen hat: „Man kann sich gegenseitig Tipps und Ratschläge geben und gleichzeitig sitzt man nett zusammen.“

Nutzen für die Bücherei

Die Mitarbeiterin der Mendener Bücherei hatte die Idee dieses Projekts, um die Bücherei attraktiver zu gestalten. „Wir wollten ein Projekt, das uns

nicht so viel Arbeit macht. Zudem haben wir sehr viele Bücher zur Handarbeit. Auch auf Tablets kann man sich Videos angucken“, erklärt sie. Da habe sich diese Aktion gut angeboten. Außerdem besteht die Hoffnung, dass die Bücherei als ein „Ort, wo man sich ohne Probleme trifft“ und als Begegnungsstätte wahrgenommen wird, so Sabine Hildebrand.

Der Ablauf sei dabei ganz leicht: „Der Handarbeitstreff ist für alle offen. Durch Spenden können wir auch Nadeln und Wolle stellen, so dass sich auch jeder zunächst ausprobieren kann“, schildert die Büchereimitarbeiterin. Im Handar­beitstreff kann man nähen, stricken und häkeln, erzählen die Müllers. Meistens seien die Teilnehmer über 40 Jahre alt, doch es seien auch schon Jüngere da gewesen. Die Geschlechteraufteilung sei dabei eher einseitig: „Männer waren noch nie da. Nur zum Abholen. Die haben dann eher Spaß an den Lego-Tagen“, lacht Sabine Hildebrand.

Seit etwa zwei Jahren läuft das Projekt. Viel Aufwand ist das für die Bücherei nicht. „Wir stellen nur den Platz zur Verfügung. Unsere Aufgabe besteht nur darin, die Aktion ab und zu publik zu machen oder E-Mails an Teilnehmer zu schicken“, sagt die 52-Jährige. Die Teilnehmerzahl schwan­ke stark, mal seien nur sehr wenige da, manchmal aber auch zehn Frauen. „Vor allem im Winter sind natürlich mehrere da“, sagt Hildebrand. Doch unabhängig davon sind zwei Frauen jedes Mal dabei: Adelgunde und ihre Tochter Jennifer. Schließlich müssen Pullover und Schal ja fertig werden.

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