Entscheidung

Mendener Bürgersaal steht vor „Sein oder Nichtsein“

Wird der Mendener Bürgersaal für eine „grüne Lunge“ abgerissen oder wird er saniert? Die Frage ist noch immer nicht abschließend geklärt.

Wird der Mendener Bürgersaal für eine „grüne Lunge“ abgerissen oder wird er saniert? Die Frage ist noch immer nicht abschließend geklärt.

Foto: Tobias Schürmann

Menden  Abriss oder Umbau? Das ist die Schicksalsfrage für das große Bürgersaal-Gebäude, die der Mendener Stadtrat nun am 2. Juli beantworten soll.

. „Sein oder Nichtsein“ nennt der Initiativkreis Mendener Wirtschaft (IMW), was in Kürze auf der Tagesordnung von Bauausschuss und Stadtrat steht: das Schicksal des Bürgersaals. Bis vor kurzem schien es, als seien sich CDU und SPD einig darin, das unförmige Gebäude mit seinen schlecht zugeschnittenen Räumen entlang der Bahnhofstraße abreißen zu wollen und es – laut SPD-Antrag – durch eine „grüne Lunge“ zu ersetzen. Während die SPD laut ihres Ortsvereinsvorsitzenden Mirko Kruschinski nicht davon abgeht, scheint der Abriss in der Union ungeachtet eines bestehenden Fraktionsbeschlusses nicht mehr unumstritten zu sein.

Abriss als „Ende mit Schrecken“

Die Befürworter des Abrisses wollen lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende: Für sie, hieß es jetzt, seien weder die Kosten eines Abrisses noch die eines Umbaus und Weiterbetriebs zu definieren. Und: Auch in einem „Bürgerhaus light“ sei das Konzept zu verwirklichen, das seinerzeit für den Neubau entworfen worden sei – und für das sich damals schon kein Träger gefunden habe.

Stimmen für Erhalt mehren sich

Jetzt, da sich das Schicksal des Gebäudes, das auch den städtischen Seniorentreff beherbergt, im Stadtrat am 2. Juli entscheiden soll, mehren sich aber die Stimmen für den Erhalt. An erster Stelle stand hier die Initiative „Wir für Senioren“, die vor allem an den Bestand des Seniorentreffs denkt. Die von der SPD aufgezeigte Alternative im Ex-Peuler-Bau gegenüber der Mendener Mühle wird hier klar abgelehnt. Gemeldet hat sich jetzt auch der Initiativkreis Mendener Wirtschaft (IMW). Vorstandssprecher Andreas Wallentin fragt in einer Stellungnahme vom Freitag: „Was braucht die Stadt: Perspektiven für ein städtisches Gebäude in zentraler Lage – oder Stadtplanung mit der Abrissbirne?“

IMW: Solide Substanz

Der Bürgersaal zähle zu einem Ensemble mit Plätzen, Wegen und Blickbeziehungen, das sich in den Stadtgrundriss einfüge, ohne die Silhouette der Stadt zu dominieren. An der Ecke des Bürgersaals beginne die Innenstadt. Der Bürgersaal wirke ausgerechnet hier zwar abweisend, doch die Bausubstanz sei solide und ohne große Mängel. „Kein Grund zum Abriss, sondern eine Aufforderung, den Auftakt zur Innenstadt freundlich und einladend zu gestalten: mit einer großen Terrasse, bodentiefen Fenstern und einem neuen Eingang an der Ecke, davor eine Grünfläche mit blühenden Rosen und ein paar Parkplätzen weniger“, meint der IMW, der 280 Unternehmen und Institutionen in Menden vertritt.

Trotz Grüns „kein Wohlfühlort“

Und: Die Investitionen können mit mehr als drei Millionen Euro gefördert werden, während der Abriss aus dem städtischen Haushalt zu zahlen sei, ebenso die teuren Veränderungen an der Technik von Tiefgarage und Rathaus, die noch im Dach des Bürgersaalgebäudes steht. Dazu komme der Neubau für einen Altentreff, die Bilanzverluste für den Gebäudeabriss, die nach Informationen der WP allein mit 1,8 Millionen Euro zu Buche schlagen würden. „Da kommen ein paar Millionen zusammen“, rechnet der IMW vor.

Die Innenstadt verliere mit dem Abriss des Gebäudes an Leben, weil er nur ein „zufälliges Loch“ reiße, das auch mit einer Begrünung „kein Wohlfühlort“ würde. Der IMW kommt zu dem Schluss: Auch wenn ein stimmiges Nutzungskonzept noch entworfen und diskutiert werden müsse, so sei es doch der Mühe wert, Perspektiven für Bürgersaal und Seniorentreff zu entwickeln – „für uns alle in Menden!“

Stadt: Brandschutz kostet so oder so

Die Stadtverwaltung empfiehlt ebenfalls, statt des Abrisses ein Bürgerhaus im Bestand zu errichten, nachdem sich der Stadtrat wegen unklarer Kosten von Abriss und Neubau eines Bürgerhauses verabschiedet hatte. Zugleich teilt Sebastian Arlt als Erster Betriebsleiter des Immobilienservices Menden (ISM) aktuell mit, dass der Bürgersaal in heutiger Form nur dann weiter zu nutzen sei, wenn das bereits 2014 genehmigte Brandschutzkonzept umgesetzt werde. Kosten: rund 350.000 Euro, „ohne dass sich dabei der Nutzwert des Gebäudes steigert“. Sollte die Politik entscheiden, dass das Gebäude lediglich für einen Übergang von ein bis zwei Jahren weiter genutzt werden soll, wäre das Minimum an Brandschutzmaßnahmen für 50.000 Euro umsetzbar.

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