Vorverkaufsflop

Kämmerer: Kunstfest Passagen in Menden droht kein Minus

Schauspieler Claus-Dieter Clausnitzer ist Gast bei „Passagen“. Seine Lesung führt das Ranking der Vorverkäufe mit 15 Tickets an.

Schauspieler Claus-Dieter Clausnitzer ist Gast bei „Passagen“. Seine Lesung führt das Ranking der Vorverkäufe mit 15 Tickets an.

Foto: Biene Hagel / FUNKE Foto Services

Menden.  Für die Hälfte der Termine beim Kunstfest Passagen sind noch nicht einmal fünf Tickets verkauft. Die Stadt sieht die Lücke dennoch gedeckt.

Beim Kunstfest „Passagen“ drohen einzelne Veranstaltungen zum Totalausfall zu werden. Ausgerechnet für die im Vorfeld hochgelobte Rezitation mit Original-Texten von Annette von Droste-Hülshoff war bis zum Wochenende nicht eine einzige Eintrittskarte verkauft. Verkaufsschlager ist vergleichsweise die Lesung „Von Helden und Verlierern“, mit Schauspieler Claus-Dieter Clausnitzer, der als Vater des Hauptkommissars Thiel (Axel Prahl) im WDR-Tatort Münster bekannt ist. Für alle 17 Veranstaltungen sind bislang weniger als 100 Eintrittskarten verkauft (WP berichtete).

Den Grund für den Null-Vorverkauf für „Geschwehle, Droste-Wavelet“ kann sich das veranstaltende Kulturbüro aktuell nicht erklären. Auch für einen Großteil der anderen Veranstaltungen auf Gut Rödinghausen sieht es kaum besser aus: Für zwölf der 17 Termine waren bis zum Wochenende weniger als fünf Tickets verkauft.

Stadtverwaltung: Finanzierung gesichert

Alt-Bürgermeister Volker Fleige, der das Festival-Programm zusammengestellt hat, wollte sich zum drohenden Verlust nicht näher äußern. Auf der Facebook-Seite der Redaktion erklärt er: „Nach der Veranstaltungsreihe wird die Verwaltung Aufwendungen und Erträge zusammenstellen und die Politik diese sowie die Nebenaspekte werten und wichten.“ Fleige betont, dass er die Vorverkaufszahlen nicht als Indiz dafür sieht, dass das Programm bei potenziellen Gästen durchfällt: „Ob ein Programm beim Publikum ankommt, stellt sich nicht 3 Wochen vorher heraus, sondern 3 Minuten nachher.“

Notbremse lässt sich laut Stadt nicht mehr ziehen

Lässt sich noch die Notbremse ziehen und sich die ganze Reihe oder ein Teil der Veranstaltungen absagen, um Kosten zu sparen? Bürgermeister Martin Wächter (CDU) sieht im Moment dafür noch keinen Anlass: „Ich bin dafür, das Ende der Ferien abzuwarten.“ Noch seien ja drei Wochen Zeit bis zum Veranstaltungsstart. Die letzten Termine seien ja ohnehin erst Mitte September. Wächter rät, „im Lichte der tatsächlichen Zahlen“ zu entscheiden. Man müsse aber auch klar zugeben: „Der Vorverkauf ist bescheiden angelaufen.“ Selbstkritisch müsse man sagen: „Vielleicht ist man an der einen oder anderen Stelle die Sache zu euphorisch angegangen.“ Auf der anderen Seite seien die Kritiker später schnell dabei, wenn es darum geht den eigenen Erfolg zu feiern.

Update vom 15. August: Die Stadtverwaltung geht – anders als zunächst berichtet – nun doch davon aus, dass durch das anstehende Kunstfest „Passagen“ auf Gut Rödinghausen keine Finanzierungslücke in den städtischen Haushalt gerissen wird. Kämmerer Uwe Siemonsmeier sieht die Lücke durch zusätzliche 20.000 Euro Fördermittel der Bezirksregierung Arnsberg und 5500 Euro von der Kunststiftung NRW komplett gedeckt. Dazu kommen bereits genannte Sponsorenbeträge, die mittlerweile auf 24.000 Euro angewachsen sein sollen, sagt Siemonsmeier. Insgesamt seien somit schon knapp 50.000 Euro Einnahmen sicher. Die Redaktion hatte bislang aus mehreren offiziellen Quellen andere Auskünfte erhalten (siehe unten).

„An Aufwendungen werden wir etwa 60.000 Euro erreichen, so dass es keine Anzeichen gibt, dass der politisch beschlossene und im Haushaltsplan festgesetzte Zuschussbedarf von 10.000 Euro für die Auftaktreihe nicht eingehalten wird“, erklärt der Kämmerer.

Verwirrung um Finanzierung

Über die Finanzierung des Projektes scheint selbst beim Veranstalter Verwirrung zu herrschen. Das städtische Kulturbüro hatte auf Nachfrage erklärt, dass die Lücke, die zwischen Ausgaben und Sponsoreneinnahmen entsteht, über Eintrittsgelder geschlossen werden müsse. Nach den vorliegenden Angaben war die Lücke abzüglich des beschlossenen städtischen Anteils von 10.000 Euro noch knapp 20.000 Euro groß. Wie viele Gäste kommen müssen, um die Kosten dem politischen Beschluss entsprechend zu decken, wollte die Stadtverwaltung nicht vorhersagen und erklärte, Kultur werde nie kostendeckend sein.

Bürgermeister Martin Wächter (CDU) gestand im WP-Gespräch ein, die genauen Zahlen nicht parat zu haben, ging aber auch von einer Lücke aus, die entstehen könnte, wenn nicht deutlich mehr Tickets verkauft werden. Auch Alt-Bürgermeister Volker Fleige (ehemals SPD), der das Festival-Programm organisiert, erklärte via Facebook: „Der Kulturausschuss hat 50.000 Euro bereitgestellt mit der Maßgabe, dass davon 40.000 Euro wieder zu erwirtschaften seien. Das ist mit mehr als der Hälfte über Sponsoren bereits geschehen.“

Das sind die Vorverkaufszahlen:

31. August: Die ganze Welt ein Park: 4

1. September: Hell leuchtet meiner Liebe goldsonnige Pracht: 9

3. September: Von Werwölfen, Untoten und Monstrositäten: 10

5. September: Rastlos treibt’s mich um im engen Leben: 8

6. September: Baal, Bert Brecht: 4

7. September: Tanzcamp für Kinder und Jugendliche: 5

7. September: Rastlos treibt’s mich um im engen Leben: 2

7. September: Baal, Bert Brecht: 10

8. September: Tanzcamp für Kinder und Jugendliche: 5

8. September: Werther: 5

10. September: Werther: 1

12. September: Grimms Wörter Wahnsinn: 3

13. September: Von Helden und Verlierern: 15

14. September: Die ganze Welt ein Park: 1

14. September: Grimms Wörter Wahnsinn: 2

15. September: Geschwehle, Droste-Wavelet: 0

15. September: Mein ferner lieber Mensch: 2

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