WP-Aktion „Wachse“

Heimischer Gemüseanbau bei jungen Familien im Trend

In den Gewächshäusern in Halingen baut Frank Felten über 130 Kulturen Gemüse, Blumen und Zierpflanzen an.

Foto: Johanna Pankow

In den Gewächshäusern in Halingen baut Frank Felten über 130 Kulturen Gemüse, Blumen und Zierpflanzen an.

Halingen.  Frank Felten betreibt in Halingen den letzten Gartenbaubetrieb in der Region. 40 verschiedene Gemüsesorten. Für Einsteiger eignet sich Salat.

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Der Gartenbaubetrieb von Frank Felten ist der letzte seiner Art. Zumindest in der Region. In den Gewächshäusern in Halingen werden mehr als 130 Kulturen Gemüse, Blumen und Zierpflanzen, sowie 20 verschiedene Kräutersorten angebaut und vertrieben. Seit 65 Jahren verkauft der Betrieb die Produkte auf dem Wochenmarkt in Iserlohn. „Die Einzelhändler werben seit einiger Zeit damit, regionale Produkte anzubieten. Wir machen das aber schon unser Leben lang“, erklärt Frank Felten. Er führt das Familienunternehmen in der dritten Generation. Im Jahr 2012 übernahm er den Betrieb von seinem Vater.

Bei der Gründung in den 1950er Jahren war das Unternehmen ein reiner Gemüsebetrieb. Die Lebensmittelknappheit nach dem zweiten Weltkrieg bestimmte die Ausrichtung des Betriebes. Mit dem Aufschwung der 1960er Jahren kam der Wunsch nach Luxusgütern auf. Blumen und Zierpflanzen wurden in das Sortiment aufgenommen.

Fachverbands-Vorsitzender

Mittlerweile sein ein Drittel seiner Produktion Gemüsesorten, die restlichen zwei Drittel Blumen- und Zierpflanzen. Zu den beliebtesten Pflanzen zählen Stiefmütterchen, Hornveilchen und Primeln. Neben seinem Betrieb ist Frank Felten als Vorsitzender des Fachverbands für Gemüse- und Gartenbau tätig. „Wir vertreten die politischen Interessen der Gartenbauern und wollen ihnen ein Gehör verschaffen“, sagt Felten.

Die Anzahl der Gartenbaubetriebe in den vergangenen Jahren ist stark zurückgegangen. „Zwischen 2010 und 2016 hat die Zahl der Gartenbaubetriebe um 39,7 Prozent abgenommen“, weiß Felten. Er sieht die Gründe sowohl in der Wirtschaftlichkeit der Betriebe, als auch in der personellen Not. Laut Felten gäbe es kaum noch Nachwuchs. Vielen jungen Menschen sei der Aufwand zu groß. „Die Pflanzen bestimmen unser Leben. Sie müssen bewässert werden, egal ob Sonntag oder Feiertag ist“, weiß Felten. Für Frank Felten beginnt ein normaler Arbeitstag in der Regel um 6 und endet um 19 Uhr.

Die traditionsreiche Verwurzelung des Familienbetriebes in Halingen wird mit innovativen Ideen bereichert. Längst übernehmen Maschinen das Umtopfen von Setzlingen in permanente Behältnisse. Um den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz entgegenzukommen, sollen ab kommendem Herbst alle Großtopfpflanzen, wie Eisbegonien und Buschtomaten, in recycelten Töpfen wachsen können.

Falsches Düngen größter Fehler

Der heimische Gemüseanbau ist im Trend, besonders bei jungen Familien. „Naschgemüse wie Balkontomaten und Snackpaprika sind bei den Kunden beliebt“, weiß Felten. Doch es gibt viel zu beachten. Der größte Fehler sei falsches Düngen. Oftmals geben die Hobbygärtner den Pflanzen zu viel Düngemittel. „Die richtige Dosierung ist wichtig. Je besser die Pflanze genährt wird, desto stärker wird sie“, rät Felten. Die Pflanzen bei Familie Felten werden mit einer Düngermischung versorgt, die aus Beobachtung und Erfahrung entwickelt wurde. Einsteigern in den Gemüsebau empfiehlt Felten Salat oder Kohlrabi. Das Gemüse könne nach 14 Tagen geerntet werden, da könne nicht viel schief gehen.

Der Tipp vom Profi: „Den Setzling fingerhutbreit aus der Erde gucken lassen, dann fault er nicht so schnell.“ Im Gegensatz zu Brokkoli und Blumenkohl oder Weißkohl, der 140 Tage wachsen muss. „Aber nicht zu viel auf einmal pflanzen. Es muss auch geerntet und gegessen werden.“ Mitte Juni, nach der Pflanzzeit für Balkongewächse, beginnt die Aussaat im Osterfeld in Halingen. Gemüse, darunter Salat, Brokkoli, Kohl.

Der Zeitpunkt der Aussaat sei laut Felten sehr wichtig: „Einen Tag zu spät ausgesät, bedeutet eine Woche später ernten im Herbst.“

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