Geburtsklinik-Aus

Lange Wartezeiten für Hebammen-Betreuung in Menden

Zwei schwangere Frauen halten mit ihren Händen ihre Babybäuche. Viele Schwangere müssen in Menden lange auf die Betreuung warten.

Foto: imago stock&people

Zwei schwangere Frauen halten mit ihren Händen ihre Babybäuche. Viele Schwangere müssen in Menden lange auf die Betreuung warten. Foto: imago stock&people

Menden.   Werdende Mütter müssen in Menden lange auf eine Hebamme warten. Das sagen die Hebammen. Eine Schwemme blieb aus.

Deutschlandweit mangelt es an Hebammen. In Menden müsste die Situation doch aufgrund der Schließung der Geburtsklinik im St.-Vincenz-Krankenhaus vor einigen Monaten, durch die etliche Hebammen arbeitslos wurden, anders sein, oder nicht? Die WP hat nachgefragt.

Von Entspannung auf dem Markt der Geburtsvorbereitung und -nachsorge keine Spur. Hebammen sind in der Hönne­stadt nach wie vor äußerst begehrt. „Die Hebammen sind gut ausgebucht“, weiß Petra Günnewig vom städtischen Team Ambulante Hilfen. „Wenn eine Frau im 7. Monat ist und eine Hebamme braucht, dann ist das nicht einfach.“

Ihr Rat: „Schwangere sollten sich so früh wie möglich um eine Hebamme kümmern.“ Die Schließung der Vincenz-Geburtsklinik habe diese Situation nicht verändert. Denn einige der Vincenz-Heb­ammen hätten eine neue Festanstellung bekommen, darüber hinaus hätten die meisten ohnehin schon parallel zu ihrer Arbeit im Krankenhaus teilselbstständig als Hebamme gearbeitet.

„Bei uns müssen sich die Schwangeren sehr früh anmelden, am besten bis zur 15. Schwangerschaftswoche“, sagt beispielsweise Theresa Wies von der Hebammenpraxis „Kugelrund geborgen“. „Eine Schwemme von Hebammen gibt es in Menden nach der Schließung der Geburtsklinik auf keinen Fall.“ Neue Konkurrenz verspürten sie und ihre Kollegin, mit der sie „Kugelrund geborgen“ betreibt, nicht.

Angespannte Situation

Ähnlich sieht es auch Hebamme Lydia Rusch. Die Situation sei für werdende Mütter „durchaus angespannt“. Sie bekomme immer mal wieder Anfragen, die sie ablehnen müsse, weil ihre Kapazitäten erschöpft seien. Denn bei ihr sei es ähnlich wie bei vielen anderen Geburtshelferinnen in Menden: „Die meisten sind junge Hebammen, die eigene Familien haben.“ Diese arbeiten in einer Teilzeit-Selbstständigkeit – entsprechend begrenzt seien die Möglichkeiten, neue Klientinnen aufzunehmen.

Denise Berner von der gleichnamigen Mendener Hebammenpraxis bestätigt: „Ich muss leider viele abweisen.“ Bereits jetzt sei sie bis Mai nächsten Jahres ausgebucht. „Aber mehr als arbeiten können wir alle auch nicht.“ Sie hoffe, dass sich die Situation auch wieder entspanne.

Lydia Rusch berichtet, dass nach ihrer Erfahrung viele Hebammen ihren Beruf an den Nagel gehängt haben. Warum? „Hoher Arbeitsaufwand, schlechte Bezahlung, teure Berufshaftpflichtversicherungen, die wir auch abschließen müssen, wenn wir keine Geburtshilfe leisten“, nennt Lydia Rusch Gründe.

Kooperation mit Schwerte

Auch die Elternschule Storchennest, die zum St.-Vincenz-Krankenhaus gehörte und im September vom Physiozentrum Menden übernommen wurde, spürt den Mangel an Hebammen. Die Elternschule will das bisherige Storchennest-Angebot übernehmen und – in enger Kooperation mit dem Marienkrankenhaus Schwerte – ausbauen, wie Leiterin Ute Hammerschmidt erläutert. Das Physiozentrum habe alle Mendener Hebammen angeschrieben – allerdings mit geringer Resonanz. „Der Mangel an Hebammen“, sagt Ute Hammerschmidt, „ist in Menden sehr deutlich zu spüren.“


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