Pfingstkirmes 2021

Kirmes-Lockdown: Schausteller arbeitet an der Fleischtheke

Konstantin Müller in seinem Kirmes-Wohnwagen. Er braucht jetzt einen anderen Job, weil er seit 2019 nichts mehr verdient hat.

Konstantin Müller in seinem Kirmes-Wohnwagen. Er braucht jetzt einen anderen Job, weil er seit 2019 nichts mehr verdient hat.

Foto: Stefan Meinhardt / Westfalenpost

Schausteller in Menden zittern um die Pfingstkirmes 2021. Wegen Corona ist vieles unsicher. Schausteller Konstantin Müller kämpft ums Überleben.

Menden. Die Planungen für die Pfingstkirmes 2021 gehen jetzt in die heiße Phase. Wegen Corona steht aber auch für die Auflage im nächsten Jahr noch nicht fest, ob der Rummel in der geplanten Form stattfinden kann. Für viele Schausteller geht es schon jetzt um die Existenz.

Auswahlverfahren für die Pfingstkirmes 2021 läuft noch

„Wir sind noch in den letzten Zügen des Auswahlverfahrens“, sagt Stadtsprecher Johannes Ehrlich. Die Stadtverwaltung hatte wie in den Vorjahren die Schausteller um Bewerbungen gebeten. Die Betriebe haben sich ganz normal beworben, um einen Zuschlag zu bekommen. Die Zusagen und Absagen sollen Anfang des Jahres verschickt werden, kündigt Ehrlich an.

„Wir haben noch etwas Zeit, um beurteilen zu können, wie es mit Großveranstaltungen im kommenden Jahr weitergeht .“ Eine Verlegung in den Herbst – wenn die Impfungen etwas weiter fortgeschritten sein könnten – sei bislang noch kein Thema gewesen, erklärt Ehrlich. „Da muss man natürlich auch genau abwägen. Die Schausteller machen ihren Kalender für das kommende Jahr. Da ist nicht so viel Spielraum drin.“

Letzter Umsatz am 23. Dezember 2019 für Schaustellerbetrieb

Schaustellersprecher Konstantin Müller wäre froh, wenn er aktuell in der Situation wäre, einen ausgebuchten Kalender zu haben. „Es ist für uns eine ganz bittere Zeit. Wir sind immer noch im ersten Lockdown. Uns hat man nicht von der Kette gelassen“, sagt Müller. Der Vorsitzende der Schaustellervereinigung zeigt sich schwer getroffen. „Ich habe seit dem 23. Dezember in meinem Betrieb kein Geld mehr verdient. Ich arbeite jetzt im Supermarkt an der Fleischtheke, um mein warmes Essen zu haben.“ Er kenne den Umgang mit Lebensmitteln. Den Rest habe er schnell dazu gelernt. Man dürfe keine Hemmungen haben, wenn es um die Existenz geht.

Müller macht klar, dass vielen Schaustellern nicht nur die Sommersaison fehle, sondern vor allem das Geschäft auf den Weihnachtsmärkten. Bei vielen Betrieben gebe es nicht nur die Einnahmenausfälle, sondern auch teure Verpflichtungen über Kredite, zum Beispiel für große Fahrgeschäfte. Das sei für viele Kollegen ein existenzielles Problem. „Ich weiß noch von keinem, der pleite gegangen ist, aber die Altersvorsorge ist weggeschmolzen.“

Drive-In-Kirmes „Kirmes to go“ in Menden war „für die Psyche“

Einige Schausteller hatten versucht, mit Lösungen wie der „Drive-In-Kirmes“ auf dem Grohe-Parkplatz ein wenig Kirmesgefühl wieder aufleben zu lassen. „Da geht’s nicht nur ums Geld. Da geht’s auch um die Psyche“, sagt Müller. Er habe sich jetzt wie in den Vorjahren für Kirmes und Jahrmärkte im kommenden Jahr beworben. „Aber im Moment kann man noch gar nichts planen. Wir hoffen einfach nur, dass die Welt irgendwann wieder in Ordnung ist.“

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