WP-Interview

Mendener Reitlehrerin nach Unfall: „Pferde sind Fluchttiere“

Setzt auf Vernunft und mehr Kontrollen: Reitlehrerin Corinna Müller (links), hier mit ihrer Schülerin Sophia Brechmann und Hengst „Cojak"

Setzt auf Vernunft und mehr Kontrollen: Reitlehrerin Corinna Müller (links), hier mit ihrer Schülerin Sophia Brechmann und Hengst „Cojak"

Foto: Archiv / WP

Menden.  Corinna Müller, Vorsitzende des Reitvereins Menden, spricht im Interview über den Unfall an den Reitertagen am Wochenende und die Folgen.

Es war keine gewöhnliche Unfallflucht, die der Mendener Polizei am Samstag gemeldet wurde: Ein unbekannter Autofahrer war Im Hülschenbrauck so dicht an einer Reiterin und ihrem Pferd vorbeigefahren, dass das Tier scheute und stürzte. Die Frau wurde leicht verletzt, das Auto fuhr davon. Mit der Mendener Reitlehrerin Corinna Müller, die zugleich Vorsitzende des Reitvereins (RV) Menden ist, sprach die WP über richtiges und falsches Verhalten von Verkehrsteilnehmern gegenüber Ross und Reiter.

WP: Frau Müller, wie typisch war der Unfall vom Samstag?

Corinna Müller: So ein unglücklicher Ablauf ist sicher noch nicht oft vorgekommen. Aber hier bei uns in den Feldern um Ostsümmern fahren heute viel mehr Autos als erlaubt. Und die Menschen am Steuer haben offenbar kein Gespür dafür, dass ein Tier vor einem so schnellen Fahrzeug Angst hat.

Was müssten Fahrerinnen und Fahrer denn tun, um sich richtig zu verhalten?

Langsamer fahren und notfalls auch mal stehenbleiben. Das ist wie bei einem Kind am Straßenrand. Da geht man ja auch nicht davon aus, dass man schnell und dicht vorbeifahren kann und das Kind einfach stehenbleibt. Ich selbst bin auch Autofahrerin und fahre durch die Felder. Wenn ich da an Passanten oder Hunden vorbeikomme, bremse ich doch auch ab.

Sind Sie als Reiterin auch schon selbst in Gefahrensituationen gekommen?

Natürlich, und ich habe hier auf dem Alten Schulweg auch mal einen Fahrer zur Rede gestellt, der immer sehr schnell hier entlangfuhr.

Und, wie war’s?

Erst wollte er mit mir über die rechtliche Situation diskutieren. Dann habe ich geantwortet, dass es darum doch gar nicht gehe. Es müsse doch auch sein Interesse sein zu verhindern, irgendwann einen Menschen, einen Hund oder eben ein Pferd auf der Motorhaube liegen zu haben. Daraufhin wurde der Mann zugänglicher, und heute fährt er tatsächlich langsamer. Es hat also etwas gebracht.

Was können denn die Reiter tun, um Unfälle zu verhindern?

Aufpassen natürlich, die Regeln einhalten und auch mal zurückstecken. Ich selber bleibe mit dem Pferd allerdings so lange auf der Mitte des Weges, bis das Auto hinter mir abbremst. Das ist kein Machtspielchen, das ist Eigensicherung aus Erfahrung. Manche Fahrer verstehen das aber gar nicht – oder falsch – und versuchen trotzdem durch die Lücke vorbeizuziehen.

Sind denn nur Autos eine Gefahr?

Nein. Manchmal kommt alles plötzlich und unerwartet. Ich hatte mal einen Hengst, der verletzt war und deshalb nur auf hartem Untergrund laufen durfte. Dann näherte sich ziemlich schnell eine Inline-Skaterin. Diese Inliner machen ein komisches Geräusch, und die junge Frau kam von hinten herangerauscht. Viele machen sich ja nicht klar, dass Pferde Fluchttiere sind: Der Hengst ist hochgegangen und hat sich gedreht, und die Skaterin wäre vor Schreck fast in den Graben gefahren. Manchmal passiert so etwas auch mit Radfahrern. Da hilft übrigens ein Klingeln!

Aus Ihrer Erfahrung: Was könnte man grundsätzlich anders machen?

Also, allein die Tatsache, dass hier in den Feldern viel zu viele Autos fahren, bereitet mir als Mutter und Pferdebesitzerin Sorgen. Die Anlieger hier fahren durch die Bank vernünftig, aber den Durchgangsverkehr müsste man wirklich stoppen.

Und wie?

Am besten mit nachhaltigen Polizeikontrollen. Schilder, glaube ich, helfen da wenig.

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