Keine Absage ohne Not

Mendens Kulturmacher geben sich in Corona-Krise kämpferisch

Auf Abstand auf der Wilhelmshöhe: Demnächst dürften bei Veranstaltungen auch Masken am Platz hinzukommen, anders als hier noch Anfang Oktober, als Feisal Kawusi bei stark reduzierter Zuschauerzahl in Menden auftrat.

Auf Abstand auf der Wilhelmshöhe: Demnächst dürften bei Veranstaltungen auch Masken am Platz hinzukommen, anders als hier noch Anfang Oktober, als Feisal Kawusi bei stark reduzierter Zuschauerzahl in Menden auftrat.

Foto: Yasser Aboshaeer

Menden.  Nichts fällt aus, was nicht coronabedingt ausfallen muss: Das wollen die Kulturmacher – ob Stadt Menden, Phono-Forum oder Katastrophen-Kultur.

Sie wollen ihre Veranstaltungen nicht absagen, so lange die Corona-Schutzbestimmungen dies hergeben, und seien sie auch noch so streng. Darin sind sich in Menden so unterschiedliche Veranstalter wie Andreas Nolte, Leiter des Kulturbüros der Stadt, Moritz Kickermann vom Phono-Forum als professioneller Agentur und Jörg Wiedemann als Vorsitzender des Vereins Katastrophenkultur einig. Im Lockdown im März waren es Kulturveranstaltungen aller Art, die mit als erste über die Klinge sprangen. Jetzt, in der zweiten Welle, geht es für Veranstalter, Künstler, Agenturen und das Publikum erneut um die Frage: Was geht, was geht nicht?

Das Kulturbüro der Stadt

„Wir wollen damit auch Zeichen setzen“, zeigt sich Andreas Nolte entschlossen. Nicht nur, weil kulturelle Highlights gerade in düsteren Zeiten Mutmacher sein können. „Es geht auch um das Signal an die Künstlerinnen und Künstler sowie die Veranstaltungstechniker“, sagt der Leiter des Kulturbüros. Das wachsende Risiko kurzfristiger Absagen, so ärgerlich sie wären, gehe man dabei bewusst ein. Wobei Andreas Nolte auch eine klare Grenze zieht: „Was die Corona-Bestimmungen nicht zulassen oder was nicht leistbar ist, das machen wir nicht.“

So entfällt jetzt das Tom-Teuer-Kindertheater „Die Prinzessin auf der Erbse“ am Mittwoch, 28. Oktober, im Alten Ratssaal: Der Saal sei für die 40 Zuschauer, die zuletzt eingeplant waren, zu klein, und neue Nachvollziehbarkeitsregeln machten den Aufwand für das Team der Stadtbücherei zu groß, erklärt Leiterin Veronika Czerwinski.

Für Nolte gibt es in anderen Fällen gleichwohl keinen Grund, angesichts mutmaßlich schwieriger Wochen und Monate von vornherein die Flinte ins Korn zu werfen. „Wir haben auch größere Veranstaltungsräume, nicht nur auf der Wilhelmshöhe. Und so, wie es die Verantwortung für die Gesundheit aller Beteiligten gibt, so gibt es auch die Verantwortung der Kulturmanager, innerhalb der zulässigen Grenzen Veranstaltungen anzubieten. Das ist unsere Aufgabe.“

Auf dem Programm der Stadt stehen somit weiterhin das Kabarett mit Kalle Pohl („Sieben Tage, sieben Köpfe“) im Theater am Ziegelbrand am 12. November oder die Kammer-Philharmonie auf der Wilhelmshöhe drei Tage später – auf der Höhe könnten nach derzeitigem Stand 150 Leute dabeisein. Dabei setze man auch auf Verständnis beim Mendener Publikum. Das müsse nicht nur mit ungewissen Terminen leben, sondern künftig auch im Saal die Maske am Platz tragen, erwartet Nolte. „Aber an die Masken werden wir uns ohnehin noch mehr gewöhnen müssen.“

Das Phono-Forum

Moritz Kickermann vom Phono-Forum Menden sieht vieles ähnlich wie Nolte. Gemeinsam mit seinem Vater Wilfried hatte gerade er in Menden zuletzt für viel Abwechslung gesorgt. Das reichte vom Autokino auf dem Groheplatz über das Zeltdach-Festival am Rathaus bis zu dem Wagnis, auf der Wilhelmshöhe die erste Unterhaltungsshow seit Monaten anzubieten. „Für uns als professionelle Veranstalter gilt allerdings, dass wir von den Veranstaltungen leben müssen“, sagt Kickermann. Das unterscheide ihn von der Stadt. Deshalb werde man auch abwinken, wenn immer strengere Corona-Regeln die zulässige Zuschauerzahl so weit drücken, dass die Veranstaltung von vornherein zum Minusgeschäft würde.

Jeder Ticket-Vorverkauf sei derzeit schwierig, weil die Leute ungern etwas buchten, worauf nicht zu 100 Prozent Verlass sei. Dagegen sei nichts zu machen. Was ihn aber ärgert, erklärt Moritz Kickermann auch: „Es ist überall nur allgemein von Veranstaltungen als einem Corona-Risiko die Rede, und dabei wird die Großhochzeit in einen Topf geworfen mit einer professionell vorbereiteten Bühnen-Veranstaltung, bei der eine Ansteckung so gut wie ausgeschlossen ist.“

Man dürfe auch die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Künstlern und Agenturen nicht außer acht lassen. Die seien ohne neue Lockdown-Regeln einzuhalten, es sei denn, man einige sich gütlich auf Ausfall oder Verlegung – oder schreibe gleich in den Vertrag, was dann passiert. So sei das im Sommer beim kurzfristig organisierten Zeltdach-Festival gewesen. Aber es stünden für Dezember auch Veranstaltungen im Programm, die schon vor zwei Jahren festgezurrt wurden.

Die Katastrophenkultur

Zwischen Stadt und Phono-Forum siedelt Jörg Wiedemann den Verein Katastrophenkultur an, wenn’s ums Geld geht: „Wir als Ehrenamtliche leben nicht vom Theater, aber der Verein ist natürlich davon abhängig.“ Im Moment dürften nur noch höchstens 35 Zuschauer ins „Scaramouche“ kommen, das ohnehin kleine Zimmertheater unterm Hallenbad. Trotzdem gelte im Kulturverein: „Wir freuen uns am 7. November auf einen tollen Abend mit Tino Selbach, der ein Ein-Mann-Musical unter dem Titel ,Macho Man’ auf die Bühne bringt“, sagt Wiedemann. Und obwohl auch er mit Maskenpflicht am Platz rechnet, setzt er auf ein Publikum, das vieles mitträgt. „Es sind noch Karten zu haben.“

Gleiches gelte für die Premiere der Eigenproduktion „In stiller Freude“ nach einem Stück von Dhuni Ebüsto am 20. November. Wenn hierzu am Mittwoch wieder geprobt wird, rechnet Wiedemann fest damit, dass dies erstmals mit Maske geschehen muss. „Wir machen das trotzdem“, sagt der Vorsitzende. Das Schlimmste sei es jedenfalls, nichts zu tun. „Wir haben sogar im Lockdown Bands auftreten lassen und die Gigs auf YouTube übertragen.“ Doch auch das sei unumstößlich: „Es ist für uns alle klar, dass nichts passiert, was gegen die aktuellen Coronaregeln läuft.“

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