Junge WP

Schallplatten sind auch in Menden wieder im Kommen

Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Carla mit dem Beatles-Klassikeralbum „Abbey Road“.

Foto: Carla Gospodarek

Zwei Generationen, eine Leidenschaft: Carla mit dem Beatles-Klassikeralbum „Abbey Road“. Foto: Carla Gospodarek

Menden.   Kultobjekte aus Vinyl: Der Trend zur Schallplatte nimmt zu. Junge-WP-Reporterin Carla Gospodarek hat in der „Rille“ nachgefragt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Schallplatte geht es besser als noch vor ein paar Jahren, die Nachfrage wächst. Diese Entwicklung kann auch Horst Reinartz, Geschäftsführer des Musikgeschäftes „Die Rille“, bestätigen. Er verkauft seit 25 Jahren neben CDs, Kassetten, Postern und Eintrittskarten für Veranstaltungen, auch Schallplatten. Letztere kommen zwar zahlenmäßig auch in Menden nicht an den Verkaufsschlager CD heran, doch sie sind in der Rille keine Ladenhüter.

„Der Großteil der LP-Käufer besteht nach wie vor aus Erwachsenen. Jedoch kommen auch viele Jugendliche hier in den Laden, um Platten zu kaufen“, erzählt Reinartz. Der einzige Haken an der Sache: Die Herstellungskosten der LPs sind circa 20 bis 30 Prozent höher als die der CDs. Folglich fehlt Jugendlichen oft das Geld für Schallplatten.

Im Schlepptau des Vaters

Doch der Erwerb der Schallplatten ist nicht der einzige Weg, junge Menschen an das „Kultobjekt“ Schallplatte heranzuführen. Laut Reinartz würden Teenager oftmals die Schallplatten und die Begeisterung dafür von ihren Eltern erben: „Letztens kam ein Vater mit seinem Sohn im Schlepptau in den Laden. Der Sohn hat die LPs seines Vaters gesehen und wollte mehr darüber erfahren. Daraufhin hat der Vater mit ihm ein Experiment durchgeführt: Er hat dem Jungen den gleichen Song als MP3, CD und LP vorgespielt. Selbst der Junior hat die Klangunterschiede gehört und war von dem Sound der Schallplatte begeistert: Seitdem sammelt auch er LPs.“

Ein bestimmtes Genre, dessen Platten sich am besten an den Mann bringen lassen, gibt es nicht. „Alle Musikrichtungen verkaufen sich gleich gut“, sagt Reinartz und führt aus: „Einer steht auf Jazz, der andere auf Klassik, wieder andere vergöttern die Stones oder die Beatles. Da hat jeder so seine Vorlieben.“

Doch auch Schallplattenfan Reinartz gesteht, dass LPs nicht für jeden Typ Musikhörer geeignet sind. Ein Muss seien sie für Fans und Anhänger eines bestimmten Musikers oder einer speziellen Band. Da die Künstler nur periodisch Neuerscheinungen herausbringen würden, seien die Vinyl-Alben für die Käufer finanziell tragbar und sie könnten den vollen Genuss der Musik ausschöpfen. MP3s hingegen seien eher etwas für den kurzfristigen Gebrauch. Für Leute, die für ein paar Tage aktuelle Musik aus den Charts hören, dann aber auch wieder ad acta legen, sei der Erwerb der Platten aufgrund der vergleichsweise hohen Kosten eher weniger sinnvoll.

Es gibt noch den Genussmenschen

Allem Anschein nach gibt es dennoch genug „Genussmenschen“, die sich gern und regelmäßig Schallplatten gönnen. „Wir haben nur einige wenige Presswerke in Deutschland, ein Hersteller musste sich seines sogar aus dem Museum holen. Gäbe es mehr davon, würden die Zahlen der Vinyl-Verkäufe noch weiter in die Höhe schießen“, ist sich Reinartz sicher. Mittlerweile gäbe es glücklicherweise wieder eine Handvoll Firmen, die Presswerke in Europa herstellen. Denn die Nachfrage sei enorm. „Musikproduzenten müssen inzwischen drei bis vier Monate Wartezeit für das Pressen der LPs einkalkulieren“, erzählt Reinartz begeistert.

Zu arbeitsintensiv

Offensichtlich feiert die Schallplatte ihr großes Comeback. Aber was ist jetzt eigentlich besser, LP oder CD? Für den Besitzer der „Rille“ ist die Sache ganz klar: Die Schallplatte gewinnt das Battle gegen die CD. Das Musikerlebnis sei ein ganz anderes. „Ich bin durch und durch Fan von LPs. Es macht einfach Spaß, den Plattenspieler zu betätigen und den Tonarm aufzusetzen. Das ist für mich ein ganz besonderes Gefühl von Musik.“ Doch diese Empfindung scheinen leider nicht alle mit ihm zu teilen. „Mir haben mal ein paar Jugendliche erzählt, dass ihnen der Gebrauch von LPs zu arbeitsintensiv sei. Jedes Mal die Platte drehen und den Tonarm aufsetzen wäre einfach zu anstrengend.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik