Feuerwehr

Löschgruppen am Limit: Leistungsnachweis in Fröndenberg

Wasser marsch an der Zufahrt zum Fröndenberger Marktplatz. 32 Löschgruppen haben beim Leistungsnachweis mitgewirkt.

Wasser marsch an der Zufahrt zum Fröndenberger Marktplatz. 32 Löschgruppen haben beim Leistungsnachweis mitgewirkt.

Foto: Alexander Lück

Fröndenberg.  Keine Zwischenfälle trotz Europawahlkampfes mit AfD-Stand in der Innenstadt. Theorie und Praxis fordern die Feuerwehrleute.

Der große Feuerwehr-Leistungsnachweis in der Fröndenberger Innenstadt mit über 300 Teilnehmern und der Wahlkampf zur Europawahl – inklusive des im Vorfeld umstrittenen AfD-Standes – gingen am Samstag mehr räumlich getrennt über die Bühne.

Die Stände der Parteien waren, da die Feuerwehr für den Tag den kompletten Marktplatz reserviert hatte, vor den Aldi-Markt gezogen. Und hier positionierte sich auch der kurzfristig organisierte Stand des

Patenschaftskreises Fröndenberg (wir berichteten). Den Kontakt mit den drei Vertretern der Alternative für Deutschland beschrieb Susanne Hippenstiel vom Patenschaftskreis so: „Friedlich, aber nicht freundlich.“ Mehr als eine kühle Begrüßung zum Start habe es nicht gegeben. Regelmäßig kam eine Polizeistreife vorbei. Vorfälle gab es aber nicht. Stattdessen, so erzählte Hippenstiel, hätten die AfD-Vertreter auch an die kleinen Schützlinge aus ihren Reihen Luftballons mit dem Schriftzug der Partei verteilt. „Die Kinder haben sich über die Ballons gefreut, die Farbe ist denen egal.“ Ansonsten kamen viele Vertreter aus Politik, Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe, von den Kirchen und aus anderen Gruppen der Stadt am Morgen oder Mittag, um durch die Anwesenheit beim Patenschaftskreis ihr Statement zu setzen. Neben der AfD hatten auch die anderen Parteien auf dem Bruayplatz die letzte Gelegenheit zum Europawahlkampf genutzt.

32 Löschgruppen mit dabei

Damit fand das alles aber nicht im direkten Einzugsbereich des Feuerwehrleistungsnachweises statt. Das bestätigte auch Christian

Schigowski, Löschgruppenführer der Löschgruppe-Mitte. Er unterstrich: „Die Feuerwehr ist unpolitisch.“ Beginnend am Marktplatz, weiter in die Wilhelm-Feuerhake-Straße hinein, herrschte den ganzen Samstag über fast so etwas wie Volksfeststimmung. Und das, wo etwa 330 Feuerwehrleute aus 32 Löschgruppen des gesamten Kreises Unna sowie Menden ordentlich ins Schwitzen kamen. Ein großes Publikum verfolgte das Geschehen. „Leistungsnachweise haben wir in Fröndenberg schon ausgerichtet, aber nun zum ersten Mal mitten in der Innenstadt. Wir wollten gerne ganz viel Bevölkerung anlocken und neugierig machen. Unsere Übungen kann man sich ja mit der ganzen Familie angucken“, so Christian Schigowski.

Theorie und Praxis

Vor allem den spektakulärsten Übungsbestandteil: den Löschangriff. Dazu wurde auf der Wilhelm-Feuerhake-Straße ein Brand simuliert, entsprechend mussten die einzelnen Gruppen (neun Leute stark in unterschiedlichen, zugelosten Aufgaben sowie ein Ersatzmitglied) zunächst den großen Wassertank als offene Entnahmestelle anzapfen, die entsprechenden Rohre verbinden, um dann das Wasser gezielt auf die Scheiben auszurichten, die mittels des Wasserdrucks umgeklappt werden müssen. Und das alles in maximal fünf Minuten. Den Augen mehrerer Schiedsrichter entgeht dabei kein Fehler. Ob bei den praktischen Übungen

– es müssen verschiedenen Knoten korrekt gelegt werden, außerdem im technischen Teil eine große Leiter aufgebaut werden – oder in der Theorie: Die Fragen rund ums Feuerwehrwissen brachten schließlich die Köpfe der Teilnehmer zum rauchen. Den eigenen Leistungsstand unter Einsatzbedingungen überprüfen, sich mit Ehrgeiz selbst beweisen, vielleicht auch Schwächen ausmachen, darum geht es in den Leistungsnachweisen. Pflicht sind sie für die Feuerwehrleute nicht, werden aber trotzdem von allen Löschgruppen regelmäßig in Angriff genommen. Christian Schigowski: „Das macht ja auch Spaß, fördert die Kameradschaft, auch zwischen den einzelnen Löschgruppen.“

Dem Zeitplan hinterher

Die Löschgruppe Fröndenberg war mit der Ausrichtung genug gefordert, stellte daher keine Teilnehmer mehr. 70 Personen, von der Jugendfeuerwehr, Aktiven und auch mancher Partner bzw. Partnerin, stemmten den Ablauf den Tag über. Der wurde von einem kleinen Team schon Monate vorher vorbereitet. Schließlich galt es ja auch, für den Leistungsnachweis Straßen in der Innenstadt zu sperren. Letztendlich war Schigowski mit dem Ablauf mehr als zufrieden. Jörg Sommer, Leiter der Fröndenberger Feuerwehr, blickte auch nur deshalb ein wenig kritisch, weil man zwischenzeitlich gut eine halbe Stunde hinter dem Zeitplan hing. Ansonsten sagte er mit deutlichem Augenzwinkern: „330 Urkunden muss ich heute unterschreiben.“ Der Grund dafür ist erfreulich: alle 32 Löschgruppen haben den Leistungsnachweis bestanden.

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