Wahlkampf

Menden: NRW-Innenminister lehnt Polizei-Studie weiterhin ab

Innenminister Herbert Reul bei seinem Besuch in Hüingsen: Eine Studie zu Extremismus bei der Polizei lehnt er weiterhin ab.

Innenminister Herbert Reul bei seinem Besuch in Hüingsen: Eine Studie zu Extremismus bei der Polizei lehnt er weiterhin ab.

Foto: Alexander Lück

Hüingsen.  Für Angriffe auf Einsatzkräfte findet NRW-Innenminister Herbert Reul deutliche Worte in Hüingsen.

Ein engagiertes Plädoyer für die Einsatzkräfte: Innenminister Herbert Reul war am Montagabend in Hüingsen zu Gast und stellte sich der Diskussion mit Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften der Stadt. Für Respektlosigkeiten und Angriffe, mit denen sich viele vermehrt konfrontiert sehen, fand er klare Worte. Ebenso für die kürzlich entdeckten rechtsextremen Gesinnungen einiger Polizisten.

Übergriffe in Menden angezeigt

Gut 80 Zuhörer hatten sich dazu auf dem Außengelände der Hüingser Schützenhalle versammelt. Vertreter der heimischen CDU, vor allem aber Engagierte aus Mendens Feuerwehr, Polizei, Malteser oder Rotes Kreuz. Eingeladen hatte der Landtagsabgeordnete Marco Voge, der am Sonntag in der Stichwahl um den Posten des Landrates im Märkischen Kreis kämpft. In seinen Begrüßungsworten berichtete Voge von den Schichten bei Polizei oder Rettungskräften, die er regelmäßig begleitet. „Ich habe sehr großen Respekt vor dieser Arbeit. Danke für Ihren Einsatz und machen Sie bitte weiter so“, richtete sich Voge an all die Menschen, die – oftmals ehrenamtlich – für Sicherheit und Schutz sorgen.

Bürger in NRW von Extremismus bei der Polizei schockiert
Bürger in NRW von Extremismus bei der Polizei schockiert

Dass gerade diese Einsatzkräfte immer wieder beleidigt und gar gewalttätig angegangen und an ihrer Arbeit gehindert werden, dafür fand NRW-Innenminister Herbert Reul klare Worte. „Manchmal denke ich, unsere Gesellschaft hat einen Riss in der Schüssel. So ein Verhalten darf nicht normal werden.“ Für die heimische Feuerwehr berichtete Christian Bongard dem Politiker, dass es einzelne solcher Fälle auch schon in Menden gegeben habe, die aber auch konsequent zur Anzeige gebracht wurden. „Ansonsten sind wir in Menden aber gut aufgestellt“, sagte Bongard.

Die Diskussion drehte sich dann weiter um die Frage der Nachwuchsgewinnung. Die auch in Menden (außerhalb von Corona) sehr erfolgreiche Kinderfeuerwehr nannte Reul ein tolles Projekt „auch wenn sich die Vorgängerregierung der SPD das ausgedacht hat“.

Aufarbeitung beginnen

Beim Themenkomplex Polizei wollten Polizeibeamter Daniel Henke wie auch Mendens CDU-Fraktionsvorsitzender Bernd Haldorn vom Innenminister wissen, wie er politische Vorschläge sieht, die Polizeibehörden bei den Landräten aufzulösen und stattdessen auf die Polizeipräsidien in den Großstädten zu konzentrieren. Haldorn dazu: „Wir müssen die Polizei in der Fläche halten. Gerade der Streifendienst vermittelt der Bevölkerung das Sicherheitsgefühl.“ Reul stimmte zu und stellte sich auch gegen oben genannte Pläne, was ihm viel Applaus aus der Runde bescherte. Bei einzelnen Delikten, die spezielles Wissen in der Ermittlung verlangen, könne er sich aber eine größere Zentralisierung vorstellen.

Angesprochen wurde Reul auch auf rechtsextreme Umtriebe unter Polizeibeamten. Auch hier äußerte er sich klar, so etwas sei nicht hinnehmbar. Die vielfach geforderten Studien über die Gesinnungen innerhalb der Polizei lehnt er weiterhin ab. „Eine Studie hilft doch nicht. Ich möchte das Problem lösen und vor allem wissen, wie es zu solchen Sachen kommen kann.“ Aufgestauter Frust aus den Alltagserfahrungen voller Kriminalität könnte einer der Gründe solcher Entgleisungen sein. Und ein noch größeres Beratungs- und Betreuungsangebot für die Polizeibeamten ein Weg zur Lösung.

Noch mehr Fotos, Videos und Nachrichten aus Menden und Umgebung finden Sie hier.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben