Baustart geplatzt

Kostenexplosion und Planungsprobleme bei Waldkindergarten

Das Kinderbecken bekommt gerade einen Ersatz. Dagegen gibt es laut Stadt eine Klage.

Das Kinderbecken bekommt gerade einen Ersatz. Dagegen gibt es laut Stadt eine Klage.

Foto: Martina Dinslage

Menden.   Der geplante Waldkindergarten im Bürgerbad Leitmecke in Menden wird nicht die erhoffte schnelle Lösung. Es gibt Probleme auf allen Ebenen.

Die Probleme mit dem geplanten Waldkindergarten im Bürgerbad Leitmecke sind offensichtlich noch größer als bislang angenommen. Die städtische Immobilientochter ISM hat eingestanden, dass die Kostenschätzung eher ein grober Überschlag war. Die bisher angedachten Standorte stellten sich als ungeeignet heraus. Ohnehin stand bereits im März fest, dass der Start zum Kindergartenjahr 2019/2020 unmöglich ist.

Der technische ISM-Leiter Martin Niehage wollte sich am Dienstag auf Nachfrage der Politik noch nicht einmal mehr zu einer groben Kostenschätzung hinreißen lassen. „Die Anforderungen an den Bau sind gestiegen“, sagte Niehage im

zuständigen Betriebsausschuss. Zwei von drei möglichen Standorten fallen für den Bau weg, weil sie im sogenannten Außenbereich liegen. Dafür müsste dann aufwändig der Flächennutzungsplan geändert werden – alles andere als eine schnelle Lösung.

Standort neben der Verchlorungsanlage

Übrig bleibt aus Sicht des ISM ein Standort im Bereich der Gebäude am heutigen Eingang zum Bürgerbad. Dort sei allerdings mit Chlorgerüchen zu rechnen. „Ob ein Waldkindergarten neben der Verchlorungsanlage an der richtigen Stelle steht, wage ich zu bezweifeln“, kritisiert Klaus Luig (FDP). Aus der Sicht des ISM kündigen sich ohnehin weitere Probleme an. Es sei mit Klagen aus der Nachbarschaft zu rechnen, nachdem es bereits ein Verfahren gegen den Bau des neuen Nichtschwimmerbeckens auf dem Gelände gibt. Dabei geht es nach Auskunft des ISM vor allem um den drohenden Fahrzeugverkehr. Selbst für den Kindergarten müssten nach Baurecht zusätzliche Stellplätze nachgewiesen werden (nicht für Bobby Cars, sondern echte Autos). Woher man die Flächen bei dem ohnehin schon knapp bemessenen Parkraum nehmen soll, ist offen.

Der ISM geht davon aus, dass ausgerechnet für das Waldkindergarten-Gebäude zusätzliche Bäume gefällt werden müssten. Nach einer Empfehlung des Landesbetriebes Wald und Holz NRW sollte der Abstand des Kindergartens vom Wald ohnehin mindestens 30 Meter betragen. Es fehlen Bodengutachten. Auch die Statik ist noch nicht klar. Für die Heizung in dem geplanten Gebäude, das als Basis für den Waldkindergarten dienen soll, gibt es auch noch keine Lösung.

Kritik an städtischer Immobilientochter

Klaus Luig knöpfte sich den ISM vor: „Ich frage mich ernsthaft, wie Sie diese Kosten überhaupt ermittelt haben. Das ist doch Grundlage.“ Die Politik hatte im Januar im städtischen Kinder- und Jugendhilfeausschuss auf Grundlage der Schätzung die Errichtung der Waldkindergartengruppe beschlossen, um schnell weitere Kindergarten-Kapazitäten zu schaffen. Der Betriebsausschuss für den ISM gab Anfang Februar die entsprechenden Mittel frei.

Martin Niehages Reaktion fiel kurz aus. Viele Fragen seien erst im Nachhinein aufgekommen. Was er ganz sicher sagen könne: Der Waldkindergarten kommt nicht zum Kindergartenjahr 2019/2020. Für ihn sei der frühestmögliche Fertigstellungstermin Anfang 2020. Weil dieser Termin aber mitten im Kindergartenjahr liege, sei es sinnvoller, gleich den Sommer 2020 anzupeilen.

FDP-Kritik an Qualität der Planer

Beschlossen ist aber selbst dieser Termin noch nicht. Der Fall geht jetzt wieder zurück in den Kinder- und Jugendhilfeausschuss. Die Fachleute sollen sich jetzt Gedanken machen, ob sie bei dem Ziel für den Bau des Waldkindergartens bleiben oder eine andere Idee haben. Auch Hubert Schulte (CDU) zeigte sich zerknirscht, sah aber keine andere Möglichkeit, als neu in das Verfahren einzusteigen.

FDP-Fraktionschef Stefan Weige stellt sogar „die Qualität des ISM“ grundsätzlich in Frage: „Entscheidend waren auch die vom ISM ermittelten und vergleichsweise niedrigen Kosten in Höhe von 163.000 Euro“, sagt er. „Vier Monate später stellt der ISM fest, dass an der geplanten Stelle zur Errichtung des Kindergartens sowohl die Kosten weitaus höher liegen, als auch baurechtliche Probleme existieren. Warum wusste der ISM das nicht schon vorher? Er hätte es wissen können und müssen!“ Weige fordert schnelle Entscheidungen.

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