Literatur

Mendener Autorin liefert neuen Sauerland-Krimi

Autorin Kathrin Heinrichs hat den 9. Sauerland-Krimi geschrieben.

Autorin Kathrin Heinrichs hat den 9. Sauerland-Krimi geschrieben.

Foto: WP

Menden.   Autorin Kathrin Heinrichs aus Menden hat einen neuen Sauerland-Krimi geschrieben. In „Heimatrausch“ geht es auch um die neuen Initiativen zur Imageverbesserung der Region. Die Sauerland-Krimis sind bei den Lesern höchst populär.

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Das Sauerland ist ein weißer Fleck auf der Literatur-Landkarte. Diese These hört man oft. Vergessen wird dabei allerdings, dass es längst eine populäre Sauerland-Krimi-Reihe gibt, deren Bände sich wie geschnitten Brot verkaufen. Auf eine Auflage von über 150 000 Exemplaren hat die Mendener Autorin Kathrin Heinrichs es mit ihren Romanen gebracht. Nun schickt sie ihren Ermittler Vincent Jakobs in dem neuen Krimi „Heimatrausch“ zum 9. Mal in die Tiefe des Raumes, um Verbrechen aufzuklären.

Kathrin Heinrichs ist Schriftstellerin und Kabarettistin, eine glückliche Kombination, denn in ihren Krimis spitzt sie zur Freude der Leser Situationen mitunter zu Alltagssatiren zu. Sauerland-Klischees kommen der Mutter von drei Kindern nicht ins Buch. Dafür ist sie mit ihrer Heimat zu sehr verwachsen, dafür kennt sie Land und Leute zu gut. Stattdessen beobachtet Kathrin Heinrichs ausgesprochen scharfsinnig und macht auch aus „Heimatrausch“ eine spannende Milieustudie jenseits von glücklichen Christbäumen und rotbackigen Bäuerinnen.

Frei von Stallgeruch

Mit ihrer Ermittler-Figur Vincent Jakobs hat sie ohnehin einen guten Griff getan. Denn der hauptberufliche Lehrer ist ein Immigrant aus dem Rheinland, verheiratet mit einer Sauerländerin, und hat also von vornherein einen Blick auf die Dinge, der frei von Stallgeruch ist.

Vincent und seine Frau feiern Silvester im renovierten Bauernhof einer Freundin in Schmallenberg-Grafschaft. Der Sohn eines befreundeten Ehepaares verschwindet in der Neujahrsnacht spurlos und wird schließlich ermordet unter der Eisdecke eines Teichs gefunden.

Wenn Kathrin Heinrichs ihren Vincent zusammen mit dem Polizisten Max an den Haustüren klingeln lässt, um Informationen zu sammeln, wird wie beiläufig ein Panorama sauerländischen Gesellschaftslebens vorgeführt: Da gibt es das Akademiker-Ehepaar im teuren Biovollholz-Einrichtungsstil, den Eigentümer eines eingesessenen Fotogeschäftes, das an der Digitalisierung kaputt zu gehen droht und den sprücheklopfenden Skilehrer, der hinter den Kulissen profigeschäftsmäßig versucht, eine dicke Scheibe vom Tourismus-Kuchen abzukriegen. Und dann sind da die Jugendlichen, die einem rechten Rattenfänger hinterherlaufen oder, wie der ermordete Jakob, in ihrer Heimat etwas Großes aufziehen wollen und sich dabei Feinde machen. Diese Leute sind nicht unbedingt sympathisch. Aber sie sind genauso durchtrieben und hinterhältig und witzig wie die Großstädter.

Neue Sauerland-Initiative

Die schönste Szene in „Heimatrausch“ besteht in der Schilderung einer Versammlung der fiktiven „Sauerländer Heimatfreunde“. Hier nimmt Kathrin Heinrichs genüsslich die aktuell wie Pilze aus dem Boden schießenden Südwestfalen-Initiativen aufs Korn. Ein paar Zitate: „,Wir haben Menschen eingeladen’, erklärte der Moderator mit fröhlichem Blick, ,die das Sauerland voranbringen, die mit innovativen Ideen die Region stärken und lebendig halten wollen.’“ Dann kommt der Inhaber einer Werbeagentur an die Reihe: „Ich hatte die Idee, endlich einmal alle Menschen an einen Tisch zu bringen, die sich auf unterschiedlichste Weise für unsere Region engagieren. Vernetzung ist der entscheidende Punkt, wenn man erfolgreich sein will. Meine Vision ist es, das gesamte Sauerland zu vereinen, ein neues Identitätsgefühl zu entwickeln und so unsere Region für uns und andere noch interessanter zu machen.“

In diesem Kapitel bleibt kein Auge trocken, wenn Kathrin Heinrichs die Phrasen der Marketing-Gurus überspitzt. Zwei anwesende Kabarettistinnen kommentieren das im Buch begeistert: „Wir haben gar nicht geahnt, dass uns heute so viel Stoff geboten wird.“

Kathrin Heinrichs: Heimatrausch. Vincent Jakobs’ 9. Fall. Blatt-Verlag, 233 Seiten, 9,80 Euro.

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