Extinction Rebellion

Mendener bei Extinction Rebellion: Radikal nur im Denken

Drei Mitglieder von „Extinction Rebellion“: Die Mendener Xenia Metzger, Robin Grimm und Jan Glasmeyer (von links) treffen sich im Salsa.

Drei Mitglieder von „Extinction Rebellion“: Die Mendener Xenia Metzger, Robin Grimm und Jan Glasmeyer (von links) treffen sich im Salsa.

Foto: Sophie Beckmann / WP

Menden.  Xenia Metzger, Robin Grimm und Jan Glasmeyer wollen auf den Klimawandel aufmerksam machen. Klare Absagen an Gewalt und Holocaust-Vergleiche.

Drei junge Menschen sitzen im Salsa und plaudern gemütlich beim alkoholfreien Bierchen – beim Blick in diese Runde wäre es wohl der letzte Gedanke, dass diese drei Mendener einer radikalen Klimabewegung angehören. Radikal wollen sie dabei tatsächlich sein, „aber nur im Denken“, betonen sie: Die Mendener Robin Grimm, Xenia Metzger und Jan Glasmeyer sind seit diesem Jahr in der Klimaschutz-Bewegung „Extinction Rebellion“ dabei. Die hat vor allem mit Blockaden auf sich und ihr Anliegen aufmerksam gemacht. Von gewalttätigen Auseinandersetzungen distanzieren sich die Mendener indes ebenso unmissverständlich wie vom britischen Extinction-Rebellion-Mitbegründer Roger Hallam, der den Holocaust kürzlich als ein „fast normales Ereignis“ relativiert hatte. Auch davon nehmen die drei Mendener ausdrücklich weiten Abstand.

Mit auf der Demo in Berlin

Bei der großen Blockade im Oktober in Berlin waren sie indes dabei, als die Klima-Aktivisten aus Protest gegen das Nichtstun den Kreisverkehr an der Siegessäule lahm legten. Auch wenn dort Farbschmierereien hinterlassen wurden, könne man nicht von gewaltsamen Demonstrationen sprechen: „Ich war dort sogar mit meiner Frau und meinem Kind“, berichtet der 32-jährige Robin Grimm. Man wolle überhaupt nicht für Konflikte sorgen, sondern nur Aufmerksamkeit erregen.

Nein zu Hallam: „Das vertreten wir nicht“

Angesprochen auf die Holocaust-Sätze von Hallam gehen die drei klar auf Distanz: „Das vertreten wir nicht“, heißt es zu den Aussagen, für die der Brite mittlerweile um Entschuldigung gebeten haben soll. Nicht nachvollziehen können die Mendener Klimaschützer auch gewaltsame Auseinandersetzungen von „Extinction Rebellion“ mit der Polizei in England.

Anderes Vorgehen als Thunberg

Die Bewegung sei mittlerweile in vielen Ländern der Welt vertreten und knüpfe an die Schülerbewegung „Fridays for Future“ von Greta Thunberg an. Extinction Rebellion gilt nach den Protesten in Großbritannien allerdings als deutlich radikaler. In Deutschland sehe das etwas anders aus, sagen Metzger, Grimm und Glasmeyer. „Unser Ziel ist, friedliche Demos zu veranstalten. Das Radikale beinhaltet bei uns bestenfalls, Strafen dafür in Kauf zu nehmen, dass unsere Aktionen nicht immer angemeldet sind“, erklärt Glasmeyer.

Doch worin besteht der Sinn, eine Hauptverkehrsstraße zu blockieren, wenn man damit diejenigen verärgert, die man gewinnen will? Auch die martialische Sprache und Symbolik der Aktivisten steht in der Kritik. Sie reden von „Massenmord“ an Tieren und korrupten Politikern, die die Menschheit zerstören. „Wenn wir es schaffen, dass sich manche Menschen vielleicht mal Gedanken über ihren Lebensstil und ihren Konsum machen, haben wir schon viel erreicht“, sagt Xenia Metzger.

Bisher noch keine Mendener Gruppe

In den Augen der Mendener Aktivisten ist Extinction Rebellion ähnlich wie Fridays For Future. Beide Bewegungen wollten dasselbe, nur die Vorgehensweise sei anders. So beschmierte man in London die brasilianische Botschaft mit roter Farbe, weil Präsident Bolsonaro dort den Regenwald zur Abholzung preisgebe. In Zürich färbten sie den Fluss Limmat grün. Auch dass sich Aktivisten dann wegen Ordnungswidrigkeiten verhaften ließen, finde man in der Schülerbewegung nicht.

Idee: Gemeinsam global handeln

Die drei Mendener gehören zur Ortsgruppe Iserlohn, treffen sich allerdings zurzeit in Menden, da sie in Iserlohn keine Räumlichkeiten haben. Eine eigene Gruppe der Extinction-Rebellion-Bewegung gibt es in Menden nicht. In kleineren Städten sei die Bewegung allgemein nicht sehr aktiv. „Wir versuchen eher Menschen aus diesen Städten dafür zu gewinnen, zu den großen Demonstrationen in die Hauptstädte zu kommen“, berichtet Jan Glasmeyer. Man wollen vor allem erreichen, „dass Menschen gemeinsam global handeln“. Das Thema Klimawandel gehe jeden etwas an, nicht nur einzelne Städte oder Ortsteile.

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