Sprachunterricht

Kein Extra-Unterricht für Flüchtlings-Kinder in Menden

Der Mendener „Elternverein zur Förderung der Sprachfertigkeit von Kindern“ möchte, dass Flüchtlingskinder – hier ein Symbolbild – verstärkt in Deutsch und Arabisch unterrichtet werden.

Foto: Elena Boroda / Funke Foto Services

Der Mendener „Elternverein zur Förderung der Sprachfertigkeit von Kindern“ möchte, dass Flüchtlingskinder – hier ein Symbolbild – verstärkt in Deutsch und Arabisch unterrichtet werden. Foto: Elena Boroda / Funke Foto Services

Menden.   „Elternverein zur Förderung der Sprachfertigkeit von Kindern“ hofft auf städtische Räume für Sprachunterricht für Flüchtlingskinder.

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Ein Elternverein sucht Räume, um Arabisch sprechende Flüchtlingskinder in Arabisch und Deutsch zu fördern. Mit einem Bürgerantrag, der auf Unterstützung durch die Stadt setzte, ist der Antragsteller Seydi Ahmet Göksu im ersten Versuch allerdings gescheitert. Die Leiter der Mendener Grundschulen und der Schulausschuss erteilten dem Ansinnen eine Absage. Das letzte Wort hat nun der Sozialausschuss am 22. November.

Seydi Ahmet Göksu ist enttäuscht. Er hatte für den „Elternverein zur Förderung der Sprachfertigkeit von Kindern“ den Antrag gestellt, dass dem islamischen Verein Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden sollen, damit arabischsprachige Flüchtlingskinder in ihrer Muttersprache und in der deutschen Sprache stärker gefördert werden sollen. Wunsch des Elternvereins ist es, dass die Stadt an Freitagnachmittagen und an Wochenenden die städtische Schulräume für den Unterricht bereitstellt. Den Arabischunterricht will der Elternverein mit drei muttersprachlichen Lehrern selbst stemmen, der Deutschunterricht könnte – so der Vorschlag des Vereins – von Fachkräften der Stadt oder der Volkshochschule durchgeführt werden. Finanziert werden soll das Ganze durch die Stadt Menden, öffentlich geförderte Projekte sowie die Eltern, so die Idee.

2404 Euro Kosten pro Monat

Die Kosten für den Arabischunterricht beziffert der Elternverein auf monatlich 2404 Euro. Darin enthalten ist der Unterricht für 50 Kinder (acht Unterrichtsstunden pro Kind).

Den Kosten- und Organisationsplan für den Deutschunterricht will der Elternverein nach eigenen Angaben erst nach der Prüfung der städtischen Möglichkeiten erstellen.

Betreuung und OGS

Erst mal allerdings liegt das Konzept des Elternvereins jetzt auf Eis. Denn nachdem die Schulverwaltung die Leiter aller Mendener Grundschulen um eine Stellungnahme gebeten hatte, ist klar: Dort gibt es keinen Platz für den Elternverein. Helga Sommer, Leiterin der Nikolaus-Groß-Schule, schreibt im Namen der Mendener Schulleiterinnen und Schulleiter, dass die betreffenden Kinder in der Betreuung oder der OGS effektiv bei den Hausaufgaben unterstützt würden: „Gleichzeitig erlernen sie von den übrigen Kindern und dem Personal die deutsche Sprache.“

Die Förderung der Kinder in der Schule kann, so Helga Sommer, durch OGS und Lehrkräfte gut koordiniert werden: „Lehrplanbezug und die Einhaltung didaktischer Grundideen der Förderung können so gewährleistet werden.“ Eine Koordinierung der Maßnahmen mit dem Elternverein allerdings „würde die Möglichkeiten der Schulen überfordern“.

Helga Sommer gibt zu bedenken, dass Arabisch-Kurse nach der Offenen Ganztagsschule nach 16 Uhr die Kinder eventuell überfordern würden. Zudem gebe es für arabisch sprechende Grundschulkinder an zwei Mendener Schulen die Möglichkeit, an herkunftssprachlichem Unterricht teilzunehmen.

„Nicht praktikabel“

Die Leiter der Mendener Grundschulen sehen keine Möglichkeiten, nicht genutzte Räume an den Elternverein abzugeben, fasst Helga Sommer die Situation zusammen: „Eine gleichzeitige Nutzung ist nicht praktikabel.“

Seydi Ahmet Göksu verweist auf den Integrationsgedanken: „Die arabischen Kinder brauchen mehr Unterstützung bei ihrer Muttersprache und beim Erlernen der deutschen Sprache.“ Der Elternverein selbst habe „leider keine zusätzlichen Räume, in denen der Unterricht stattfinden könnte“. Er sei enttäuscht, empfinde das Vorgehen als „Blockade“: „Und dabei reden alle immer von Integration.“ Dabei stehe doch fest, dass die Muttersprache ein wichtiges Fundament sei für das Erlernen einer Fremdsprache. Seydi Ahmet Göksu will noch nicht aufgeben: „Ich will jetzt persönlich zu allen Mendener Schulleitern Kontakt aufnehmen. Vielleicht gibt es doch noch einen Weg.“

Ausschüsse

Der Antrag, den Seydi Ahmet Göksu für den „Elternverein zur Förderung der Sprachfertigkeit von Kindern“ gestellt hatte, ist am 17. Oktober zur Vorberatung im Schulausschuss behandelt worden. Die Schulverwaltung hatte alle Leiter Mendener Grundschulen im Vorfeld um eine Stellungnahme zu dem Antrag gebeten.

Der Schulausschuss empfahl dem Sozialausschuss einstimmig, den Antrag abzulehnen. Der Antrag wird nun am Mittwoch, 15. November, im Integrationsrat (17.30 Uhr, Ratssaal) vorberaten. Die Entscheidung fällt am Mittwoch, 22. November, im Sozialausschuss (17 Uhr, Rathaus, Raum B 140).

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