Nach Bürgerbegehren

Mendener Architekt will neuen Wettbewerb für den Bürgersaal

Will einen neuen Architekten-Wettbewerb für die Sanierung des Bürgersaalgebäudes: Gerhard Hormann.

Will einen neuen Architekten-Wettbewerb für die Sanierung des Bürgersaalgebäudes: Gerhard Hormann.

Foto: Thomas Hagemann

Menden.  Gerhard Hormann will das Bürgersaalgebäude saniert sehen – und fordert den neuen Planer-Wettstreit „auch als Ausdruck politischer Verantwortung“.

Nachdem die Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Erhalt des Bürgersaalgebäudes jüngst 6100 Unterschriften bei Bürgermeister Martin Wächter im Rathaus zur Überprüfung abgegeben haben (die WP berichtete), dürften am Marktstand für das Bürgerbegehren am Dienstag schon die nächsten Namen hinzugekommen sein – und das, obwohl nur 2705 gültige Unterschriften genügen würden. Dann muss sich der Mendener Stadtrat erneut mit dem Thema befassen.

Bekanntlich hatten CDU und SPD im Rat durchgesetzt, dass die Stadtverwaltung die Kosten eines Abrisses und der Einrichtung einer „grünen Lunge“ an Stelle des Bürgersaals ermitteln müsse. Und während die Belastbarkeit der Summen, die von der Verwaltung für die unterschiedlichen Projekte errechnet wurden, schon wieder von der jeweiligen Gegenseite in Zweifel gezogen werden, befasst sich Architekt Gerhard Hormann mit einem ganz anderen Aspekt des Bürgersaalgebäudes: Er plädiert für einen neu auszutragenden Architektenwettbewerb für die Sanierung – „auch als Ausdruck politischer Verantwortung“, wie er gegenüber der WP erklärte.

Abriss zerstört die Struktur

Die städtebauliche Entwicklung mit der ursprünglichen Baustruktur im Zentrum von Menden gehe auf den Architektenwettbewerb „Offenes Rathaus“ aus dem Jahr 1974 zurück. Damals hatten 70 Architekturbüros teilgenommen, deren unterschiedliche Lösungen „durch hochqualifizierte Fachpreisrichter verglichen wurden“. Sie hätten den besten Entwurf empfohlen, der letztlich von der Stadt ausgeführt wurde.

„Damit entstanden im Zentrum nunmehr klar definierte Außenbereiche: die Bahnhofstraße als ,Straßenraum’ und der Neumarkt als Platz, mit dem Ergebnis, dass die grundsätzlichen Wesenszüge der Altstadt in Grundriss, Aufriss und Maßstäblichkeit erhalten blieben“, erinnert Hormann an die Entstehungsphase des neuen Rathauses, zu dem das Bürgersaalgebäude gehört.

Der durch den Rat empfohlene Abriss des Bürgersaalgebäudes führe zur „Zerstörung der ursprünglichen innerstädtischen Baustruktur in diesem Bereich“. Für Hormann hat das Rathaus mit Bürgersaal gut 40 Jahre lang dem Gedanken eines offenen, bürgernahen Rathauses Rechnung getragen. „Und nun soll es das nicht mehr sein?“

Sanierung „tägliches Geschäft“

Auch für den Laien sei es mit Blick auf den Gesamtzustand des Rathauses nicht nachvollziehbar, wenn der Abriss des Bürgersaalgebäudes mit Sanierungsbedarf oder Funktionsuntüchtigkeit begründet wird. Hormann: „Es ist tägliches Geschäft der Architekten und Bauabteilungen, das Gesamtgebäude sowie dessen Außenräume einer Nutzungsänderung oder Erweiterung ohne Abriss anzupassen.“

Der Abriss wäre eine Zerstörung der gewachsenen Stadtstruktur, aber auch eine Vergeudung öffentlicher Mittel. „Verstehen wir hier die Situation als Chance, den Gedanken an ein offenes und bürgernahes Rathaus noch einmal zu überdenken und stärken wir das Bürgerbegehren zum Erhalt des Bürgersaalgebäudes“, appelliert der Mendener. Und: „Verstehen wir Stadtgestaltung als politische Verantwortung und kulturelles Bekenntnis, als Antwort auf Anforderungen, die wir an die von uns gestaltete Umweltstellen.“

Diese Verantwortung sei unübertragbar. „Denn nur die Fortführung der gewachsenen Stadtstruktur bei einer Nutzungsanpassung des Bürgersaalgebäudes schafft Vertrauen in die Entscheidungsträger, die sich für ein nachhaltiges Bauen in unserer Stadt einsetzen.“

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