„Mord am Hellweg“

Kathrin Heinrichs präsentiert neuen Sauerland-Krimi

Kathrin Heinrichs mit ihrem neuen Roman „Nichts wie es war“ in ihrem Arbeitszimmer

Kathrin Heinrichs mit ihrem neuen Roman „Nichts wie es war“ in ihrem Arbeitszimmer

Foto: Jürgen Overkott

Menden.   Kathrin Heinrichs Sauerland-Krimis gelten als heimliche Liebeserklärung an ihre Region. Bei „Mord am Hellweg“ wartet sie mit Neuem auf.

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Kathrin Heinrichs steht für den Sauerland-Krimi schlechthin. Die Autorin schuf den Ermittler Vincent Jakobs. Zum Start der Krimi-Reihe „Mord am Hellweg“ präsentiert die Mendenerin etwas Neues. Mit der 46-Jährigen sprach Jürgen Overkott.

Bei diesem Wetter denke ich an Wolfdietrich Schnurres Buch „Schreibtisch unter freiem Himmel“. Können Sie draußen arbeiten?

Kathrin Heinrichs: Nein. Das habe ich mal eine Zeitlang gemacht, aber das funktioniert bei mir nicht. Ich brauche Ruhe.

Ihr Haus liegt in Friedhofsnähe, und von Raymond Chandler wissen wir: „Tote schlafen fest“. Was hindert Sie daran, draußen zu arbeiten?

Da gibt es für mich zu viel Ablenkung. Da reicht es schon, wenn der Hund vorbei schlappt oder ich einfach nur auf die Bäume gucke. Ich könnte auch nicht im Café arbeiten, oder im Zug. Ich bin einfach gewohnt, in meinem Arbeitszimmer zu arbeiten. Ich musste mich früher vor meinen Kindern verstecken, um halbwegs in Ruhe arbeiten zu können. Das hat sich einfach ausgewirkt.

Muss ich mir Ihren Schreibraum als Klosterzelle vorstellen?

Nein, das nicht. Ich habe einen Blick nach draußen, und es sind auch ein paar persönliche Dinge dort.

Ist Inspiration bei Ihnen von der Jahreszeit abhängig?

Das kann ich nicht sagen. Ich sammle immer Eindrücke, im Zug, im Supermarkt, im Wald, wenn ich andere Hunde-Besitzer treffe. Ich bin auf dieses Trüffelsuchen angewiesen. Ich versuche die Eindrücke immer sofort aufzuschreiben, aber das vergesse ich manchmal.

Führen Sie noch ein gutes, altes Tagebuch?

Nein, das nicht. Ich schreibe fast alles auf Zettel, und die gebe ich dann in eine Datei ein.

Arbeiten Sie lieber mit dem Stift oder mit der Tastatur?

Ich gebe fast alles mit der Tastatur ein. Mit dem Stift arbeite ich nur, wenn ich assoziativ vorgehe. Wenn ich mit der Hand schreibe, dann gern auf große Papiere, die ich auf dem Boden ausbreite. Das hilft mir in der Kreativität – Verbindungen schaffen zwischen verschiedenen Figuren beispielsweise. Ich könnte allein deswegen keinen ganzen Roman per Hand schreiben, weil ich permanent etwas ändere.

Wie lange dauert es bei Ihnen, bis eine Figur richtig Gestalt annimmt?

Lange. Ich habe die Vincent-Jakobs-Reihe mit neun Bänden gefüllt, und jetzt habe ich neue Figuren geschaffen. Das hat gedauert, das konnte ich nicht einfach so runter schreiben. Für eine Romanfigur brauche ich zwei Jahre – wobei man wissen muss, dass ich nicht permanent daran arbeite.

Höre ich da raus, dass es von Vincent Jakobs demnächst Band zehn gibt?

Anders herum. Ich habe eine neue Reihe angelegt. Die stelle ich im Herbst vor.

Aber es bleibt beim kriminellen Milieu?

Absolut. Es ist wieder kein Polizei-Roman, es sind Figuren, die normalerweise nichts mit dem Verbrechen zu tun haben. Da gibt es einen älteren Mann, der in einem sauerländischen Dorf lebt. Und der erlebt, wie sein Freund verdächtigt wird, eine polnische Pflegerin erstochen zu haben. Der ältere Mann bekommt selbst auch eine polnische Pflegerin namens Zofia, die in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt.

Das klingt wie die sauerländische Antwort auf „Miss Marple“, gewissermaßen ein „Mister Marplekamp“.

Aber auch Zofia ist wichtig. Sie ist eine Figur, die mir nah ist. Und da gibt auch noch den Sohn des alten Mannes, einen Kommissar.

Stürzen Sie sich beim Zeitunglesen zuerst auf Polizeimeldungen und Gerichtsberichte?

Wenn mich die Geschichte in irgendeiner Weise überrascht, dann notiere ich sie sogar. Aber ich lese nicht alles aus dem Bereich.

Aber zurück zu Vincent Jakobs. Zuletzt hat er 2013 ermittelt. Hat er die Lust an seiner Arbeit verloren?

Nein. Aber es war mir ein Bedürfnis, neue Figuren zu entwickeln.

Bei den Figuren steckt auch eigenes Erleben drin.

Ja. Meine Mutter hatte eine polnische Pflegerin, die Zofia hieß. Die Beziehung zwischen einer zu Pflegenden und ihrer Pflegekraft hat schon etwas Intensives. Das hat mich gereizt.

Wie ist die Tonlage: heiter bis tödlich?

Ja, heiter schon, aber zwischendurch auch melancholisch.

Sie sind die Krimi-Autorin des Sauerlandes schlechthin. Warum spielen Ihre Geschichten in der Region?

Ganz banal: Hier kenne ich mich am besten aus. Ich bin hier sehr verwurzelt, ich kenne die Themen, ich kenne die Charaktere. Als ich vor 15 Jahren den ersten Krimi herausgebracht habe, gab es den Sauerland-Krimi noch nicht. Das habe ich als Möglichkeit gesehen. Und, ja, ich liebe das Sauerland – tatsächlich.

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