Stammzelltransplantation

Harmlose Erkältung könnte für Petra Huckschlag fatal sein

Ihre Familie ist ihr Kraftspender: Petra Huckschlag (Mitte) mit (von links) ihrem Ehemann Michael, Tochter Sabrina Huckschlag (29), Sohn Tobias Huckschlag (32) und Schwiegertochter Sarah Freis (29), die diesen Moment als Selfie festgehalten hat.

Foto: privat

Ihre Familie ist ihr Kraftspender: Petra Huckschlag (Mitte) mit (von links) ihrem Ehemann Michael, Tochter Sabrina Huckschlag (29), Sohn Tobias Huckschlag (32) und Schwiegertochter Sarah Freis (29), die diesen Moment als Selfie festgehalten hat.

Menden.   Vor einem Jahr wurden Leukämie-Patientin Petra Huckschlag lebensrettende Stammzellen transplantiert. Die Ansteckungsgefahr bleibt noch groß.

Ganz normal wird ihr Leben nie wieder werden, darüber ist sich Petra Hu ckschlag im Klaren. Aber den Alltag hat sich die Mendenerin zum großen Teil zurückerobert. Heute vor einem Jahr, am 14. Februar, sah ihre Welt ganz anders aus – an diesem Tag bekam die 59-Jährige die Stammzelltransplantation, die ihr Leben rettete.

Als Petra Huckschlag zum zweiten Mal die Diagnose Leukämie traf, „hat mich das schon sehr runtergezogen“, erinnert sich die Mendenerin. „Ich hatte gedacht, dass der Krebs weg ist.“ Sie sei anfangs sehr verzweifelt gewesen, immer die Angst im Kopf, dass kein Stammzellspender gefunden werden könnte. Unendlich groß war die Erleichterung, als die Mediziner in der Datenbank der potenziellen Stammzellspender einen Treffer landeten: „Ich hatte befürchtet, dass ich sonst noch mehrere Chemotherapien bekommen muss.“

Genetischer Zwilling spendete Stammzellen

Ihr genetischer Zwilling spendete Stammzellen. Sechs Wochen musste Petra Huckschlag streng isoliert verbringen. Eine Zeit, die mürbe machen kann. „Jeder Besucher musste im Krankenhaus durch eine Schleuse“, erinnert sie sich. Mental sei sie in der Zeit, die sie derart abgeschirmt verbrachte, an ihre Grenzen gekommen. Tröstlich war der Gedanke, „dass ich so eine tolle Familie habe, die mich immer unterstützt hat“.

Ende März durfte Petra Huckschlag wieder nach Hause, muss aber seither regelmäßig zu – meist ambulanten – Untersuchungen ins Krankenhaus. Nach der eigentlichen Stammzellspende bekam sie bereits zwei Lymphozyten-Spenden, übermorgen soll die dritte folgen, „um sicherzugehen, falls noch Krebszellen da wären“, erklärt Petra Huckschlag. Dazu musste ihr genetischer Zwilling nach den Stammzellen noch einmal spenden – was dieser aber gerne tat.

Petra Huckschlag selbst und auch ihr Ehemann Michael sind seit 1995 als potenzielle Knochenmarkspender registriert. Damals fand die Typisierungsaktion für die Mendenerin Sophia – genannt Fia – Zimmermann statt.

Kein Besuch im Fußballstadion

Ein Jahr nach der Spende muss Petra Huckschlag weiter große Menschenansammlungen meiden. Die Gefahr, dass sie sich anstecken könnte, ist nach wie vor zu groß: „Ins Fußballstadion oder zu einer großen Party – das geht nicht.“ In wenigen Wochen werden sie und ihr Mann Michael 60 Jahre alt. Die runden Geburtstage werden allerdings im eher kleinen Kreis gefeiert. Zum einen wäre die Gefahr einer Ansteckung zu groß, „und zum anderen würde ich es kräftemäßig im Moment noch nicht schaffen, so eine Feier vorzubereiten“. Die Energie komme nur langsam zurück, „ich bin körperlich öfter erschöpft“. Auch Blumen oder ein Tannenbaum zu Weihnachten sind tabu: „Die Pflanzen könnten Pilze haben.“ Und auch das Händeschütteln zur Begrüßung vermeidet die 59-Jährige.

Kindergartenkinder schicken selbst gemalte Bilder

Auch „ihre“ Kinder im katholischen Kindergarten in Bösperde, in dem die Erzieherin vor ihrer Erkrankung gearbeitet hat, darf sie noch nicht besuchen. Eine für einen Gesunden harmlose Erkältung könnte für Petra Huckschlag fatal sein. Umso mehr freut sie sich, dass die Kindergartenkinder ihr selbst gemalte Bilder zuschicken.

Briefe anonym weitergeleitet

Stück für Stück kommt Petra Huckschlag wieder in ihren Alltag zurück. Ihr Herzenswunsch: Ihren Spender persönlich kennen lernen. Das ist erst zwei Jahre nach der Stammzelltransplantation möglich – falls Spender und Empfänger beide einverstanden sind. „Wir haben uns schon mehrmals geschrieben“, berichtet die Mendenerin. Die Briefe werden anonym über die Klinik weitergeleitet, so dass Petra Huckschlag lediglich weiß, dass der Spender aus Deutschland kommt: „Ich vermute, dass es eine Frau ist. Aber ich weiß es nicht genau.“

Mendenerin möchte Lebensretter kennenlernen

Für die Mendenerin steht fest, dass sie ihren Lebensretter gerne persönlich kennen lernen möchte: „Das ist ja eine ganz besondere Verbundenheit – und natürlich bin ich unendlich dankbar. Dass jemand bereit ist, für einen Fremden zu spenden, das ist alles andere als selbstverständlich.“

>>> Aktion mit überwältigendem Erfolg

Petra Huckschlags Erkrankung bewegte im vergangenen Jahr zahlreiche Mendener. Denn ihre Familie startete eine Typisierungsaktion und ging gezielt an die Öffentlichkeit – mit überwältigendem Erfolg. Im Bürgersaal ließen sich damals fast tausend Men schen typisieren.

Wenige Tage, nachdem die Registrierung durchgeführt worden war, wurde für Petra Huckschlag aus dem bestehenden Pool potenzieller Spender ein Lebensretter gefunden. Und von denjenigen, die sich im vergangenen Jahr in Menden erstmals typisieren ließen, konnten auch bereits zwei Menschen die lebensrettenden Stammzellen einem anderen Patienten spenden.

Die Entscheidung, mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit zu gehen, hat Petra Huckschlag zwar ein bisschen Überwindung gekostet, ist ihr dann aber nach kurzer Überlegung leicht gefallen: „Ich fand es einfach toll, dass meine Familie das Ganze so auf die Beine gestellt hat“, sagt die 59-Jährige. „Das wollte ich einfach unterstützen und war deshalb einverstanden.“

Familie und Freunde richteten im sozialen Netzwerk Facebook die Seite „Lebensretter gesucht für Petra“ ein, posteten regelmäßig aktuelle Entwicklungen.

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